Frankfurt/Main. Ein Unglück kommt auch für Italien selten allein: Nach neuesten Prognosen, die sinkendes Wirtschaftswachstum und steigende Arbeitslosenzahlen voraussagen, senkt auch die Ratingagentur Moody's den Daumen. Italiens Kreditwürdigkeit wird angesichts der mageren Wirtschaftsaussichten gleich um zwei Stufen auf Baa2 herabgesetzt, der Ausblick für das hoch verschuldete Euro-Land bleibt weiter negativ. Eine Entscheidung, mit der sich Moody's einmal mehr Kritik aus Europa eingehandelt hat.
Es sei zu erwarten, dass die Kosten für die Refinanzierung der Staatsschulden weiter steigen oder das Land angesichts eines Vertrauensverlustes seien Zugang zum Finanzmarkt verliert, begründete die Ratingagentur ihr Urteil. Außerdem wurde auf die "Ansteckungsgefahr" Griechenlands und Spaniens verwiesen.
Kritik aus Rom und Brüssel
Italiens Regierung sieht das naturgemäß anders. Industrieminister Corrado Passera bezeichnete die Entscheidung als "insgesamt ungerechtfertigt und sogar irreführend". Finanzstaatssekretär Gianfranco Polillo sagte, die Einschätzung der politischen Risiken sei "ganz und gar willkürlich". Italien werde auch bei einem stärkeren Abschwung seine Ziele für das strukturelle Defizit respektieren, sagte Polillo.
Auch von der EU-Kommission hagelte es Schelte - wegen des Zeitpunkts der Herabstufung. Dieser sei äußerst fragwürdig, sagte Kommissionssprecher Simon O'Connor: Die Reformanstrengungen Italiens im vergangenen Jahr seien beeindruckend gewesen. Italien senke seinen Schuldenstand kontinuierlich und setze die Konsolidierung umfassend um.
Sinkendes Wachstum und steigende Arbeitslosenzahlen
Ob gerechtfertigt oder nicht - für die Reformbemühungen von Regierungschef Mario Monti ist der Moody's-Entscheid ein Schuss vor den Bug. Die Regierung setzte sich zum Ziel, 2013 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, hob dafür unter anderem das Pensionsantrittsalter an, kürzte Ausgaben und erhöhte die Mehrwert- und Immobiliensteuer - und wurde dennoch abgestraft.
Gleichentags warnt Confindustria, Dachverband der Unternehmer: "Die Wirtschaft säuft ab, die Rezession verschärft sich." Politische Unsicherheit könnte das Fass zum Überlaufen bringen - was wird denn aus Italien nach den Parlamentswahlen im Frühjahr 2013?
Bedenkliche Mienen bei Analysten
Es ist also nicht nur die "Ansteckungsgefahr" Griechenlands und Spaniens, die auf der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone mehr denn je lastet. Neben den wirtschaftlichen Alarmzeichen dieser Wochen und Monate ist es die ungewisse politische Zukunft des Stiefelstaats, die bedenkliche Mienen bei Analysten aufkommen lässt.
Noch am Donnerstag hatte sich Italien zu vergleichsweise günstigen Bedingungen am Geldmarkt refinanziert. Mit einem Papier mit einer Laufzeit von einem Jahr seien 7,5 Mrd. Euro eingenommen worden, teilte das italienische Schatzamt mit. Die zu zahlende Rendite lag bei 2,697 Prozent, nachdem sie am 13. Juni noch bei 3,972 Prozent gelegen war.
Mitte der Woche hatte Regierungschef Mario Monti nicht ausschließen wollen, dass Italien doch noch Hilfe durch den Euro-Rettungsschirm benötigen könnte. "Es wäre gewagt zu behaupten, Italien werde diese Unterstützung niemals brauchen", sagte er laut italienischen Medien nach einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. Bis dato hatte er entsprechende Behauptungen stets zurückgewiesen.
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