• vom 13.07.2012, 20:34 Uhr

Aktuell

Update: 13.07.2012, 22:02 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (5)
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Undercover-Journalist war zu Gast in Wien

Wallraff sieht Kollaps des Systems



  • Aufdecker ortet Trend zum Billiglohn in Deutschland und Österreich.

Wallraff sprach in Wien.

Wallraff sprach in Wien.© APA/GEORG HOCHMUTH Wallraff sprach in Wien.© APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Aufdeckungs-Journalist Günter Wallraff, der kürzlich mit seinen Enthüllungen die Zusteller-Branche erschütterte, sieht Europa in einer Abwärtsspirale. Aus Angst davor, dass die Produktion in Schwellenländer ausgelagert werde, habe Europa seine sozialen Standards ausgehöhlt. In vielen europäischen Staaten, darunter auch Österreich, gebe es Sozial-Dumping. "Wir sind zu einem Billiglohnland geworden", sagte Wallraff bei einem Besuch in Wien. Das Netzwerk Soziale Verantwortung hatte Wallraff zum Thema Corporate Social Responsibility eingeladen.

Werbung

Als Beispiel nannte Wallraff seine aktuelle Reportage beim Paketzusteller GLS. Seit dem Aufdecken der Zustände in der Paketdienstleiterbranche habe er hunderte Hilferufe erhalten. Die Branche stehe unter Rechtfertigungsdruck. Die Paketfahrer kommen laut Wallraff auf einen Stundenlohn von nur zwei, drei Euro. Wallraff will "da dranbleiben". Er ist überzeugt, dass sich was ändere. Momentan bereitet er einen Musterprozess eines Subunternehmers gegen GLS wegen Scheinselbständigkeit vor. Die Schwierigkeit dabei sei allerdings, dass sich kaum jemand traut, gegen den Konzern vorzugehen, erzählte Wallraff.

Die Entscheidung, die Reportage im deutschen Privatfernsehen RTL auszustrahlen, sei im Nachhinein die richtige gewesen, sagte er. So habe er mehr Jugendliche erreicht. Generell bemerkt Wallraff, dass jüngere Leute wieder solidarischer werden. Die deutschen Gewerkschaften würden nach einem Mitgliederschwund jetzt wieder steigende Mitgliederzahlen verzeichnen.

Sozialsystem bricht ein
Das sei auch wichtig, denn Wallraff ortet einen Trend, dass Konzerne immer öfters gegen "unliebsame Betriebsräte" vorgehen. Mit "Psycho-Terror" und kriminellen Methoden würden kritische Belegschaftsvertreter gemobbt.

Prekäre Arbeitsverhältnisse sieht Wallraff auch bei Callcentern oder bei Großschlächtern. Generell seien immer mehr Branchen betroffen. In Deutschland liege die Lebenserwartung von Menschen, die unter 1000 Euro verdienen, zehn Jahre unterhalb jener von Besserverdienern. Wallraff: "Reiche werden reicher, Arme zahlreicher." Für die nächsten zehn Jahre ist er pessimistisch, das Sozialsystem breche ein. "Ich sehe einen Kollaps."




Schlagwörter

Wallraff, Medien

5 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-13 16:41:11
Letzte Änderung am 2012-07-13 22:02:41


Werbung



Beliebte Inhalte



Hier wird vereint, was vor ein paar Jahren für Kopfschütteln sorgte. - Mazak
  • Am 23. Mai eröffnet die Wohngemeinschaft offiziell ihre Pforten.
  • weiter

Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

Emmelie de Forest holt den nächsten Song Contest nach Dänemark. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Emmelie de Forest setzte sich mit "Only teardrops" gegen 25 Konkurrenten durch.
  • weiter

Die einzige Sendung, in der mit Akzent gesprochen wird. Im Bild die Moderatoren Lakis Jordanopoulos und Silvana Meixner. - ORF
  • ORF: "Migrationshintergrund kein Ausschlussgrund für eine Redaktion."
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

  • Der Streit um religiöse Symbole ist ein Nebenschauplatz
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter





Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung