Wien. Das medaillenlose Abschneiden Österreichs bei den Olympischen Sommerspielen in London ist längst zum Politikum geworden. Während der Spiele sorgte die Aussage von Sportminister Norbert Darabos, wonach Österreichs Sportler nicht als "Touristen" bei Olympia sein sollten, für Wirbel. Es folgte die Suche nach den Schuldigen für das Olympia-Desaster. Bei der fehlenden täglichen Sportstunde fange das Übel schon an, meinten einige Experten.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied will jedenfalls nichts mit den Misserfolgen der österreichischen Sportler bei Olympia zu tun haben: "Ich weise das dezidiert zurück", meinte sie zur neuaufgeflammten Diskussion um zu wenige Turnstunden im Schulunterricht. Wären die Spiele in London für Österreich erfolgreich gelaufen, hätte auch niemand gesagt, das liege am Sportunterricht, so die Ministerin am Dienstag im Ministerrat.
Für Schmied haben Bewegung und Sport in der Gesellschaft einen ebenso wichtigen Faktor wie Kunst und Kultur. Nur weil es jetzt aber bei Olympia keine Erfolge gegeben habe, sei es nicht sinnvoll, reflexartig nach irgendeinem Schuldigen zu suchen.
Schmied teilt Darabos-Wunsch nicht
Dem Wunsch von Sportminister Norbert Darabos, eine tägliche Turnstunde zu etablieren, schloss sich die Ministerin nicht an. Dies sei eine Frage des Stundenplans, meinte Schmied ausweichend. Ohnehin gebe es Schulen mit Sportschwerpunkten. Zudem sei es den Sportverbänden ermöglicht worden, Kooperationen mit Schulen einzugehen.
Wer die tägliche Sportstunde fordere, müsse die ganztägige Schule fordern, hieß es zudem aus Schmieds Büro. Eine tägliche Sportstunde sei nur im Rahmen der Schulautonomie oder in der Tagesbetreuung an Ganztagsschulen - auch in Kooperation mit Sportvereinen - möglich. Eine Verpflichtung für Bewegungsangebote am Nachmittag gebe es aber auch dort nicht.
Gesundheitsminister Alois Stöger wollte sich in die Debatte um die tägliche Turnstunde nicht einmischen. Klar sei, dass sich Kinder und Jugendliche eine Stunde pro Tag bewegen sollten. Ob dies in der Schule stattfinden müsse, sei eine andere Frage.
Nachlese:
Turnstunden - Opfer der Autonomie
Sportminister Darabos zeigte sich am Dienstag den Journalisten im Ministerrat nicht. Er hatte während der Spiele gesagt, Olympiatourismus sei nicht das Ziel.
Faymann nimmt Sportler in Schutz
Bundeskanzler Werner Faymann hat die österreichischen Sportler nach Olympia indes in Schutz genommen. Er habe vor jedem einzelnen Respekt, dem es gelungen sei, sich für die Bewerbe in London zu qualifizieren. Daher wolle er noch mal allen Sportlern danken.
Für Faymann ist es nun nach den medaillenlosen Spielen notwendig, ein Gesamtkonzept vorzulegen, um künftig wieder Erfolge zu ermöglichen. Er sei überzeugt, dass es Darabos gelingen werde, ein neues Sportgesetz zustande zu bringen. Die Debatte darüber werde wohl mit vielen Emotionen behaftet sein, sie dürfe aber nicht am Rücken der Sportler ausgetragen werden.
Was die von Darabos angeregte tägliche Turnstunde angeht, zeigten sowohl Faymann als auch Vizekanzler Michael Spindelegger nach dem Ministerrat Sympathien dafür. Beide machten aber klar, dass dieser zusätzliche Schulsportunterricht nicht alleine zu besseren Ergebnissen im Spitzensport führen würden. Die Turnstunde für medaillenlose Spiele verantwortlich zu machen, lehne er jedenfalls ab, betonte der Kanzler.
Für Anja Richter als Vizepräsidentin des ASKÖ-Landesverbands WAT ist auch das Schulsystem der Zukunft gefordert, für ausreichend Sport und Bewegung zu sorgen. "Turn- und Bewegungseinheiten an den Volksschulen sollten in der Zukunft von Spezialistinnen und Spezialisten abgehalten werden", meinte die frühere Spitzensportlerin. Außerdem biete der Ausbau des flächendeckenden Angebots von Ganztages-Schulen eine einmalige Chance, Sport und Bewegung täglich in den Schulalltag zu integrieren sowie vermehrt Kooperationen mit Vereinen einzugehen.
Arnie soll's richten
Einer Umfrage des Klagenfurter Humaninstituts zufolge, sind die Österreicher hochgradig unzufrieden mit dem Abschneiden der Österreicher in London. Gleich 79 Prozent beantworteten die Frage, ob sie mit den Leistungen zufrieden gewesen seien, mit "nein", nur 12 Prozent waren zufrieden. Gleichzeitig wurde gefragt, wer Österreichs Sommersportler auf die Siegerstraße bringen könnte. Das wäre laut Umfrage am ehesten "Terminator" Arnold Schwarzenegger. (apa/red)
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