• vom 29.09.2012, 15:44 Uhr

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Verweigerung einer Rundfunklizenz für katholischen Sender empört

Massenproteste gegen Polens Regierung



  • Oppositionsparteien riefen zu Protesten auf.

Warschau. Über 100.000 Menschen sind in Warschau zu einer Großdemonstration gegen die polnische Regierung zusammengekommen. Hauptanliegen der Organisatoren ist die Unterstützung des Fernsehsenders TV Trwam: Dem Sender, der im Besitz des umstrittenen katholischen Geistlichen Tadeusz Rydzyk ist, wurde von der nationale Rundfunkrat KRRiT die Lizenz für den digitalen terrestrischen Empfang verweigert.

  Zu der Demonstration hatten unter anderem die rechtskonservativen Oppositionsparteien "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) und "Solidarisches Polen" (SP) sowie die Gewerkschaft "Solidarnosc" (Solidarität) aufgerufen. Sie organisierten hunderte Busfahrten, um Menschen aus dem ganzen Land in die Hauptstadt zu bringen. Nach einer Messe auf dem Drei-Kreuz-Platz zogen die Demonstranten zum Warschauer Königstrakt, ihr Ziel ist der Schlossplatz. Einige Teilnehmer wollen vor dem Gebäude des öffentlichen Fernsehsenders TVP in der Innenstadt ein Zeltlager aufschlagen, um gegen dessen Berichterstattung zu protestieren. Im Demonstrationszug mischten sich Transparente der PiS ("Wir fordern freie Medien") mit denen der Solidarnosc ("Wir wollen nicht bis in den Tod arbeiten").

Kaczynski kündigt Misstrauensvotum gegen Regierung an
  Der PiS-Vorsitzende und Ex-Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski kündigte unmittelbar vor der Demonstration bei einer Veranstaltung seiner Partei an, die PiS werde am Montag einen Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt vorstellen. Noch im Herbst werde sie dann ein Misstrauensvotum gegen die Regierung ins Parlament einbringen. Die Demonstration für TV Trwam sei wichtig, um den Pluralismus in den Medien zu wahren. Es würde nicht zu "weiteren Affären, zu weiteren Skandalen" kommen, "wenn diejenigen Medien, die für die Wahrheit stehen, ebenso stark wären wie diejenigen, die die Regierungspartei schützen", sagte Kaczynski.

  Deutlich radikaler äußerte sich Tadeusz Rydzyk in einem Interview für die von ihm geleitete Zeitung "Nasz Dziennik", das am Samstag erschien. "Wir gehen in eine sehr gefährliche Richtung, die Richtung des Totalitarismus, der Dialog und die Demokratie werden zerstört", sagte Rydzyk. "Man kann die Auslöschung der Nation beobachten", erklärte der Geistliche.

  Die Medien des Redemptoristen-Paters Tadeusz Rydzyk, vor allem das einflussreiche Radio Maryja, sind wegen ihrer nationalistischen, EU-feindlichen und mitunter antisemitischen Beiträge umstritten. Auch er Vatikan ermahnte Rydzyk wiederholt, auf politische Agitation zu verzichten. Bei Wahlen stellen sich die Rydzyk-Medien seit Jahren auf die Seite der PiS.




Schlagwörter

Demonstrationen, Polen

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Dokument erstellt am 2012-09-29 15:48:35


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