• vom 04.10.2012, 15:53 Uhr

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Update: 04.10.2012, 16:03 Uhr
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EHFG 2012: Einige Länder Europas bereits als Vorreiter

"Sündensteuer" auf Zucker und Fett gefordert



  • Experte will Konsumenten von Softdrinks und "Junkfood" belasten.
  • Langfristige Wirkung der Maßnahme noch unklar.

"Typische Lebensstil-Erkrankungen wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Probleme oder chronische Lungenbeschwerden, nehmen bereits ruinöse Ausmaße für die Volkswirtschaften an". - APAweb/Hochmuth

"Typische Lebensstil-Erkrankungen wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Probleme oder chronische Lungenbeschwerden, nehmen bereits ruinöse Ausmaße für die Volkswirtschaften an". APAweb/Hochmuth

Salzburg. Sogenannte "Sündensteuern" auf ungesunde Speisen und Getränke würden Geld für Gesundheits-Prävention in die knappen Staatskassen spülen und damit volkswirtschaftlich außerordentlich nützlich sein. Das betonte am Donnerstag Armin Fidler, Chefberater für Gesundheitsfragen der Weltbank, beim European Health Forum Gastein (EHFG). Eine Reihe von Ländern setzt bereits auf Abgaben auf Fette und Zucker.

"Typische Lebensstil-Erkrankungen wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Probleme oder chronische Lungenbeschwerden, nehmen bereits ruinöse Ausmaße für die Volkswirtschaften an", warnte Fidler. Sie machen laut WHO in Europa bereits 77 Prozent der Krankheitslast und 86 Prozent aller Todesfälle aus - und die Prognosen gehen von weiteren Zuwächsen aus. So wird etwa die Zahl der Diabetes-Patienten in der EU von 2010 bis 2030 auf geschätzte 66 Millionen Menschen anwachsen.

"Die indirekten Kosten dieser Erkrankungen übersteigen die direkten bei weitem. Sie bringen eine Verkürzung der gesunden Lebensspanne und einen Produktivitätsverlust in den sogenannten besten Jahren mit sich", so Fidler. Dabei irritiere, dass diese Krankheiten in hohem Maße auf weithin bekannte und vermeidbare Risikofaktoren zurückgehen: Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, zu viel Alkohol und Rauchen.

Junkfood, Zucker, Transfette oder gesättigte Fettsäuren
Eine mögliche Strategie, dem Problem zu begegnen, seien Steuern auf Junkfood, Zucker, Transfette oder gesättigte Fettsäuren - bei gleichzeitiger Subventionierung von Obst und Gemüse. "Das würde nicht nur Mittel für den Gesundheitsbereich lukrieren, sondern auch das Konsum- und Ernährungsverhalten der Menschen beeinflussen", sagte Fidler. Ein zweckgebundener Einsatz der Mehreinnahmen sei dabei wichtig. "Damit es die Konsumenten verstehen." Zudem würden auch Wirtschaft und Handel unter Druck kommen, gesündere Produkte anzubieten.

Offiziell trete die Weltbank aber noch nicht für die neuen "Sündensteuern" ein, so Fidler zur APA. Während sich bei Tabaksteuern nachweislich gezeigt habe, dass die höhere Besteuerung von Zigaretten etwa junge Menschen vom Rauchen abhalte, müsse das im Bereich Zucker und Fett noch evaluiert werden: "Wir wissen noch nicht, wie lange die Wirkung solcher Maßnahmen anhält und zu einer Verhaltensänderung führt."

Beispiele aus dem EU-Raum
Nichtsdestotrotz werden ungesunde Produkte in manchen EU-Ländern bereits besteuert: So hat Dänemark im Vorjahr eine Steuer für Lebensmittel eingeführt, die mehr als 2,3 Prozent gesättigte Fette enthalten, Finnland eine Steuer auf gezuckerte Getränke und Süßigkeiten, Frankreich eine zusätzliche Besteuerung für Getränke, die Zucker oder Süßstoffe enthalten. Ungarn hat mit der Einführung einer "Junkfood-Steuer" auf Lebensmittel und Getränke mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzanteil für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch in Irland und Großbritannien wird das Thema diskutiert. Alleine in Frankreich sollen über eine Zuckersteuer von gerade einmal zwei Cent auf 33 cl Limonade 280 Millionen Euro pro Jahr lukriert werden.

"Regulatorische Eingriffe dieser Art mögen umstritten sein. Ihre Wirksamkeit wurde allerdings in zahlreichen Studien belegt", so Fidler. Im Kleinen hätten das etwa Forscher der Universität Oxford gezeigt: Laut einer im Mai 2012 im British Medical Journal publizierten Studie, führte eine Abgabe von 35 Prozent auf zuckerhaltige Getränke (0,34 Euro) in einer Kantine zu einem Verkaufsrückgang von 26 Prozent.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-04 15:54:38
Letzte Änderung am 2012-10-04 16:03:39


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