Barcelona/Madrid. (art) Es gibt Momente, da gerät sogar der schillerndste Bewerb aller in den Hintergrund. Im spanischen Fußball ist das am späten Mittwochabend eingetreten. Der 4:1-Sieg Real Madrids über Ajax Amsterdam, der den iberischen Meister in eine komfortable Position in der wohl schwierigsten Gruppe D mit drei Landesmeistern hievte, war gerade erst einmal ein paar Minuten alt, da scherte sich eigentlich keiner mehr um das Spiel bei den Niederländern. Fast schien es, als sei dies nur das Vorspiel für den eigentlichen Höhepunkt in Spaniens Fußball-Kosmos gewesen, den Clásico beim FC Barcelona am Sonntag (19.50 Uhr/live auf laola1.tv) in der Primera División.

Und diesmal ist das Duell nicht nur sportlich brisant: Im Zuge der Wirtschaftskrise nahmen in den vergangenen Wochen die separatistischen Tendenzen in Katalonien zu, und vor den vorgezogenen Wahlen am 25. November bietet das sportliche Kräftemessen mit Madrid eine willkommene Bühne für etwaige Kundgebungen.
Persönliche Animositäten
Denn wenn der Clásico ansteht, blickt ganz Spanien ins Stadion. Das öffentliche Leben steht quasi still, und dabei ist es auch egal, ob es um die Tabellenspitze geht. Die wird sich für Real nämlich auch mit einer übergalaktischen Leistung nicht ganz ausgehen, nach sechs Runden liegt die Mannschaft von Coach José Mourinho schon beachtliche acht Punkte zurück. "Es war sehr wichtig, dass wir Selbstvertrauen für Sonntag getankt haben", sagt Cristiano Ronaldo, am Mittwoch mit seinem ersten Champions-League-Triplepack die herausragende Figur bei den Madrilenen. Dass er diese Form auch im Clásico ausspielen möchte, ist Ehrensache, schließlich werden die Treffen zwischen Madrid und Barcelona stets auch zu Duellen zwischen ihm selbst und Lionel Messi stilisiert. Und nichts stört die Nummer sieben der Madrilenen mehr, als in der öffentlichen Wahrnehmung die Nummer zwei zu sein. In der Liga halten die beiden Topstars der Erzrivalen bei jeweils sechs Treffern. In der Champions League, in der beide Mannschaften nun nach zwei Siegen in zwei Spielen auf Aufstiegskurs liegen, hat der Portugiese allerdings die bessere Bilanz: Während er es in 30 Spielen für Real auf 27 Tore schaffte, brauchte Messi für seine 53 Treffer 70 Spiele.
Aber die Champions League ist in diesen Tagen ohnehin Nebensache, Barcelona-Coach Tito Vilanova, den der Ausfall von Verteidiger Carles Puyol schmerzt, will sie gar "jetzt einmal vergessen". Denn jetzt zählt nur der Sonntag, eh klar. Und auch für ihn ist es ein bisschen etwas Persönliches: Vor zwei Jahren hatte er - damals noch als Assistenztrainer von Pep Guardiola - Nettigkeiten bis hin zu Handgreiflichkeiten mit Mourinho ausgetauscht, zu Saisonbeginn, als er gerade erst sein Amt angetreten war, musste sich Barcelona dem Dauerrivalen im Supercup geschlagen geben. Eine gelungene Revanche würde wohl ausgiebiger gefeiert werden als die bisherigen Siege in der Champions-League-Aufwärmrunde.
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