Wien. Die hauptsächlich dem US-Cerberus gehörende Wiener BAWAG bekommt einen neuen Miteigentümer, wie die "Wiener Zeitung" vor kurzem berichtete. Laut Informationen des "Standard" (Samstag-Ausgabe) soll der US-Hedgefonds Golden Tree mit durchgerechnet 33 Prozent einsteigen. Laufen soll dieser Deal über einen Tausch (Debt Equity Swap) von Anleihepapieren in Aktien.
Dem Bericht zufolge soll von den Eigentümern 200 Mio. Euro an frischem Kapital bereitgestellt werden. Der US-Hedgefonds Cerberus hatte die BAWAG 2006 für 3,2 Mrd. Euro gekauft, seither aber keine Dividenden erhalten.
Voraussetzung für den jetzigen Deal ist, dass die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Pläne von Cerberus genehmigt und Golden Tree als tauglichen Bankaktionär einstuft. Derzeit laufen bereits Gespräche mit der FMA und der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).
Die Transaktion soll bis Ende des Jahres fixiert werden. Dann würde Cerberus rund 55 Prozent an der neuen Eigentümergesellschaft oberhalb der BAWAG Holding halten, Golden Tree rund 33 Prozent, der Rest bleibt den übrigen Investoren, heißt es in dem "Standard"-Bericht. Im Rahmen des Eigentümerwechsels soll die hochkomplizierte Eigentümerstruktur der BAWAG vereinfacht werden.
Androsch: "Komische governance"
BAWAG-Kleinaktionär Hannes Androsch sagte auf APA-Anfrage, er sei zu den geplanten Änderungen nicht informiert oder gar gefragt worden: "Die haben eine komische governance, die tun die ganze Zeit, was sie wollen und informieren nicht."
Aus der BAWAG hieß es Freitagabend auf APA-Anfrage: "Derzeit ist BAWAG PSK mit Cerberus Capital Management und anderen Investoren in Gesprächen bezüglich der Bereitstellung von frischem Kapital. Im Zuge dessen würde Cerberus auch weiterhin Haupteigentümer der Bank sein und einen signifikanten Kapitalbetrag in die BAWAG PSK investieren. Derzeit wird dieser Vorschlag eines möglichen Investments diskutiert."
Die Stärkung des BAWAG-Eigenkapitals durch den Debt-Equity-Swap wird nach Medieninformationen u.a. mit den neuen Kapitalanforderungen durch das internationale Bankenabkommen Basel III begründet.
Linzer Frankenaffäre könnte Hunderte Millionen kosten
Zusätzlich könnte auf die Bank aber aus der Linzer Frankenaffäre aber ein Verlust von mehreren hundert Millionen zukommen. Zurzeit laufen Verhandlungen um einen Vergleich zwischen Bank und Stadt Linz. Ein schlechter Ausgang des 400 Millionen-Euro-Prozessses für die BAWAG würde massiv zusätzliches Eigenkapital erfordern. "Wenn die Bank den Prozess verliert, wird sie das staatliche Partizipationskapital nie zurückzahlen können. Dann könnten wir in Österreich den nächsten Verstaatlichungsfall haben", heißt es in Politkreisen zur APA. Der Staat hat in der BAWAG 550 Mio. Euro Partizipationskapital stecken. Beim Bund werden die Entwicklungen im BAWAG-Aktionärskreis genau beobachtet. Eine weitere unfreiwillige Wandlung von Partizipationskapital in Aktienkapital sei das letzte, das die Republik jetzt brauche.
Kapitalerhöhung steckt in Steueroasen
Bei der BAWAG sind in nächster Zeit Kapital-Umstruktierungen auch deshalb nötig, weil das zuletzt 2009 von Cerberus bzw. dessen Partnern eingeschossene Kapital nach den neuen Kapitalregeln nicht mehr angerechnet werden wird. Die Bank erfüllt zwar derzeit die regulatorischen Eigenkapitalvorschriften – im künftigen strengeren Eigenkapitalregime fielen aber bestimmte Kapitalteile weg, zumindest 205 Mio. Euro. Denn als der Staat 2009 mit Partizipationskapital und Garantien von 550 Mio. Euro in die BAWAG einstieg, verlangte man auch einen Beitrag von Cerberus. Der brachte eine Kapitalerhöhung von 205 Mio. Euro ein, allerdings stecken die in einer Gesellschaft in Steueroasen weit oberhalb der Bankmutter BAWAG Holding GmbH, wie die "Wiener Zeitung" berichtete. Unter Basel III wäre dieses Geld deshalb auch kein anrechenbares Eigenkapital.
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