• vom 19.10.2012, 20:44 Uhr

Aktuell

Update: 19.10.2012, 21:41 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Strengeres Eigenkapitalregime bringt Eigentümer Cerberus in Zugzwang

US-Hedgefond Golden Tree bekommt ein Drittel der BAWAG



Wien. Die hauptsächlich dem US-Cerberus gehörende Wiener BAWAG bekommt einen neuen Miteigentümer, wie die "Wiener Zeitung" vor kurzem berichtete. Laut Informationen des "Standard" (Samstag-Ausgabe) soll der US-Hedgefonds Golden Tree mit durchgerechnet 33 Prozent einsteigen. Laufen soll dieser Deal über einen Tausch (Debt Equity Swap) von Anleihepapieren in Aktien.

Links

Werbung

Dem Bericht zufolge soll von den Eigentümern 200 Mio. Euro an frischem Kapital bereitgestellt werden. Der US-Hedgefonds Cerberus hatte die BAWAG 2006 für 3,2 Mrd. Euro gekauft, seither aber keine Dividenden erhalten.

Voraussetzung für den jetzigen Deal ist, dass die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Pläne von Cerberus genehmigt und Golden Tree als tauglichen Bankaktionär einstuft. Derzeit laufen bereits Gespräche mit der FMA und der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Die Transaktion soll bis Ende des Jahres fixiert werden. Dann würde Cerberus rund 55 Prozent an der neuen Eigentümergesellschaft oberhalb der BAWAG Holding halten, Golden Tree rund 33 Prozent, der Rest bleibt den übrigen Investoren, heißt es in dem "Standard"-Bericht. Im Rahmen des Eigentümerwechsels soll die hochkomplizierte Eigentümerstruktur der BAWAG vereinfacht werden.

Androsch: "Komische governance"

BAWAG-Kleinaktionär Hannes Androsch sagte auf APA-Anfrage, er sei zu den geplanten Änderungen nicht informiert oder gar gefragt worden: "Die haben eine komische governance, die tun die ganze Zeit, was sie wollen und informieren nicht."

Aus der BAWAG hieß es Freitagabend auf APA-Anfrage: "Derzeit ist BAWAG PSK mit Cerberus Capital Management und anderen Investoren in Gesprächen bezüglich der Bereitstellung von frischem Kapital. Im Zuge dessen würde Cerberus auch weiterhin Haupteigentümer der Bank sein und einen signifikanten Kapitalbetrag in die BAWAG PSK investieren. Derzeit wird dieser Vorschlag eines möglichen Investments diskutiert."

Die Stärkung des BAWAG-Eigenkapitals durch den Debt-Equity-Swap wird nach Medieninformationen u.a. mit den neuen Kapitalanforderungen durch das internationale Bankenabkommen Basel III begründet.

Linzer Frankenaffäre könnte Hunderte Millionen kosten

Zusätzlich könnte auf die Bank aber aus der Linzer Frankenaffäre aber ein Verlust von mehreren hundert Millionen zukommen. Zurzeit laufen Verhandlungen um einen Vergleich zwischen Bank und Stadt Linz. Ein schlechter Ausgang des 400 Millionen-Euro-Prozessses für die BAWAG würde massiv zusätzliches Eigenkapital erfordern. "Wenn die Bank den Prozess verliert, wird sie das staatliche Partizipationskapital nie zurückzahlen können. Dann könnten wir in Österreich den nächsten Verstaatlichungsfall haben", heißt es in Politkreisen zur APA. Der Staat hat in der BAWAG 550 Mio. Euro Partizipationskapital stecken. Beim Bund werden die Entwicklungen im BAWAG-Aktionärskreis genau beobachtet. Eine weitere unfreiwillige Wandlung von Partizipationskapital in Aktienkapital sei das letzte, das die Republik jetzt brauche.

Kapitalerhöhung steckt in Steueroasen

Bei der BAWAG sind in nächster Zeit Kapital-Umstruktierungen auch deshalb nötig, weil das zuletzt 2009 von Cerberus bzw. dessen Partnern eingeschossene Kapital nach den neuen Kapitalregeln nicht mehr angerechnet werden wird. Die Bank erfüllt zwar derzeit die regulatorischen Eigenkapitalvorschriften – im künftigen strengeren Eigenkapitalregime fielen aber bestimmte Kapitalteile weg, zumindest 205 Mio. Euro. Denn als der Staat 2009 mit Partizipationskapital und Garantien von 550 Mio. Euro in die BAWAG einstieg, verlangte man auch einen Beitrag von Cerberus. Der brachte eine Kapitalerhöhung von 205 Mio. Euro ein, allerdings stecken die in einer Gesellschaft in Steueroasen weit oberhalb der Bankmutter BAWAG Holding GmbH, wie die "Wiener Zeitung" berichtete. Unter Basel III wäre dieses Geld deshalb auch kein anrechenbares Eigenkapital.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-19 20:45:25
Letzte Änderung am 2012-10-19 21:41:39


Werbung



Beliebte Inhalte



Blumen geschockter Anrainer in der Nähe des Tatortes. Noch sind die Motive der Angreifer unklar. Sicher ist, dass sie schockieren und Angst verbreiten wollten. Da wir dies nicht unterstützen wollen, finden Sie hier keine bluttriefenden Bilder. (red/ja) - Foto: apaWeb / EPA - Arrizabalaga
  • Mutige Frau verwickelte Täter in ein Gespräch.
  • weiter

  • Neue Regierung will Verhandlungen mit Brüssel nicht fortsetzen.
  • weiter

Yvonne Pichler ist im Inneren eine Jüdin. - Ugur Atay
  • Yvonne Pichler erzählt vom Jonglieren zwischen allen spirituellen Welten.
  • weiter

20.000 Obdachlose leben allein auf den Straßen Athens. - APAweb / EPA / Orestis Panagiotou
  • Wer arbeitslos wird, landet schnell auf der Straße.
  • weiter
  • Update vor 56 Min.

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter





Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

Werbung