• vom 05.08.2006, 00:00 Uhr

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Eine Flasche Heimat




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Von Anton Holzer

  • Erwin Klein kreierte mit der Kräuterlimonade "Almdudler" eine identitätsstiftende Österreich-Marke.

Im Winter 1968 war die österreichische Welt in Ordnung. Die Skiläuferin Olga Pall holte sich in Grenoble die Goldmedaille in der Abfahrt. Die Wintersportler in Rot-Weiß-Rot brachten elf Medaillen mit nach Hause. Karl Schranz blieb das erwartete Gold zwar versagt, dennoch landete Österreich mit diesem Ergebnis auf dem dritten Platz der Nationenwertung, hinter Norwegen und der Sowjetunion. Für die heimkehrenden Sportler wurde in Wien eine stolze Feier ausgerichtet. Alle, Sieger wie Verlierer, erhielten als Dank für ihre Leistungen einen goldgefassten "Kaiser-Franz-Josef-Dukaten". Der private Gastgeber, der sich die Show in seinem Nußbergerhof etwas kosten ließ, hieß Erwin Klein.

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Klein war ein Tausendsassa und ein Multifunktionär. 1924 in Wien geboren, erlernte er die Schauspielerei, war Kabarettist, Regisseur und Drehbuchautor. Er versuchte sich als Chef einer Werbeagentur, war Vorsitzender eines Amateurfußballvereins, Präsident des Österreichischen Skibobverbandes und ab 1962 Kommerzialrat. Aber es waren nicht diese Funktionen, die ihm 1968 die Olypioniken ins Haus führten. Die Einladung sprach er als Besitzer und zugleich Manager der Firma "Almdulder" aus. Klein liebte den Sport. Und er wollte die Erfolge der Skination Österreich mit dem Image seines Getränks zusammenspannen. Bereits bei den Olympischen Winterspielen 1964 war die Limonadenmarke "Almdudler" prominent vertreten gewesen. Klein hatte die Speise- und Getränkeversorgung der gesamten Großveranstaltung übernommen. 1965 waren die beiden belgischen Fahrradstars Jules van der Flaas und Victor Baads im "Almdudler"-Trikot als Sieger über die Ziellinie der Schlussetappe der Niederösterreich-Radrundfahrt geradelt. 1973 schließlich, als Franz Klammer bei den österreichischen Skimeisterschaften in Lienz in Osttirol den 13. Platz erreichte, prangte, für die Fernsehkameras gut sichtbar, der Schriftzug "Almdudler" auf seiner Brust. Reinhard Tritscher gewann das Rennen, Hansi Hinterseer wurde Zweiter.



Olympisches Kultgetränk
Erwin Klein hatte es zu dieser Zeit längst geschafft. "Almdudler", die Marke, die er eineinhalb Jahrzehnte zuvor gegründet hatte, war zur Legende geworden. Die Firma A. und S. Klein hatte einen steilen Aufstieg hinter sich. Sie war, so Martina E. Maurer, die die "Almdudler"-Firmengeschichte akribisch recherchierte, Ende der 60er Jahre "Österreichs mächtigste Markenorganisation auf dem Markt der alkoholfreien Erfrischungsgetränke" . Allein bis 1968 waren 200 Millionen Liter "Almdudler"-Limonade getrunken und 20.000 Tonnen Zucker verarbeitet worden. 14 Millionen geschwungene gelbe Flaschen mit der typischen "Almdudler"-Form waren bis zu diesem Zeitpunkt verkauft worden. In den ersten Jahren beförderten täglich 1000 Lieferwagen die "Almdudler"-Kisten in die österreichischen Gasthäuser.

Elf Jahre zuvor, am 16. Oktober 1957, hatte die "Almdudler"-Geschichte begonnen. In der Weißgasse 3 im 17. Wiener Gemeindebezirk begann Klein eine neuartige Kräuter-Limonade herzustellen. Am Rezept hatte er drei Jahre getüftelt. Was er damals noch nicht wusste: dass er mit "Almdudler" einen überwältigenden Markthit landen und gut daran verdienen würde. Dazu brauchte er zunächst: ein ausgeklügeltes Lizenzwesen, einen effizienten, flächendeckenden Vertrieb, viel Werbung und Fernsehgeräte im ganzen Land. Im Jahrzehnt zwischen 1959 und 1969 stieg die Anzahl der Kühlschränke in Österreich von 254.000 auf 693.000 an. "Almdudler" konnte nun auch zu Hause getrunken werden.

Wieso aber ist "Almdudler" zum Kultgetränk geworden und nicht etwa Konkurrenzmarken wie Sinalco, Traubisoda, Libella oder Chabesade, die heute kaum jemand mehr kennt? Was steht hinter dieser Erfolgsstory? 1958 hatte Erwin Klein die Idee, österreichische Firmen zusammenzuschließen und unter dem Namen "Taxi-Cola" ein "österreichisches" Coca Cola auf den Markt zu bringen. Durchgesetzt hat sich freilich nicht Taxi-Cola, sondern "Almdudler".



Limo für Patrioten
Klein warf nämlich nicht nur Sodawasser, Kräuter und Zucker in die Waagschale im Kampf gegen die amerikanische Konkurrenz, sondern auch viel Wir-Gefühl. Gegen Coca Cola half, wenn man die Werbekampagnen von "Almdudler" Revue passieren lässt, nur eines: Patriotismus. "Der Unternehmer Erwin Klein hatte" , so heißt es in der "Almdudler"-Firmengeschichte, "eine würdige Antwort auf das amerikanische Softdrink-Getränk gefunden" . Wer "Almdudler" trinkt, liebt Österreich. So lautete die Botschaft bereits in den frühen, noch sehr volkstümlichen Radiospots. Das Werbe-Rezept wurde bald ins Fernsehen übertragen. Ein TV-Spot aus den frühen 60er Jahren: "Sie alle trinken schon manch' Jährchen / die Marke mit dem Trachtenpärchen / die Almdudler-Limonade! / Das Stubenkätzchen Rosalie / der Herr Student von vis-à-vis / die Schwester von der Chirurgie." "Almdudler" ist die erste österreichische Getränkemarke, die auf Fernseh- und später Kinospots setzte.

1987 verirrt sich ein junger, draufgängerischer, etwas naiver österreichischer Blondschopf nach New York. In weißem Hemd und in karierter Jacke betritt er eine Kneipe. Der Barkeeper ist ein Schwarzer. "Almdudler on the rocks, please" , verlangt der Österreicher in gebrochenem Englisch. Der Schwarze versteht nicht: "Alm - what?" Der Mann aus dem Alpenland ist irrititiert, versucht zu erklären, vergebens, schließlich dreht er sich ärgerlich um: "No. Na. Also wenn die kan Almdudler hab´n, geh i wieder ham." Daheim - das ist Österreich. Und dort muss der junge Mann sein Anliegen nicht erklären. Jeder kennt "Almdudler". Das ursprüngliche "Almdudler"-Trachtenpärchen verpackte "Österreich" in die Bildwelt der Aufbaujahre. Mann und Frau in Tracht gekleidet stehen vor einer Bergkulisse. Beide mit weit ausladendem Trachtenhut, die Frau trägt ein züchtig bis zum Hals geschlossenes Dirndl, der Mann, seinen Arm um die Schulter der Frau gelegt, trägt eine kurze Lederhose, Stutzen und eine Trachtenjacke. Beide stoßen mit einem Krügerl "Almdudler" in der Hand an. Hinter dem Pärchen, im Mittelgrund, ist ein Bauerndorf zu erkennen und eine Kirche. Die Silhouette ist bekannt. Sie verweist auf den Kärntner Gebirgsort Heiligenblut vor dem Großglockner.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2006-08-05 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-08-04 18:04:00


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