• vom 24.08.2006, 00:00 Uhr

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Update: 24.08.2006, 11:28 Uhr

50 Grad Hitze, Wasserknappheit und Krankheit prägen den Alltag in den Flüchtlingslagern der Westsahara

Erholung vom vergessenen Krieg




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Doch das versteht Mana natürlich alles noch nicht. Ihr gefällt es in Österreich gut. Sie und die anderen Kinder sind neu eingekleidet worden. Angekommen sind die meisten mit nicht viel mehr, als sie auf dem Leib trugen. Und diese Sachen sind abgetragen gewesen und wohl schon von vielen Geschwistern benutzt worden.

Jetzt haben die kleinen Urlauber modische kurze Hosen oder Röckchen und bequeme Sandalen an. Darüber hinaus sind sie in einem heimischen Krankenhaus durchgecheckt worden. "Es geht darum, dass die Kinder nicht auch noch die heißesten Monate des Jahres im Lager verbringen müssen", erläutert Scheele. Das würde auch das Lagerleben entlasten, das von Wasserknappheit geprägt ist. Immerhin kann es im Sommer bis zu 50 Grad heiß werden.

Das Trinkwasser muss zudem in Tankwagen in die Lager gebracht werden, weil das Wasser aus dem Boden salzhaltig ist. Pro Person stünden - laut deutschem Global Aid Network - täglich nur eineinhalb Liter Wasser für Trinken, Kochen und Waschen zur Verfügung. Gerade in der Wüste ist das viel zu wenig.



Sorge um Aggression
Dass "Ferien vom Krieg" aktiv Frieden stiften könne, glaubt die Organisatorin nicht. Auf die Frage, ob man nicht Gäste von beiden Seiten des Konfliktes, also saharauische und marokkanische Kinder einladen könnte, erklärt Scheele, dass das zwar theoretisch denkbar, praktisch aber schwer durchzuführen sei.

Mit Besorgnis nimmt sie die steigende Aggression im marokkanischen Teil der Westsahara wahr. Seit Mai 2005 gibt es dort vermehrt Demonstrationen für die Unabhängigkeit der Region. Gleichzeitig werde auch immer häufiger innerhalb der Frente Polisario eine Rückkehr zum Kampf diskutiert. "Wir werden aber immer von Gewalt abraten", erklärt die Politikerin.

Mana geht bei ihrem Österreichurlaub am liebsten schwimmen. Manchmal hat sie ein bisschen Heimweh, auch wenn sie tapfer ist und nicht weint. In einer Woche wird sie wieder zu Hause sein - bei ihrer Mutter, der Kindergärtnerin, und ihrem Vater, dem "Kämpfer". Aber auch zurück bei Hitze, Elend und Krankheit. Die Blumen und Bäume, die sie im Urlaub gesehen hat, werden angesichts der Realität des Lagers nach und nach aus ihrem Gedächtnis verschwinden. Aber die Erinnerung an den Sommer in Österreich wird bleiben: An den Sommer ohne Krieg.

Zum Thema

Dossier: Konflikt in der Westsahara

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Dokument erstellt am 2006-08-24 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-08-24 11:28:00


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