• vom 18.11.2005, 12:21 Uhr

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Hans-Hermann Hoppe entwirft ein libertäres Wirtschaftsmodell

Anarchokapitalismus


Von Eugen-Maria Schulak

Hans-Hermann Hoppe, geboren 1949 in Peine (Deutschland), libertärer Anarchist und radikaler Vertreter der Austrian School of Economics, führender Kopf des rechten Flügels der amerikanischen Ultraliberalen, lehrt Ökonomie an der Universität von Las Vegas. Foto: Siemens-Forum

Hans-Hermann Hoppe, geboren 1949 in Peine (Deutschland), libertärer Anarchist und radikaler Vertreter der Austrian School of Economics, führender Kopf des rechten Flügels der amerikanischen Ultraliberalen, lehrt Ökonomie an der Universität von Las Vegas. Foto: Siemens-Forum Hans-Hermann Hoppe, geboren 1949 in Peine (Deutschland), libertärer Anarchist und radikaler Vertreter der Austrian School of Economics, führender Kopf des rechten Flügels der amerikanischen Ultraliberalen, lehrt Ökonomie an der Universität von Las Vegas. Foto: Siemens-Forum

Das Primäre sei der Einzelne und sein Eigentum, der Einzelne und seine Familie, der Einzelne und seine Freunde, sagt Hans-Hermann Hoppe, der derzeit radikalste Vertreter der Wiener Schule der Ökonomie. Vom Einzelnen habe man auszugehen, wenn man ernsthaft von Freiheit und Gerechtigkeit sprechen wolle. Doch dem Einzelnen, dem Individuum, sei die Möglichkeit zur freien Gestaltung seiner gesellschaftlichen Verhältnisse radikal weggenommen worden - und zwar vom Staat. Der Staat, so Hoppe, mische sich in alles ein. Man müsse ihm bis zu 50 Prozent seines Einkommens überantworten, damit das Kollektiv via Umverteilung zufriedengestellt werden kann. Nicht zuletzt deshalb drängten auch so viele Menschen in den Staat hinein, weil es dort leicht sei, mit wenig Aufwand etwas zu lukrieren. All jene, die sich im Staat gut eingenistet hätten, seien letztlich jene, die über die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmen. Auf diesem Weg sei auch das Privatrecht Stück für Stück durch öffentliches Recht ersetzt worden, und das Individuum sei dabei auf der Strecke geblieben. Die aktuelle Situation: Still und leise habe sich das sozialistische, kollektivistische Denken mit Hilfe eines mächtigen Verbündeten, mit Hilfe der Demokratie, in unser Denken, in unsere Herzen eingeschmeichelt und sich so zur Verwirklichung gebracht.

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Ein Leben ohne Steuern

Hoppes Alternative ist eine langsame, gewaltlose Umkehrung der Verhältnisse in Richtung einer ursprünglichen natürlichen Ordnung. Er schlägt keine herkömmliche Revolution vor. Eine Revolution würde bloß wieder einen Staat hervorbringen und dieser würde sich dann ebenso am Einzelnen und seinem Eigentum vergreifen. Hoppe lehnt den Staat in allen wesentlichen Punkten radikal ab. Stattdessen gelte es, ausgehend von einzelnen Zellen, eine Privateigentumsanarchie, einen Anarchokapitalismus zu etablieren, eine Anarchie, in der nicht Gesetzlosigkeit herrscht, sondern in der Menschen ohne staatliche Kontrolle, ohne Steuern zu zahlen, ohne staatliche Landesgrenzen auf ihren eigenen Gründen, Straßen und Plätzen ihre Verhältnisse gemäß ihren Leistungen und gemäß ihren Bedürfnissen selbst gestalten.

Wiener Zeitung: Sie sind ein deutscher Theoretiker und lehren in Las Vegas, in einer Glamour-Stadt mitten in der Wüste. Inspiriert Sie das?

Hans-Hermann Hoppe: Ich hatte mir natürlich vorgestellt, dass ich eine traditionelle Gelehrtenkarriere in Deutschland machen würde. Am Anfang sah das auch ganz so aus. Ich habe mit 24 promoviert, mich mit 31 habilitiert, dann von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein Heisenberg-Stipendium bekommen, womit auch eine Art indirekte Zusage verbunden war, im Anschluss daran einen Lehrstuhl zu bekommen. Aber bald ist mir klar geworden, dass dies in meinem Fall nicht passieren würde. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon jene Gedanken entwickelt, die auch in meinem aktuellen Buch auftauchen. Das war eine gewisse Krise in meinem Leben. Dann habe ich den Entschluss gefasst, nach New York zu gehen, um dort mit Murray Rothbard zusammenzuarbeiten, der mein Lehrer und Freund werden sollte. Später dann gingen wir gemeinsam nach Las Vegas.

Wenn man eine Privateigentumsanarchie fordert, dann ist man ja per se ein Staatsfeind. Staatsfeinde sind in einer Welt, in der es nur Staaten gibt, nicht sonderlich beliebt. Macht Ihnen das etwas aus?

Am Anfang hat es mir etwas ausgemacht. Dann habe ich mir ein dickes Fell wachsen lassen und mich damit getröstet, dass ich mir mit meiner Arbeit ja nicht bloß Feinde mache, sondern auch dauerhafte Freunde, die einem dann in jeder Hinsicht behilflich sind. Diese Tatsache, dass die Zahl der Freunde laufend angewachsen ist, tröstet einen über alle Feindseligkeiten hinweg.

Sie sind, könnte man sagen, so etwas wie ein Underground-Philosoph, ein seltenes Exemplar. Haben Sie auch Gleichgesinnte? Gibt es so etwas wie einer libertäre Internationale?

Die Bewegung, die als "austrolibertär" bezeichnet wird, hat mittlerweile Vertreter in jedem Land der Welt. Es gibt also Netzwerke, die in gewisser Weise eine libertäre Internationale repräsentieren. Meine Arbeiten wurden mittlerweile in zwanzig Sprachen übersetzt. In Amerika ist die Bewegung wahrscheinlich am stärksten ausgebreitet. Man kennt alle führenden Leute und trifft einander auch regelmäßig zu gewissen Konferenzen, um sich gegenseitig guten Mut zuzusprechen, denn meistens ist man da, wo man tätig ist, ein Einzelkämpfer. Aber wir haben mehrere Millionen Anhänger, allein in Amerika zwei, drei Millionen.

Staatsgläubigkeit

Warum lehnen sich nicht mehr Menschen gegen den Staat auf? Kann es sein, dass wir für diese Art der Freiheit zu feige sind?

Das ist sicher ein Element. Ein weiteres ist, dass wir durch den Staat einfach korrumpiert wurden. Beispielsweise ist das gesamte Bildungswesen verstaatlicht. Aus diesem Grunde ist es nicht ganz überraschend, dass fast alle Intellektuellen, die ja vom Staat bezahlt werden, Positionen vertreten, die auch etatistisch sind. Verbesserungen können ihrer Meinung nach nur von einer Regierung kommen. Die meisten Intellektuellen wissen, dass sie auf dem freien Markt nicht die geringste Chance hätten, nur annähernd jenes Gehalt zu erzielen, das sie im öffentlichen Bereich bekommen. Das macht sie zu bewussten Propagandisten für etatistisches Denken.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2005-11-18 12:21:52
Letzte Änderung am 2005-11-18 12:21:00


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