• vom 13.11.2005, 16:11 Uhr

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Update: 13.11.2005, 16:13 Uhr
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Prinzessin Sayako ehelicht einen Architeken

Japan: Ein Königskind wird bürgerlich


Von Hiroshi Hiyama

  • Tokio. (Afp/Apa/WZ Online) Beim Abschied von ihrem bisherigen Leben muss die japanische Prinzessin Sayako ein letztes Mal dem strengen Hofzeremoniell gehorchen. Mit traditioneller Steckfrisur, blass geschminktem Gesicht und in einen farbenprächtigen Kimono gewandet schreitet die 36-Jährige zum Ahnentempel auf dem Palastgelände, um Abschied zu nehmen von ihren Vorfahren. Später trinkt sie bei einer kleinen Feier mit ihren Eltern, Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko, einige Schlückchen Reiswein.

Die Paparazzi werden Trauer tragen: Prinzessin Sayako gehört nicht länger dem Hochadel an.

Die Paparazzi werden Trauer tragen: Prinzessin Sayako gehört nicht länger dem Hochadel an.AP Die Paparazzi werden Trauer tragen: Prinzessin Sayako gehört nicht länger dem Hochadel an.AP

Wenn Sayako am Dienstag ihrem langjährigen Freund, dem Stadtplaner Yoshiki Kuroda, das Jawort gibt, sind Tradition und strenge Etikette für sie Vergangenheit. Denn mit dem Abschied vom Kaiserhaus wird sie zur Bürgerlichen.

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Sayako ist das jüngste der drei Kinder von Akihito und Michiko und das letzte, das den Bund der Ehe eingeht. Die Prinzessin und ihr Verlobter kennen einander seit der Kindheit. Mit der späten Hochzeit mit ihrem 40-jährigen Verlobten liegt Sayako in Japan voll im Trend. Immer mehr Frauen entscheiden sich zu Gunsten der Karriere erst spät für die Ehe - was sich demoskopisch in einer sinkenden Geburtenrate bemerkbar macht. Wann sie heirate, werde sie selbst bestimmen, machte die selbstbewusste Vogelkundlerin in der Vergangenheit deutlich.

Auf ihr Leben als Mitglied der Tokioter Mittelklasse hat sich Sayako sorgfältig vorbereitet. Erst kürzlich absolvierte sie ihre Führerscheinprüfung. "Ich werde Unsicherheit und Niederlagen als Phase eines Prozesses akzeptieren, wie immer, wenn man etwas zum ersten Mal macht", erklärte sie im April. Schritt für Schritt will sich Prinzessin "Nori", so lautete ihr Kindheitstitel - an ihr neues Leben gewöhnen. Als Starthilfe erhält sie vom Staat eine Einmalzahlung in Höhe von 1,3 Millionen Dollar (1,111 Mio. Euro). Nach Ansicht von Isao Tokoro, Experte für die Geschichte des Kaiserhauses, wird Sayako sich schnell zurechtfinden: "Sie ist lebenslustig, charmant und sehr neugierig. Sie wird sich ohne Probleme anpassen", glaubt der Professor.

Sayakos Hochzeit - laut Hofprotokoll bereits eine bürgerliche Veranstaltung - wird verglichen mit dem aufwendigen Zeremoniell bei der Vermählung von Kronprinz Naruhito mit der Karriere-Diplomatin Masako im Jahr 1993 eher schlicht ausfallen. Im langen weißen Hochzeitskleid nach westlichem Stil wird die Prinzessin Dienstag früh um zehn Uhr den Palast verlassen, am berühmten Jingu-Schrein werden die Verlobten nach dem tradiditionellen Shinto-Ritual die Ehe schließen. Bei der Feier im noblen Imperial-Hotel will Sayako in einem Kimono, den schon ihre Mutter getragen hat, mit ihren 150 Gästen mit Champagner anstoßen.

Tokoro bedauert es, dass die strengen Regeln der ältesten ununterbrochenen Erbmonarchie der Welt es der Prinzessin nicht erlauben, ihren kaiserlichen Status zu wahren. Ein allzu starres Festhalten an der Tradition, fürchtet er, könnte die Dynamik und Menschlichkeit der Kaiserfamilie eines Tages ersticken. Der Mangel an männlichen Nachfolgern könnte das Kaiserhaus aber künftig ohnehin zu Reformen zwingen. Im kommenden Monat soll eine von Ministerpräsident Junichiro Koizumi ins Leben gerufene Kommission ihren Bericht über eine mögliche Änderung der Nachfolgeregelung vorlegen, die Masakos dreijähriger Tochter Aiko die Thronbesteigung ermöglichen könnte.

Dass Sayakos Eltern mit ihrer Teilnahme an der bürgerlichen Hochzeitsfeier eine alte Regel brechen, wertet Tokoro als erstes Zeichen für Veränderung. Trotz aller Etikette gibt Kaiserin Michiko zu, dass ihr die anstehende Trennung von ihrer jüngsten Tochter schwerfällt: "Ich möchte Sayako am Tag ihrer Hochzeit meine Gefühle mitteilen, aber wie jeder Mutter werden mir sicherlich die Worte fehlen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2005-11-13 16:11:49
Letzte Änderung am 2005-11-13 16:13:00

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