• vom 20.07.2005, 00:00 Uhr

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Unbekannte Stauferbriefe in "Codex" entdeckt

Innsbruck: Ein "Ötzi-Fund" im Bibliotheksarchiv




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  • Ein historischer Sensationsfund ist in der Universitätsbibliothek Innsbruck gemacht worden: In einem 700 Jahre alten Pergamentcodex wurden rund 200 Abschriften von Briefen und Mandaten des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II. (gest. 1250), seines Sohnes Konrad IV. und anderer Persönlichkeiten des 13. Jahrhunderts entdeckt. Rund 130 dieser Dokumente aus dem Mittelalter waren bisher noch nicht bekannt.

Die Sammlung stammt aus der Kartause Allerengelberg in Schnals in Südtirol und befindet sich seit dem 18. Jahrhundert im Besitz der Innsbrucker Universitätsbibliothek. Dass die einzigartigen Dokumente so lange unentdeckt in der Bibliothek schlummerten, liegt laut den Entdeckern u. a. am "nichts sagenden bzw. irreführenden Titel des unscheinbaren, kleinformatigen Codex", der "Notule rhetoricales diverse" ("Verschiedene rhetorische Anmerkungen") lautet.


Entdeckt und identifiziert wurden die Texte vom pensionierten Direktor der Universitätsbibliothek Walter Neuhauser und dem Innsbrucker Mittelalterhistoriker Josef Riedmann. Das Auftauchen einer solchen Menge hochwertiger neuer Quellen aus dem Mittelalter sei extrem selten und ein ausgesprochener Glücksfall, erklärten die Finder. Der Vergleich mit dem Ötzi-Fund dränge sich auf. "Unsere Fundstücke sind wahrscheinlich nicht ganz so öffentlichkeits- und werbewirksam wie der Mann aus dem Eis", relativierte Riedmann. Dennoch stehe laut Expertenmeinung außer Zweifel, dass der Innsbrucker Codex das Wissen über die späte Stauferzeit bedeutend erweitern werde. Das betreffe vor allem die kurze Regierungszeit Konrads IV. (gest. 1254), dessen Biografie nach diesem Fund wohl neu geschrieben werden müsse.

Die Zahl der bekannten, von diesem Herrscher ausgestellten Schreiben werde durch die neuen Texte etwa verdreifacht. Die Dokumente zeigen, dass Konrad diplomatische Beziehungen mit dem Papst, dem byzantinischen Kaiser, den Königen von Ungarn, Frankreich, Kastilien, England und Navarra und zum Dogen von Venedig unterhielt. Die meisten Briefe und Mandate betreffen aber sein süditalienisches Erbkönigreich. Wie die Texte belegen, versuchte er dort mit starker Hand die Widerstände gegen seine Machtübernahme niederzuringen.

Die Innsbrucker Dokumente zeigen außerdem, dass Konrad, ganz in der Tradition seines Vaters Friedrich II., mit seinen Beamten vor Ort über die Regelung von Alltagsproblemen seiner Untertanen, etwa Erbstreitigkeiten, korrespondierte.

Neben Texten von Konrad IV. und Friedrich II. finden sich im Innsbrucker Sammelcodex auch Schreiben mehrerer Päpste, des Königs von Jerusalem, ägyptischer Sultane und anderer Herrscher.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2005-07-20 00:00:01
Letzte Änderung am 2005-07-19 18:30:00


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