• vom 07.07.2005, 00:00 Uhr

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Andreas Unterbergers Tagebuch 07.07.




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Ziemlich gschmackig lesen sich die Geschichten vom einst so lieben kleinen Käfer: Betriebsräte, die mit Nobelhuren gekauft worden sind. Tarnfirmen, über die Gelder verschoben worden sind. Und das millionenfach über die Straßen der Welt rollende VW-Logo ist in NS-Zeiten dem Designer (damals vielleicht "Reichszeichenschöpfer"?) urheberrechtlich gestohlen worden.

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Nichts davon ist bewiesen. Aber irgendwie passt alles zu der tiefen Krise der einstigen Käfer-Zuchtanstalt. Diese ist viel schlimmer als die pikanten Geschichten - und dazu unbestreitbar. Streitende Vorstände; teure und unerotische Autos, die sich schlecht verkaufen; und ein unerträglicher Filz aus Politik und Konzern: der sich an der Entmachtung der Privataktionäre zugunsten der niedersächsischen Regierung ebenso zeigt wie an der teuren Entsorgung überzähliger österreichischer Bundeskanzler nach Argentinien.

Eine tiefere Analyse bringt zwei weitere Erkenntnisse: Die eine ist alt: Staatseinfluss ist für jedes Unternehmen schlecht. Die andere ist eher neu und gipfelt in der bangen Frage: Kann Europa mit seinen filzigen Strukturen und seinen hohen Lohnkosten auf Dauer Autos produzieren? Siehe Mercedes, siehe Fiat, siehe Citroën. Aber was könnten wir dem Rest der Welt sonst noch verkaufen?

*

Software-Programme wird Europa der Welt auch nicht mehr anbieten können. Das steht nach dem Beschluss des EU-Parlaments gegen die Patentierung von Programmen fest. Das ist zwar populär: Denn die Zahl der Software-Diebe ist viel größer als die jener Menschen, die um die Wichtigkeit von Patentschutz als Basis künftiger Investitionen wissen. Das wird aber zu einer rapiden Demotivation all jener Firmen führen, die über Arbeitsplätze zur Entwicklung neuer Software entscheiden.

Europa ist absurderweise aber zugleich jener Kontinent, der den Urheberschutz (also etwa im Bereich von Fotos, Bildern, Texten - oder Logos) auf ein hohes Niveau getrieben hat. Aber, wie fast immer: Gibt man einer Lobby nach, schadet man dem ganzen Standort.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2005-07-07 00:00:01
Letzte Änderung am 2005-07-06 18:39:00


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