Wien. Drei Jahre ist es her, dass die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen durch Österreich ratifiziert worden ist - geschehen ist in Wien seitdem wenig, wie Marion Ondricek, Geschäftsführerin der Sozialeinrichtung "Balance", kritisiert.
Um die Umsetzung der Konvention voranzutreiben, haben sich nun 16 der insgesamt 28 Behindertenorganisationen des Fonds Soziales Wien zur "Interessenvertretung sozialer Dienstleistungsunternehmen für Menschen mit Behinderung in Wien" (IVS) formiert.
Sie wollen die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen mitbestimmen, wie sie bei der Vorstellung der IVS am Donnerstag betonten.
In erster Linie geht es ihnen dabei ums Thema Wohnen - ein Kernbereich der Behindertenhilfe in Wien, der für rund 7500 Kunden jährlich 160 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Konkret sollen etwa nicht mehr nur körperbehinderte Menschen ein gewisses Budget bekommen, mit dem sie eine persönliche Assistenz finanzieren und daher zu Hause wohnen können. "Alle sollen frei wählen dürfen, mit wem und wo sie wohnen wollen", sagt Ondricek.
Zeit zum Umdenken
Derzeit müssten geistig behinderte Menschen mit Wohngemeinschaften mit bis zu 14 Mitbewohnern vorlieb nehmen. Lediglich sehr selbständige Personen könnten allein wohnen, wobei sie ambulant unterstützt werden. Angebote dazwischen fehlten.
Die IVS fordert dafür nicht unbedingt mehr Geld, wie sie betont. Vielmehr will sie ein Umdenken in der Gesellschaft initiieren, dass Behinderte nicht länger als Bittsteller, sondern als selbstbestimmte Menschen betrachtet werden. Dazu müsse auch dem gleichen Recht für alle, zu arbeiten, nachgekommen werden. "Rollstuhlfahrer brauchen einen Aufzug, Gehörlose einen Dolmetsch", fordert Ondricek. Es liege an der Politik, zu handeln.
"Wir gehen davon aus, dass es ein gutes Einvernehmen mit den Organisationen geben wird", heißt es dazu aus dem Büro der Wiener Stadträtin für Gesundheit und Soziales, Sonja Wehsely (SPÖ). Und Iraides Franz vom Fonds Soziales Wien meint: "Die Umsetzung der UN-Konvention braucht ihre Zeit. In Wien gibt es bereits ein breites Leistungsangebot für Menschen mit Behinderung."
ÖVP-Wien-Behindertensprecherin Karin Praniess-Kastner sieht das anders. "Viel Geld für Behinderte wird falsch ausgegeben - und der Wille zur Veränderung fehlt." Der Zusammenschluss zur IVS sei längst nötig gewesen und begrüßenswert.