• Artikel vom 16.06.2011, 17:47 Uhr

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Update: 22.06.2011, 14:57 Uhr
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Im Nationalpark Hohe Tauern werden Gletscherschmelze und Permafrost erforscht

Ewiges Eis mit Ablaufdatum


Von Heiner Boberski
  • Klimawandel wirkt sich regional verschieden aus.
  • Expertin erwartet, dass sich Gletscherrückgang in Zukunft verringert.
  • Wien. Man stelle sich 1,5 Millionen Kühlschränke mit einem Volumen von jeweils einem Kubikmeter vor: Um etwa diese Menge ist ein einziger Gletscher im Nationalpark Hohe Tauern, das Mullwitzkees, in einem Jahr geschmolzen.

Im Rahmen des dort laufenden Projekts "Gletschermassenbilanz" haben Klimaforscher der Uni Innsbruck von 2009 auf 2010 diesen Wert ermittelt: einen Masseverlust an offenbar nur sogenanntem ewigen Eis von 1,48 Millionen Kubikmeter. Dabei war der Rückgang schon deutlich höher: um 4,46 Millionen Kubikmeter von 2006 auf 2007. Die Ausdehnung des Mullwitzkees ging von 1998 bis 2008 von 3,24 Quadratkilometer auf 3,08 Quadrakilometer zurück.

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Im Durchschnitt seien alle österreichischen Gletscher seit 1998 um etwa 15 Prozent zurückgegangen, sagt Andrea Fischer vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Uni Innsbruck. Das dürfe man aber nicht so hochrechnen, dass in etwa 100 Jahren alle heimischen Gletscher verschwunden sein werden: "Die Entwicklung verläuft, abhängig vom Schneefall, ganz unterschiedlich."

Das zeige sich an den Gletscherzungen, die im trockeneren Süden der Tauern schon fast alle verschwunden seien, im feuchteren Norden aber wenig an Boden verloren haben. Diese Zungen auf etwa 2600 Meter Seehöhe schmelzen natürlich viel eher als die höher gelegenen Gletschermassen, die in Österreich bis fast 3800 Meter reichen, wo es im Durchschnitt um 6,5 Grad kälter ist als 1200 Meter tiefer. Andrea Fischer erwartet, dass sich der Rückgang des Eises nach dem Schmelzen der Zungen verringern wird. Ein baldiges Abschmelzen fast aller Gletscher, das Horrorszenarien vorhersagen (eine Studie der Universität von Alaska vom Jänner 2011 rechnet damit, dass bis 2100 Europa drei Viertel seiner Gletscher verliert), sieht sie nicht: "In den Pyrenäen ist es wesentlich wärmer, und dort bestehen noch immer 26 Gletscher."

Für Fischer steht fest, dass es auch in unseren Gletscherregionen schon deutlich wärmer war - der Beweis: "Unter der Pasterze am Großglockner ist einmal ein Wald gestanden, jetzt apern die Baumreste von damals aus." Wie sehr die Gletscherzungen dahinschmelzen, zeigen beispielsweise in Osttirol im Vergleichszeitraum 1989 bis 2006 das Umbalkees (Rückgang um 435 Meter) und das Schlatenkees (Rückgang um 153 Meter), das Schlatenkees ist heute so klein wie es seit 750 Jahren nicht mehr und in den letzten 9500 Jahren nur selten war.

Seit 2006 werden im Nationalpark systematisch Massenbilanzmessungen durchgeführt. Mit langen schmalen, an mehreren Stellen in den Gletscher gebohrten Pegelstangen, die in der weißen Monotonie der Hochgebirgsregion oft nicht leicht wiederzufinden sind, versucht man Veränderungen in der Dicke der Eisdecke festzuhalten. Den Forschern und ihren Helfern werde in diesem Gebiet auch hohe alpinistische Kompetenz abverlangt, erklärt Andrea Fischer.

Manche Gletscher, vor allem in höheren Regionen, legen mitunter auch an Masse zu. "Für die Gletscher ist der Sommer wichtig, ob es da kühle Phasen mit Niederschlägen gibt", betont Florian Jurgeit, Projektleiter des Nationalparks Hohe Tauern Tirol.

Warum Wissen über diePermafrostzonen wichtig ist

Dieser Nationalpark beheimatet 10.000 Tier- und 1800 Pflanzenarten und hat eine Gesamtfläche von 1836 Quadratkilometern, von denen noch zehn Prozent von Eis bedeckt sind. Nicht nur dieses, sondern auch der darunter liegende Permafrost, dem im Nationalpark das Forschungsprojekt "permalp.at" gilt, beginnt zu tauen. Diese Erwärmung bringt Muren und Felsstürze mit sich. Kenntnisse über die Beschaffenheit der Permafrostzone sind immens wichtig für den Bau und sicheren Unterhalt von Infrastruktur im Hochgebirge, seien es Wege, Steige und Kletterrouten sowie Hütten und Liftstationen.




Schlagwörter

Klima

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-06-16 17:47:35
Letzte Änderung am 2011-06-22 14:57:42


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