• Artikel vom 16.06.2011, 18:19 Uhr

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Update: 18.06.2011, 20:58 Uhr
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Das Lentos zeigt mit "Jack Freak Pictures" die umfangreichste Serie des britischen Duos Gilbert & George

Einsiedler denken anders


Von Manisha Jothady
  • Die britischen Gentlemen stilisieren sich seit den 70ern selbst zum Kunstwerk.
  • Die neue Serie spielt mit dem Union Jack.

"Wiener Zeitung": Sie arbeiten nun schon seit über vier Dekaden zusammen. Was war Ihr erstes gemeinsames Kunstwerk? | George: Unsere erste gemeinsame Präsentation machten wir schon als Studenten. | Gilbert: 1968 in einem Café. Der Titel lautete "Three Works and Three Works by GP & GP". Wir gebrauchten damals noch unsere Initialen.

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George: Das war unsere Diplom ausstellung. Wir wollten unsere Arbeiten nicht wie die anderen Studenten im College zeigen, wo dann diskutiert wurde, was gut und was schlecht ist.

Gilbert: Deshalb haben wir alle Professoren und Studenten in das Café eingeladen. Jeder zeigte drei Objekte, während Brötchen und Getränke serviert wurden.

"Art for All" lautet Ihr Motto von jeher. Keimte diese Idee schon da?

Gilbert: Auf diesem Gedanken basierten dann unsere "Postal Sculptures", mit Begleittexten versehene Selbstporträts, die wir jeweils an drei-, vierhundert Kunstliebhaber versendeten. Die Resonanz darauf war enorm, da sie so schön gemacht waren.

George: Wir saßen oft die ganze Nacht, um sie handschriftlich zu adressieren.

Gilbert: Auf einer dieser Postkartenskulpturen ist eine Zeichnung, die uns Kaffee trinkend am Fenster zeigt, während es draußen schneit. Jeder liebte das Bild und die Gefühle, die es hervorrief.

Zur selben Zeit, 1969, wurden Sie als "Living Sculptures", etwas später als "Singing Sculpures" bekannt. Eine Reaktion auf die damalige Performancekunst?

George: Wir haben das Wort Performance für unsere Arbeit nie verwendet. Das war uns alles zu schmuddelig und zu obskur. Man hätte nie seine Mutter zu einer Performance mitnehmen können. Sie wäre sofort gegangen.

Gilbert: Am Boden herumkriechen und sich mit Farbe beschmieren.. .

George: Unsere Kunst war vergleichsweise sauber, anständig. Kinder und alte Damen konnten sie sich ansehen und staunen.

In Ihren späteren großformatigen, oft grellfarbigen Tableaus haben Sie dann aber sehr wohl provokante Themen aufgegriffen: Nacktheit, Sex, Blut, Kot, Sperma, auch Religion und Rassismus.

George: Wenn man nicht elitär denkt, kriegt man Probleme. Elitär zu denken ist eine sichere Angelegenheit: Wenn man ein Seil von der Decke hängt, wird sich niemand beschweren. Niemand wird es lieben, niemand wird es hassen. Aber wenn man sagt Liebe, Sex, Tod, Hoffnung, Angst.. .

Gilbert: Gefühle, Sentimentalität und viel Farbe - all das ist tabu. Auch Religion ist so ein Tabuthema in der Kunst.



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Dokument erstellt am 2011-06-16 18:19:00
Letzte Änderung am 2011-06-18 20:58:47


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