Wien. Ein Wiener Richter hat auch den zweiten Auslieferungsantrag von Kasachstan gegen seinen früheren Botschafter Rakhat Aliyev und vier mutmaßliche Komplizen abgelehnt, die an der Entführung von zwei kasachischen Bankmanagern beteiligt gewesen sein sollen. Die beiden Banker wurden im Mai dieses Jahres tot aufgefunden.
Während sich Aliyevs Anwalt Otto Dietrich am Freitag erfreut zeigte, forderte Kasachstan von Justizministerin Beatrix Karl, die Ablehnung der Auslieferung durch eine Weisung an die Staatsanwaltschaft zu verhindern. Bleibe es dabei, sollte die österreichische Justiz eigene Ermittlungen einleiten.
Gabriel Lansky, Anwalt der Witwen der getöteten Bankangestellten, stellte einen weiteren Auslieferungsantrag in Aussicht, in dem es auch um Mord gehen soll. Allerdings bezweifelt eine Sprecherin des Wiener Landesgerichts, dass dies möglich sei.
Während vom Gericht keine Begründung für die Nicht-Auslieferung gegeben wurde, sagt Lansky, dass es sich um ein Auslieferungshindernis handle, wenn die betreffende Person "wegen ihrer politischen Anschauungen einer Verfolgung ausgesetzt wäre".
Aliyev sieht sich als Opfer eines Rachefeldzugs seines Ex-Schwiegervaters, des autoritären kasachischen Langzeitpräsidenten Nursultan Nasarbajew. Gegen den damaligen kasachischen Botschafter in Wien wurden im Mai 2007 Ermittlungen aufgenommen, weil er an der Entführung zweier Manager seiner "Nurbank" beteiligt gewesen sein soll. Ein Jahr später wurde Aliyev in Abwesenheit in Kasachstan zu 20 Jahren Haft verurteilt. Anfang Mai wurden die Leichen der beiden Bankmanager in Kasachstan entdeckt und identifiziert.