• vom 17.06.2011, 17:33 Uhr

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Update: 17.06.2011, 17:34 Uhr

Am Samstag spricht Alt-Abt Gregor Henckel-Donnersmarck vom Stift Heiligenkreuz in einer Wiener Moschee

"Islam ist kein Grund zur Angst"




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Von Stefan Beig

  • Der Alt-Abt nimmt an einer Tagung zur Islamophobie teil.
  • Den Relativismus hält er für gefährlich.
  • "Wiener Zeitung": Hat in den letzten zehn Jahren das Interesse der Katholiken an Muslimen zugenommen?

Gregor Henckel-Donnersmarck: Die Zahl der Muslime in Europa ist gewachsen. Das hat zu einem größeren Interesse geführt, und sicherlich auch das traurige Ereignis des 11. Septembers 2001 und die Situation im Orient. Faktum ist, dass der Islam heute wichtiger Dialogpartner der Kirche ist.

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Bei all den islamkritischen Beiträgen in Internet-Foren hat man den Eindruck, dass bei Katholiken die Angst vor dem Islam zunimmt.

Angst ist kein guter Ratgeber. Manche schauen mit Besorgnis auf die Muslime, weil sie sich fragen, wie gut sie sich integrieren werden. Ich sehe aus christlicher Sicht vor allem zwei wesentliche Anliegen: Erstens sollten sich Muslime und Christen gemeinsam gegen einen diktatorischen, atheistischen Relativismus stellen. Hier besteht eine Bundesgenossenschaft.

Zweitens hat die von den Medien völlig missverstandene Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. die Wichtigkeit hervorgehoben, die Religion mit der Vernunft in Übereinkunft zu bringen. Wir haben in Europa mit der Auseinandersetzung zwischen Vernunft und Religion eine Erfahrung von 500 Jahren. Muslime und Christen könnten sich gegenseitig bei der Öffnung für Vernunft und Moderne helfen.

Zur Islamophobie: Eine Phobie ist natürlich zu vermeiden. Es muss aber erlaubt sein, Themen kritisch zu hinterfragen.

Welche Themen meinen Sie?

Es gibt Äußerungen von beachtlichen muslimischen Persönlichkeiten, die erklären, dass die Muslime, sobald sie in der Mehrheit sind, das islamische Recht einführen könnten. Hier liegt ein Missverständnis von Demokratie vor. Demokratie bedeutet die Anerkennung möglichst vieler Werte. Das beinhaltet auch den Schutz ethnischer und religiöser Minderheiten. Keineswegs bedeutet es aber die Diktatur der Mehrheit über die Minderheit.

Zurzeit stoßen die Muslime als Minderheit auf Widerstand, etwa beim Bau von Moscheen mit Minarett.

Ich kämpfe für das Recht aller auf Religionsausübung. Prinzipiell ist dieses Recht in der westlichen Gesellschaft gegeben, auch wenn es irrationale Rückschläge gibt wie das Minarett-Votum in der Schweiz. Schon Papst Johannes Paul II. hat sich dafür starkgemacht, dass es - wenn von Muslimen gewünscht - eine Moschee in Rom geben soll. Gleichzeitig ermutigte er die Muslime, sich in eine demokratisch pluralistische Gesellschaft einzufügen.

Das Recht auf freie Religionsausübung soll übrigens auch Christen in Vorderen Orient eingeräumt werden, in Saudi-Arabien etwa und in Pakistan.

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Dokument erstellt am 2011-06-17 17:33:36
Letzte Änderung am 2011-06-17 17:34:00


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