
Wien. (kle) Es war viel Lärm um nichts: Nach fast einem Jahr haben die Meinl Bank und die in Wien börsenotierte Immobilien-Firma Atrium (einstmals Meinl European Land, MEL) ihre auf Biegen und Brechen geführte juristische Schlammschlacht beendet. Das Kriegsbeil ist damit begraben.
Wie die Bank von Julius Meinl V. am Freitag mitteilte, haben sich beide Parteien nun darauf geeinigt, alle wechselseitigen Klagen zurückzuziehen - "zur Gänze und endgültig". Auf jegliche zuvor eingebrachten Forderungen gegen die jeweils andere Partei wird beiderseits demnach verzichtet. Die Einigung sei auch ohne wechselseitige Zahlungen erfolgt, heißt es. Mit dem Vergleich sind laut Meinl Bank rund ein Dutzend Verfahren (die beiden Milliardenklagen inklusive) hinfällig.
Wilde Schlagabtäusche
Im Zusammenhang mit der Finanzaffäre rund um MEL hatte Atrium im August des Vorjahres in London eine rund zwei Milliarden Euro schwere Schadenersatzklage gegen Meinl, seine Bank und andere Personen eingebracht. Die Meinl Bank konterte dann im November - und klagte auf 1,2 Milliarden Euro. Allein diese beiden Klagen haben enorme Kosten verursacht. So soll Atrium nach Informationen der Austria Presse Agentur 15 Millionen Dollar für Anwälte und Berater ausgegeben haben, die Meinl Bank fünf Millionen Dollar.
Freilich: Trotz des jetzigen Vergleichs, der spätestens Ende Jänner 2012 in letzter Instanz rechtskräftig werden soll, wird das Wiener Geldhaus weiter mit der Justiz zu tun haben. Denn gegen Julius Meinl, Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl und andere Manager läuft nach wie vor ein Strafverfahren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue.
Angebot für MEL-Anleger
Kleinanlegern, die mit MEL-Papieren Geld verloren haben, wird der Vergleich zwischen der Meinl Bank und Atrium wohl kaum etwas bringen. Geht es um deren Ansprüche, kann sich die Meinl Bank aufgrund der nun getroffenen Vereinbarung nicht mehr an Atrium schadlos halten. Wie berichtet, waren tausende MEL-Investoren gegen das Institut vor den Kadi gezogen. Die Meinl Bank will sich diese Anlegerklagen mit Vergleichen vom Hals schaffen. Insgesamt rund 7000 Kleinanlegern hat sie ein derartiges Angebot gemacht und dafür 30 Millionen Euro reserviert. Von dieser Summe seien bisher 20 Millionen an rund 3600 Personen geflossen, so ein Banksprecher.
Noch ein Nachtrag zur Einigung zwischen Meinl und Atrium: Beide Parteien - sie bestreiten übrigens weiter etwaige Rechtsverletzungen - haben sich auch darauf geeinigt, einen Schlussstrich unter ihre alle noch bestehenden geschäftlichen Verbindungen zu ziehen. Ihre Funktion als Treuhänderin bei Atrium-Anleihen legt die Meinl Bank zurück.