Sonntagnachmittag im Musikverein. Und was für einer. Die Tonkünstler kehrten bestens disponiert in den Goldenen Saal zurück: Mendelssohns erste Symphonie und Beethoven mit seiner Fünften wollten akustisch gut begleitet sein, immerhin galt es, für die kommerziellen Mitschnitte erstklassige Klangqualität zu bieten. Das Ensemble genoss die große Linie im Eröffnungs-Allegro des deutschen Romantikers, das Menuett wurde ein mächtiger Schreittanz.
In der schicksalsbeladenen c-Moll Symphonie des Wiener Klassikers spielte Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada mit den plakativen Elementen. Da pochte nicht nur jedes Motiv, sondern bestimmt manch Hörerherz höher.
So einen schönen Kultursonntag hätte nicht einmal die schrägste Uraufführung gestört. Geschweige denn das Auftragswerk des Tonkünstler-Orchesters an Iván Eröd. Er komponierte, inspiriert von der Solistin der Premiere, ein klassisch dreisätziges Klarinettenkonzert. Hier wurden keine Mauern niedergerissen, Eröd verstand mit diesem Werk ein weiteres Mal, einem großen Ensemble melodisch bestens ins Ohr gehende Ideen mitzugeben. Mögen die üblichen Nörgler epigonale Ansätze in Gershwins eröffnenden Jazz-Synkopen gehört haben. Manchem mochte der zweite Satz zu impressionistisch sein. Der Komponist hat der Gegenwart ein Werk geschenkt, das nicht nur unterhält, sondern bewegt und in seinen Motiven einen einmaligen Wiedererkennungswert hat.
Mit der Klarinette der israelischen Künstlerin Sharon Kam stand dem Orchester eine kongeniale Solistin zur Seite, die mit Emotionsausbrüchen direkt neben verhaltenen Seufzern das Leben frei nach Goethe widerspiegelte. Ist es nicht alles ein bisschen "Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt"? Viel Applaus, viel zu wenig Begeisterung.