• vom 26.07.2010, 18:12 Uhr

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Update: 21.05.2013, 17:50 Uhr

Boa Constrictor

Die Schlange am Balkon




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Von Petra Tempfer

  • Boa Constrictor in Graz entwischt - immer mehr Exoten illegal im Land
  • Entkommene Boa gefährlich für Babys.
  • Internet-Markt mit Exoten floriert.

Meterlang kann die Boa Constrictor werden, deren Haltung meldepflichtig ist. Foto: epa

Meterlang kann die Boa Constrictor werden, deren Haltung meldepflichtig ist. Foto: epa© Head/epa Meterlang kann die Boa Constrictor werden, deren Haltung meldepflichtig ist. Foto: epa© Head/epa

Graz. Sie ist drei Meter lang und dick wie ein Oberarm: Die Abgottschlange oder Boa Constrictor, die ihre Beute durch Erwürgen tötet und eigentlich in Mexiko und Südamerika zu Hause ist. Dennoch ist eine dieser Schlangen derzeit im Süden von Graz unterwegs, nachdem sie am Sonntag aus einer Wohnung im ersten Stock eines Mehrparteienhauses entwischt ist. Ihr Fluchtweg dürfte durch eine gekippte Balkontür geführt haben, wie die Polizei erklärte. Etwa zur gleichen Zeit büxte in Innsbruck eine Königspython aus - die 1,3 Meter lange Schlange wurde jedoch eingefangen.

Das Tier in Graz hatte seit etwa zehn Jahren bei seinem Besitzer in der Liebenauer Hauptstraße gewohnt. Am Sonntag soll es versucht haben, den 52-Jährigen zu würgen, woraufhin dieser gegen 14 Uhr seine Wohnung verließ. Davor hatte er der Schlange noch einen Hasen zu fressen gegeben. Als der Grazer gegen 20 Uhr zurückkehrte, konnte er sein Haustier nicht mehr finden und alarmierte die Polizei, die sofort die Suche nach der für Babys und Haustiere gefährlich eingestuften Boa einleitete. Bis Mitternacht wurde mit Wärmebildkameras gesucht - bislang ohne Erfolg.


Seitens des Veterinäramtes Graz heißt es, dass derzeit geprüft werde, ob die Schlange - wie laut Gesetz verordnet - registriert ist. Etwa 100 artengeschützte Tiere, darunter Würgeschlangen, Spinnen und Skorpione, seien derzeit in der steirischen Landeshauptstadt gemeldet. In Wien sind es rund 500, wie der Leiter des Veterinäramts, Josef Ferber, berichtet. Die Haltung von giftigen Schlangen oder Spinnen sei hier generell verboten, jene von den meldepflichtigen Boas nicht. Ganz im Gegensatz zu der Steiermark oder Niederösterreich, wo Gifttiere erlaubt sind, aber gemeldet werden müssen. "Diese Regelung ist österreichweit uneinheitlich", so Ferber.

Schmuggel nach Auftrag

Einheitlich sei nur, dass lediglich ein Bruchteil dieser Tiere gemeldet ist, und die Dunkelziffer weit höher liegt. "Der Tierschmuggel nach Österreich hat durch die offenen Grenzen der Europäischen Union zugenommen", erklärt Rudolf Tomek von der Zollfahndung Niederösterreich der "Wiener Zeitung". Das Strafausmaß reiche bis zu 36.340 Euro respektive einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Österreich stelle nicht nur für Schmuggler von Tieren aus illegalen Nachzucht-Stationen eine wesentliche Verbindung zwischen den ehemaligen Oststaaten und Deutschland dar. Heute werde zunehmend nach Auftrag geschmuggelt - und zwar gefährdete, wildlebende Arten, für die Sammler horrende Summen zahlen.

"Der Großteil der Tiere wird übers Internet bestellt und verschickt", sagt Tomek, "mit gefälschten Papieren anbei." Seit 1982 sind für die Haltung artengeschützter Tiere CITES-Papiere erforderlich. Schwer bedenklich ist jedoch laut Richard Vrzal, Präsident der Herpetologischen Terraristischen Vereinigung Österreich, dass im Vorjahr kein einziges Cites-Papier retourniert worden ist - obwohl es nach dem Tod des Tieres an die Behörde zurück gegeben werden muss. "Auch für Cites-Papiere floriert der illegale Internet-Markt", schließt er daraus.

Doch nicht jeder ist mit seinem artengeschützten Tier zufrieden - viele fühlen sich schon bald damit überfordert, wie Evelyn Kolar vom Haus des Meeres bestätigt. Im sechsten Stock betreut die Leiterin des "Blauen Kreises" rund 100 Leguane, Schlangen, Echsen und Spinnen. Sie wurden ihr vor die Tür gesetzt oder konfisziert. "In Unkenntnis über die Art und deren Haltung ahnen viele nicht, dass etwa ein kleiner Leguan zwei Meter lang wird", sagt sie.

Zuletzt sei die Zahl der "Scheidungskinder" in die Höhe geschnellt. Ein Leguan etwa wurde im Zuge eines Ehestreits über den Zaun geworfen und nach einer Stunde gefunden. Er wurde allerdings weit weniger intensiv gesucht als die gefährliche Boa.





Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-07-26 18:12:00
Letzte ─nderung am 2013-05-21 17:50:38



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