• vom 14.01.2011, 17:44 Uhr

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Update: 14.01.2011, 21:32 Uhr

Wikipedia ist zehn Jahre alt: Wie aus einer verrückten Idee das Gedächtnis der gesamten Menschheit wurde

Die Schwarmintelligenz lebt




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Von Ina Weber

  • Zuerst war die Erfahrung, dann kam das Vertrauen.
  • Rüder Umgangston der Wikipedianer sorgt für Nachwuchsprobleme.
  • Wikipedia leistet "Entwicklungsarbeit".
  • Wien. Schnell - im wahrsten Sinne des Wortes. Wikipedia (übersetzt: schnelle Enzyklopädie) reagiert im Sekundentakt. Die gerade hereinkommende Pressemeldung über den Tod eines Prominenten - schon längst auf Wikipedia zu finden. Das allumfassende Wissens-Lexikon wird zehn Jahre alt.

Handlungen von Individuen können intelligente Verhaltensweisen der Gemeinschaft (hier des Schwarms) hervorrufen. Foto: corbis

Handlungen von Individuen können intelligente Verhaltensweisen der Gemeinschaft (hier des Schwarms) hervorrufen. Foto: corbis

Handlungen von Individuen können intelligente Verhaltensweisen der Gemeinschaft (hier des Schwarms) hervorrufen. Foto: corbis

Handlungen von Individuen können intelligente Verhaltensweisen der Gemeinschaft (hier des Schwarms) hervorrufen. Foto: corbis Handlungen von Individuen können intelligente Verhaltensweisen der Gemeinschaft (hier des Schwarms) hervorrufen. Foto: corbis

Ein Online-Lexikon, an dem jeder, weltweit, mitschreiben kann, welches für jedermann frei zugänglich ist, nichts kostet und dabei Qualität liefern soll - das war für die meisten in der Geburtsstunde von Wikipedia am 15. Jänner 2001 noch eine völlig verrückte Idee. Für die Internet-Pioniere von damals waren es Visionen, die wahr wurden.

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Anfang der 90er Jahre soll erstmals Internet-Forscher Rick Gates in einer Newsgroup laut darüber nachgedacht haben, ein Online-Lexikon zu erstellen. "Interpedia", "GNUPedia", "Nupedia" hießen die Prototypen, allesamt wieder im Sande verlaufen. Als der Internet-Unternehmer Jimmy Wales und der Philosoph Larry Sanger sich 2000 einen "Spaß erlaubten", wie sie selbst sagen, und einen Teil ihrer Internet-Enzyklopädie "Nupedia" mit dem bereits existierenden Wiki-System (damit konnte der Benutzer eine Website nicht nur lesen, sondern auch selbst verändern) verbanden, staunten sie nicht schlecht, als innerhalb kürzester Zeit Wikipedia wuchs wie eine Lawine. "Es haben sich trotz anfänglicher Skepsis doch viele gefunden, die ihr Wissen eingetragen haben", erzählt Wolfgang Stock, Medien-Professor an der Europa-Uni Viadrina Frankfurt. Er selbst habe im Jahr 2005 begonnen, "mitzumachen": "Weil ich es für wichtig empfand", erzählt er gegenüber der "Wiener Zeitung". Auch die Faszination darüber, bei so einem großen Projekt mitmachen zu können, begeisterte viele Autoren.

Das Vertrauen der Menschen in Wikipedia wuchs von Jahr zu Jahr. "Man hat mit der Zeit kollektiv die Erfahrung gemacht, dass das stimmt, was da drinnen steht", meint der Uni-Professor. Keine Abspaltung, wie "wikiweise" von Wales Partner Sanger, keine weiteren Konkurrenzprodukte wie "Google Knol", "Citizendium" oder "Wikianswers" konnten den Vormarsch von Wikipedia stoppen. Die schnelle, leicht zugängliche Gratis-Information war für jeden verlockend und Brockhaus wurde zum Geschichtsbuch. "Wikipedia ist nicht mehr zu stoppen und das ist gut so."

Doch wie sichert das sich ständig verändernde Online-Lexikon seine Qualität? Wer hat den Überblick über die mehr als eine Million Artikel im deutschsprachigen oder die drei Millionen im englischsprachigen Raum? Und wer bestimmt über den Inhalt? Im deutschsprachigen Raum sind es 300 Administratoren, die über das Gedankengut wachen und nach Bedarf Einträge wegen etwa Vandalismus löschen. In den vergangenen 24 Stunden haben 2782 angemeldete Editoren an 11.180 Artikeln der deutschsprachigen Wikipedia inhaltlich gearbeitet. Die Autoren verfassen unentgeltlich Einträge, die anschließend von ihnen gemeinschaftlich korrigiert, erweitert und aktualisiert werden. Die Qualität generiert sich aus der Masse. Die Masse selbst wird zum Korrektiv. Die kollektive Intelligenz oder Schwarmintelligenz ist ein Grundgedanke, der schon bei Aristoteles zu finden ist. Seine Summierungstheorie besagt, dass die Entscheidung einer größeren Gruppe von Menschen besser sein kann als die weniger Einzelner oder Fachkundiger.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2011-01-14 17:44:00
Letzte Änderung am 2011-01-14 21:32:00


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