• vom 28.02.2011, 18:12 Uhr

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Die Muslimische Jugend Österreich hat erstmals den "Creative Muslim Contest" organisiert

Jugendliche Integrationskunst




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Von Stefan Beig

  • Junge Muslime zeigen, wie sie über Integration denken.
  • Fünf Kunstwerke wurden in Wien ausgezeichnet.
  • Wien. "Integration ist für die Jugend das Thema schlechthin. Ich glaube, es gibt keinen Jugendlichen, der nichts dazu zu sagen hat." Saime Öztürk spricht aus ihrer Erfahrung als Vorstandsmitglied der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ), der tausende muslimische Schüler und Studenten aus ganz Österreich angehören. Damit sich auch die Jugend kreative Anstöße zur Integrationsdebatte liefert, organisierte die MJÖ erstmals den "Creative Muslim Contest", dessen Preisträger am Samstag in Wien gekürt worden sind.



Eine prominente Jury - darunter Moderatorin Arabella Kiesbauer und der Kabarettist Dirk Stermann - haben die Kunstwerke in fünf Kategorien ausgezeichnet.


"Manchmal gewinnt man den Eindruck, Integration sei eine Substanz, die man zuerst einnehmen muss, um danach automatisch integriert zu sein", meint Süreyya Koca. "Das wird von Politik und Medien öfters so kommuniziert." In ihrer preisgekrönten Bilderfolge "Suryshs little Integration story" erzählt sie, wie sich eine Frau - Surysh - auf diese Weise zu integrieren versucht, aber daran scheitert. Zuerst trinkt Surysh zu viel "Integration", worauf ihr schlecht wird, und auch per Computer hat sie keinen Erfolg.

Doch Koca wollte auch zeigen, wie Integration gelingt: durch Kontaktaufnahme mit den Menschen und durch umgangssprachliche Wörter wie "Oida". "Dieses Wort benütze ich selber sehr gerne", bekennt sie. "Es hat etwas Vertrautes. Vertrautheit, Kommunikation und Partizipation sind für mich wichtige Aspekte der Integration."

Ausgezeichnet in der Kategorie Bild wurde Serkan Zarasiz, der in Salzburg Medien-Design studiert. "Ich habe Menschen verschiedener Herkunft und Religionszugehörigkeit fotografiert und die Fotografien digital zu einer Portrait Collage verarbeitet. Was ich thematisieren will, ist die Notwendigkeit, dass beide Seiten aufeinander zugehen und den offenen und ehrlichen Dialog suchen", erzählt er.

Dabei bediente er sich der analogen Fotografie. Warum diese veraltete Technik? "In Deutschland hat der aus der Türkei stammende Sänger Cem Karaca schon vor 30 Jahren das Album "Die Kanaken" in deutscher Sprache herausgebracht. In den Liedtexten geht es um Integration. Die Themen haben sich bis heute nicht wirklich geändert." Serkan Zarasiz denkt an Liedtexte wie: "Komm Türke - trink deutsches Bier / Dann bist du auch willkommen hier / Mit Prost wird Allah abserviert / Und du ein Stückchen integriert".

Was ist Integration?

Laut Saime Öztürk denkt man bei Integration fast immer an Muslime oder Türken. "Aber wie soll ich mich noch integrieren?", fragt sie. "Ich spreche Deutsch, habe die österreichische Staatsbürgerschaft, bin hier sozialisiert und habe österreichische Freunde - wo hört es auf? Ich kann mich nicht noch mehr integrieren. Heute geht es mehr um Partizipation." Serkan Zarasiz wiederum spricht von Inklusion statt Integration: "Inklusion bedeutet, dass man sich vermischt. Bei Integration fehlt das Miteinander, es bleibt beim Nebeneinander." Und Süreyya Koca, die in Deutschland aufgewachsen ist, betont: "Ich fühle mich gar nicht als Integrationsopfer, sondern als Europäerin. Allerdings werden Leute, die so aussehen wie ich, oft auf das Integrationsthema angesprochen. Deshalb dachte ich mir, ich nütze die Chance, hier meinen Beitrag einzubringen."

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2011-02-28 18:12:23
Letzte Änderung am 2011-02-28 18:12:00


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