• vom 18.02.2011, 19:07 Uhr

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Update: 16.06.2011, 20:58 Uhr

Islam

"Seit 9/11 gelte ich als moderat"




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Von Stefan Beig

  • Der US-Publizist Daniel Pipes sieht mit dem politischen Islam große Probleme auf Europa zukommen
  • "Soziale Spannungen werden zunehmen."
  • Daniel Pipes über den politischen Islam und die Zukunft Europas.
  • Wien. Von einigen Orientalisten, Politikern und islamischen Organisationen wird er scharf kritisiert. Der Autor und Publizist Daniel Pipes hat in den 80er Jahren an der University of Chicago gelehrt und später im US-Verteidigungsministerium gearbeitet.

"Die USA sind offener. Sie haben kein Problem mit Immigranten", behauptet Daniel Pipes. Foto: Pessenlehner

"Die USA sind offener. Sie haben kein Problem mit Immigranten", behauptet Daniel Pipes. Foto: Pessenlehner "Die USA sind offener. Sie haben kein Problem mit Immigranten", behauptet Daniel Pipes. Foto: Pessenlehner

Der Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer ist Gründer und Direktor des Middle East Forums, das sich in seinen Analysen klar für US-Interessen im Nahen Osten einsetzt. Sein Think Tank Campus Watch setzt sich kritisch mit Nahoststudien in den USA auseinander. Kritiker werfen dem bekennenden Republikaner vor, er wolle damit Wissenschaftler mit Israel-kritischer Einstellung einschüchtern.


Seit Mitte der 90er Jahre befasst sich Pipes mit dem Islam, dem Westen, Integration und dem politischen Islam. Seine Prognose für das Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen in Europa ist pessimistisch. Die Schuld dafür sieht er freilich nicht nur bei den Muslimen.

"Wiener Zeitung": Sehen Sie sich als Islamkritiker?

Daniel Pipes: 1999 haben ich in der Los Angeles Times einen Artikel über Muslime in den USA geschrieben. Für meine dortige Kritik an den Islamisten wurde ich in der Folge scharf attackiert. Das war ein Wendepunkt. Vorher war ich nur ein Kommentator, plötzlich wurde ich Teil der Debatte. Doch nach dem 11. September änderte sich der Blickwinkel. Eine zunehmende Anzahl von Leuten in den USA sieht seither im Islam selbst das Problem. Ich unterscheide hingegen zwischen Islamismus und Islam. Daher gelte ich heute eher als moderat, meine Position liegt in der Mitte.

Unterscheiden Sie auch zwischen politischem Islam und traditionellem Islam?

Der traditionelle Islam ist anders Zurzeit propagieren einige Islamisten eine islamische Ökonomie. Noch vor 100 Jahren hätte kein islamischer Gelehrter gewusst, was das sein soll. Die Idee zum Islamic Banking wurde erst in den 30er Jahren entwickelt. Neu ist auch der aggressive Blick auf Nicht-Muslime und das Ziel, die Scharia im Westen einzuführen. In den meisten islamischen Ländern ist nur eine Minderheit der Muslime islamistisch eingestellt.

Auch sogenannte Islamisten stützen sich auf orthodoxe Gelehrte.

Es gibt Wurzeln im traditionellen Islam, etwa beim Gelehrten Ibn Taimiya (1263 bis 1328). Aber entwickelt wurde der politische Islam in den 1920er Jahren von Sayyid Abul Ala Maududi und Hassan al-Banna, dem Gründer der Muslimbrüder. Sie waren damals besonders vom Faschismus Benito Mussolinis beeinflusst, gemäß dem das Volk wichtiger ist als das Individuum.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2011-02-18 19:07:04
Letzte Änderung am 2011-06-16 20:58:59



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