• vom 08.05.2010, 15:39 Uhr

Archiv

Update: 08.05.2010, 15:49 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



EU-Kommission macht bis Sonntag Vorschläge, Finanzminister stimmen am selben Tag darüber ab

Schluss mit der Spekulation gegen den Euro


Von Reinhard Göweil, Brüssel

  • Weiter Milliardenhilfen über die Kommission.
  • Sarkozy: "Spekulanten werden zahlen."
  • Faymann: "Geschlossenes Auftreten gegen Spekulation ist wichtig."
  • "Wenn die Märkte am Montag öffnen, wird Europa bereit stehen, um den Euro zu verteidigen", sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach dem Eurogipfel.

"Es gibt Wetten gegen Länder, so geht das nicht", sagte auch Bundeskanzler Werner Faymann.

Werbung

Beim Treffen der 16 Euro-Regierungschefs zur Rettung des Euro ging es hoch her, es dauerte bis lange nach Mitternacht. Was da exakt nach der Einladung des EU-Präsidenten Rompuy ausgemacht wurde, darüber hüllten sich die Regierungschefs in beredtes Schweigen. Keine Einzelmaßnahmen wurde verkündet, allerdings wurde kräftig gegen Spekulanten gewettert.

Und da geht es Schlag auf Schlag. Am Sonntag werden die EU-Finanzminister bei einem Sondertreffen Maßnahmen beschließen, um die Attacken gegen einzelne Euro-Länder sowie die Währungsunion insgesamt zu beenden. Bis Sonntag, so der Auftrag der Regierungschefs, wird dazu die Kommission Vorschläge vorbereiten.

Den Grund für die Eile nannte Sarkozy: Am Montag, so wird befürchtet, könnte die gegen die Währungsunion laufende weltweite Verkaufswelle bedrohliche Ausmaße annehmen. Zudem würden immer mehr Euro-Mitgliedsländer unter Druck stehen, wegen der hohen Staatsverschuldung auch höhere Zinsen hinzunehmen. Damit wurde zu guter Letzt auch Griechenland an den Rand des Ruins gebracht. Die Hilfskredite für das Land nickten die Regierungschefs ebenfalls ab.

Massive Abwehrmaßnahmen plant offenkundig auch die Europäische Zentralbank. Die Rede ist hier davon, dass die EZB tatsächlich beginnen könnte, selber Euro-Anleihen aufzukaufen. Damit würde sie den auf kurzfristigen Profit setzenden Händlern den Boden entziehen, in dem sie kurzerhand die Anleihen selbst kauft, und auch noch den (niedrigeren) Zinssatz selbst festlegen könnte.

Dem widerspricht, dass sich in Europa keine Notenbank an Staatsfinanzierungen direkt beteiligen darf.

Doch mit den Verträgen wird es nicht so genau genommen, wenn die Krise so groß ist wie derzeit.

Denn einer der Beschlüsse der EU-Finanzminister am Sonntag wird darauf hinauslaufen, dass für Länder wie Spanien, Portugal oder Irland, "gemeinschaftliche Hilfen" zur Verfügung gestellt werden. Das geht eigentlich nur bilateral, und auch die 110-Milliarden-Euro-Kredithilfe ist so organisiert.

Nun wird aber die EU-Kommission selber einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag aufnehmen können, und dieses Geld als eine Art Zahlungsbilanzhilfe an Länder in Not ausborgen können. Eine solche Regelung existiert bereits für Osteuropa, dort hat es wunderbar funktioniert, und der Spekulation gegen diese Länder ein Ende bereitet.

Um dies zu ermöglich, wird der Lissabon-Vertrag arg gedehnt. Im Artikel 122, Absatz 2, heißt es wörtlich: "Ist ein Mitgliedstaat aufgrund von Naturkatastrophen oder außergewöhnlichen Ereignissen, die sich seiner Kontrolle entziehen, von Schwierigkeiten betroffen oder von gravierenden Schwierigkeiten ernstlich bedroht, so kann der Rat auf Vorschlag der Kommission beschließen, dem betreffenden Mitgliedstaat unter bestimmten Bedingungen einen finanziellen Beistand der Union zu gewähren. Der Präsident des Rates unterrichtet das Europäische Parlament über den Beschluss."

Solch außergewöhnliche Ereignisse werden jetzt gesehen: Die Kommission wird dies am Sonntag vorschlagen, der Rat der Finanzminister beschließen. Der Vorteil dabei: Es sind keine Vertragsänderungen dazu notwendig, eine in der EU überaus aufwändige Prozedur.

"Wir werden in Zukunft gut beraten sein, schneller reagieren zu können", sagte Faymann nach dem Gipfeltreffen. Dabei hielt Spaniens Premier Zapatero eine flammende Rede über die desaströse Wirkung der Finanzspekulation gegen sein Land: Erste Anzeichen einer Konjunkturerholung seien durch die steigenden Zinsen wieder zunichte gemacht worden.

Über den völlig verrückten Arbeitsmarkt in Spanien, wo es einerseits große Reglementierungen (bis zur Unkündbarkeit) gibt, aber auch Bereiche, in denen es keinerlei soziale Abfederung gibt, sprach er nicht.

Darüber müsste er aber in Zukunft sprechen, denn die Regierungschefs wollen in Zukunft enger zusammenarbeiten. Dazu zählt auch eine Kontrolle der budgetären Maßnahmen auf Sinnhaftigkeit. Der Defizitabbau soll beschleunigt werden, aber in dem Sinn, dass Länder, die noch über keine Pläne zur Budgetkonsolidierung verfügen, solche nun schleunigst vorlegen müssen.

Mit all den Maßnahmen soll der Euro stabilisiert und die Spekulationsattacken gegen die Währung beendet werden. Ob es funktioniert, sollte am Montag zu sehen sein…



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2010-05-08 15:39:00
Letzte Änderung am 2010-05-08 15:49:00


Werbung



Beliebte Inhalte



Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

Auch wenn Teilergebnisse gefeiert wurden, das Gesamtergebnis verursacht bei den meisten Fraktionen eher Katerstimmung. - APAweb / Herbert Neubauer
  • Mandatsgewinne vor allem für kleiner Gruppierungen
  • TU Graz schaffte Auszählung nicht
  • weiter

Europa im 21. Jahrhundert und immer noch ein Aufreger-Thema die Homosexualität. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Reding: Gewalt gegen Homosexuelle unvereinbar mit EU-Grundwerten.
  • weiter

Und wieder ist Österreich beim Song Contest gescheitert: Natalia Kelly durfte nur beim Semifinale singen. - APAweb / AP, Janerik Henriksson Österreich hat beim Eurovision Song Contest 2013 in Malmö wieder einmal nicht das Finale erreicht. Auch Natalia Kelly konnte mit ihrem Song "Shine"...weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

  • Der Streit um religiöse Symbole ist ein Nebenschauplatz
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter





Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung