• vom 27.04.2010, 17:45 Uhr

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Update: 27.04.2010, 17:50 Uhr
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Die deutsche Sängerin Nina Hagen über ihre Angst vor Atombomben, weibliche Sexualität und tiefen Glauben

"Ich bin eine Prophetin Gottes"


Von Mathias Ziegler

  • Die 55-Jährige tritt am 26. Juni in Wien auf.
  • Hagen will sich "als frischgebackene Christin für Israel einsetzen".
  • "Wiener Zeitung": Ende der 70er waren Sie in Österreich der Schrecken aller Eltern, heute gelten Sie als Ikone dieser Zeit - wie empfinden Sie diesen Sinneswandel?
  • Nina Hagen: Ich hab mich gar nicht als Schock der Erwachsenen gesehen, sondern die Erwachsenen waren ein Schock für mich. Es gab - auch bei uns in Ostdeutschland - so viele verbitterte Gesichter.

Die behaupteten immer alle, Gott gibts nicht. Und dieselbe Art hat dann 1979 im "Club 2" über die Weiber gemeckert. Da war dieser Professor, der auf einmal von den Orgasmusschwierigkeiten der Weiber anfing. Da habe ich ihm erklärt, dass es so etwas wie Orgasmusschwierigkeiten bei Frauen gar nicht geben kann, das ist ja ein Mythos. Danach hat sich alles in merkwürdigen Reaktionen aufgeregt. Sexualität ist ein Supergeschenk Gottes, auf die dürfen wir stolz und glücklich sein. Wir sind Mitschöpfer, indem wir Kinder zur Welt bringen. Deswegen sind wir auch verpflichtet, alles zu tun, um die Schöpfung zu bewahren!

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Zurück zur Ausreise 1976 aus Ostdeutschland - Sie empfanden ja Ihre Heimat als fad, im Gegensatz etwa zu Großbritannien. War es in Westdeutschland besser?

Ich war kurz in Berlin, und es hat alles viel Geld gekostet. Dann war ich in Hamburg und habe dort mit einigen Musikern Demos und Sessions gemacht. Aber ich habe festgestellt, dass die alle Drogen nehmen. Und die waren alle so snobistisch drauf. Es war genau zu der Zeit, als die Hamburger Szene durch zu viel Suff und Drogen den Bach runter ging. Die Musiker dort redeten dann auch noch schlecht über mich und sagten zu meiner Plattenfirma: Nee, mit der Alten kriegst du ja nix auf die Reihe . . .

Letztlich haben Sie sich durchgesetzt. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Such nach der Wahrheit, nach deinem Schöpfer, bete zu ihm, bau eine wunderschöne Beziehung auf, danke ihm, dass es dich gibt. Wünsch dir alles von ihm - er wird dafür sorgen, dass es nicht zu viel wird, dass du nicht zu reich und überheblich wirst, sonst kann es passieren, dass dir irgendwelche bösen Typen deine Seele anknabbern. Und dass du es mit all deinem Reichtum nicht schaffst durch das dünne Nadelöhr, von dem Jesus spricht, in die himmlische Dimension.

Wie sehen Sie die Situation in Ostdeutschland heute?

Natürlich brachte die Wende die Freiheit - vorher hatten wir ja gar keine Möglichkeit, ohne erschossen zu werden zum Beispiel nach Wien zu fahren. Und ich glaube fest daran, dass die Mauer ohne einen Tropfen Blut oder einen Schuss gefallen ist, weil die Menschen in der DDR so eine irre große Liebe hatten und Kraft aufbrachten, jeden Montag mit der Kerze rumzulaufen, zu protestieren und sich in den Kirchen zu versammeln, dort gemeinsam zu diskutieren, Pläne zu schmieden, zu beten. Da spielten die verbotenen Liedermacher ihre Musik, da traten auch Rockbands auf. In den Kirchen, wohin der lange Arm der Staatsmacht nicht reichte, ging die Post ab. Und das klappt jedes Mal, wenn ein Volk dann noch Gott zu Hilfe ruft. Genauso können wir Atombomben abschaffen und Frieden machen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2010-04-27 17:45:00
Letzte Änderung am 2010-04-27 17:50:00


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