• vom 12.04.2010, 18:14 Uhr

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Wagner:Werk Museum widmet sich mit "Feminine Fifties" der Rolle der Frau in den 1950er Jahren

Der lange Weg hinaus aus der Küche




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Von Verena Franke

  • Eine Aussage wie "Die Küche ist das Reich der Frauen" würde heute im 21. Jahrhundert für Empörung und heftigste Dispute sorgen. Noch vor 60 Jahren war das Heim und die Hausarbeit eine gesellschaftlich geschätzte Domäne für Frauen. Wer dennoch arbeiten musste oder wollte, brauchte für den Job und ein Bankkonto die Genehmigung des Ehemannes und Familienoberhaupts - dies wurde übrigens erst 1975 mit der Familienrechtsreform abgeschafft.

Das Inserat für "Ilse-Möbel" zeigt es vor: Die gepflegte Hausfrau in stylischen Möbeln. Foto: Wagner:Werk Museum Postsparkasse/Jörg Bohn

Das Inserat für "Ilse-Möbel" zeigt es vor: Die gepflegte Hausfrau in stylischen Möbeln. Foto: Wagner:Werk Museum Postsparkasse/Jörg Bohn Das Inserat für "Ilse-Möbel" zeigt es vor: Die gepflegte Hausfrau in stylischen Möbeln. Foto: Wagner:Werk Museum Postsparkasse/Jörg Bohn

Die Frau als Hüterin des Heims war nicht immer ihre alleinige Aufgabe: Während des Zweiten Weltkrieges waren es die Frauen, die, auf sich selbst angewiesen, ihre Kinder ernährten und unter immensen Entbehrungen und Gefahren überlebten. Sie waren das selbständige und unabhängige Familienoberhaupt, das den politischen und gesellschaftlichen Wandel der Kriegszeit bewältigen musste.

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Mit dem Ende des Krieges setzte dann eine Veränderung der Vorstellung der weiblichen Pflichterfüllung ein, denn die Männer forderten ihre Position als Hausherr zurück. Aus der Hausherrin wurde die Hausfrau, mit deren heimischen Reich sich die Ausstellung "Feminine Fifties - Die Wirtschaftswunderfrauen" im Wiener Wagner:Werk Museum Postsparkasse bis 22. Mai auseinandersetzt.

Umfassendes Bild der Rollenzuweisung

Die 1950er Jahre assoziiert man heute mit Klischees wie Rossschwanz, Petticoats, Kofferradio und PEZ-Zuckerln sowie Vespas und Wurlitzer. Alles Ausstellungobjekte, die mit rund 200 Stücken die Welt jener Jahre demonstrieren und ein ziemlich umfassendes Bild der Rollenzuweisung der Frau in der Nachkriegszeit widerspiegeln. Dabei zeigen die Kuratorinnen Monika Wenzl-Bachmayer und Uta M. Matschiner einen repräsentativen Querschnitt der damaligen opulenten Dekorationswut und den von Frauen ausgeübten Stil, der als die letzte geschlossene Stilepoche des 20. Jahrhunderts gesehen werden kann.

Ein signifikantes Beispiel dafür war das Wohnzimmer. Zuvor als alleiniges Empfangszimmer für Besuche konzipiert, wird es nun zum Herz der Familie. Vorerst noch mit sogenannten Gelsnerkircher Barock-Möbel überladen, weichen peu à peu leichte Möbel die ästhetische Optik auf. Die modernen Möbel sind leicht und hell. Vor allem auch so gebaut, dass sie frau ohne fremde Hilfe umstellen konnte und, wie die damalige Werbung betonte, der doch kleinen Wohnungen "ein neues Gesicht geben konnte".

Schmucke Wohnung, schmucke Hausfrau

Dafür wurde die Wohnung auch ausgiebig dekoriert: So zeigt die Ausstellung Masken und Figuren der Wiener Keramikmanufaktur "Keramos - Wiener Kunstkeramik und Porzellanmanufaktur" - nach Entwürfen von Stephan Dakon, Karl Grössl, Rudolf Chocholka und Ina Eisenbeisser - von Frauen und Mädchen, die RocknRoll tanzen, mit Petticoats oder Capri-Hosen bekleidet waren, einen Pferdeschwanz trugen und mit dem Hula-Hoop-Reifen übten. Den Wunsch nach Exotik drückte man auch mit verschiedenen Keramiken von Afrikanern - damals wertfrei Neger genannt -, egal ob Krieger, Wasserträger oder Trommler sowie mit Figuren von Hawaiianern, Indianern und Mexikanern in Baströckchen oder nackt aus.

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Dokument erstellt am 2010-04-12 18:14:10
Letzte Änderung am 2010-04-12 18:14:00


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