Die "schreckliche Tat" dürfe nicht dazu missbraucht werden, "Rassenhass anzustacheln oder zu befeuern", erklärte Präsident Jacob Zuma. Nur wenige Wochen vor der Fußball-WM in Südafrika wären Unruhen das Letzte, was das Land jetzt brauchen kann. Die Lage ist allerdings kritisch.
Rache-Schwur
Die Burenbewegung Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB), deren Anführer TerreBlanche war, hat gleich nach Bekanntwerden der Tat Rache geschworen. Am 1. Mai gebe es ein Treffen, bei dem ihre "Aktionen" abgestimmt werden sollen. Zwar wurde diese Ankündigung später zurückgezogen, doch das mulmige Gefühl, dass die Situation jederzeit eskalieren könne, blieb. Eine Sprecherin der Oppositionspartei Demokratische Allianz, Juanita Terblanche, verwies auf Probleme im ländlichen Raum, die durch "unverantwortliche rassistische Äußerungen" immer stärker angeheizt würden.
Die Partei Freiheitsfront Plus, die im Kabinett von Zuma die weißen Bauern repräsentiert, verurteilte die Tat aufs Schärfste. Ihr Sprecher Pieter Groenewald rief die Bevölkerung auf, nicht unüberlegt zu handeln, auch wenn der Mord für eine "explosive Situation" sorge. Zugleich appellierte er an die Jugendorganisation der Regierungspartei ANC, von einem umstrittenen Lied Abstand zu nehmen, in dessen Refrain zur Gewalt gegen Weiße aufgerufen wird. Zwei Gerichte hatten das Lied mit dem Englisch-Afrikaans-sprachigen Titel "Kill the Boers" (Tötet die Buren) bereits verboten.
Die Buren sind die Nachkommen der ersten europäischen Siedler in Südafrika. Der als Widerstandsbewegung gegen die Apartheid gegründete ANC betrachtet das Kampflied als Teil seiner Geschichte und hat Berufung gegen dessen gerichtliches Verbot eingelegt. Der Text sei nicht wörtlich zu nehmen, argumentierte die Regierungspartei.
Die Organisation Afriforum, die gerichtlich gegen das Lied vorgegangen war, mahnte die Bevölkerung zur Ruhe. Derzeit herrschten "Umstände, die sehr angespannt sind und zerstörerisch sein könnten", erklärte sie. Gewalt ist auf den Farmen in Südafrika weit verbreitet. Die meisten von ihnen werden auch 16 Jahre nach dem Ende der Apartheid von Weißen geleitet. Zwischen 1997 und 2007 wurden mehr als 1200 Farmer und Angestellte getötet.
TerreBlanche hat 1973 die Afrikaner Weerstandsbewegung gegründet, die sich als Ziel die Vereinigung aller Buren in einem "Volksstaat" setzte. Er wurde wiederholt wegen Gewalttätigkeit verurteilt: 1979, weil er und seine Anhänger einen Geschichtsprofessor geteert und gefedert hatten, 1983 wegen terroristischer Tätigkeit und im Jahr 1997 wegen Mordversuchs an einem Schwarzen. Wegen dem letzten Verbrechen saß er vier Jahre im Gefängnis.
Mit Aktionen dieser Art versuchte die AWB das Ende der Apartheid in Südafrika zu verhindern. TerreBlanche hat mehrfach angekündigt, für die Schaffung eines den weißen Südafrikanern vorbehaltenen Staates vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu ziehen. In einem Interview im November erklärte der ehemalige Polizist und Soldat: "Das letzte Kapitel der Afrikaner Weerstandsbeweging ist noch nicht geschrieben worden."