• vom 15.03.2010, 19:30 Uhr

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Update: 15.03.2010, 19:34 Uhr

Deutsche Telekom peilt 30 Prozent Frauenanteil an - Ministerin Heinisch-Hosek will Stufenplan einführen

Frauenquote ist "gut fürs Geschäft"




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Von Petra Medek

  • Norwegens Wirtschaftsminister preschte vor.
  • Nur 5,3 Prozent Frauenanteil in heimischen Geschäftsführungen.
  • Wien/Bonn. Die Deutsche Telekom lässt aufhorchen: Sie führt eine Frauenquote ein. Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent des oberen und mittleren Managements mit Frauen besetzt sein. Noch überraschender dürfte für manche aber die Begründung des Konzerns sein: Man will mit der Quote eine höhere Wertschöpfung erzielen, heißt es.

Gleiches Recht für alle auch im Management?

Gleiches Recht für alle auch im Management?© Foto: photocase / .marqs Gleiches Recht für alle auch im Management?© Foto: photocase / .marqs

Die Deutsche Telekom steht mit dieser Maßnahme ziemlich allein da. Zwar gibt es vielerorts in Europa Corporate Governance Codices, diese legen den Unternehmen Gleichstellung aber meist nur ans Herz - mehr nicht. Pionier Norwegen führte 2006 eine gesetzliche Quote ein. Seitdem müssen in öffentlichen Unternehmen 40 Prozent der Aufsichtsräte Frauen sein. Wer die Quote nicht erfüllt, zahlt Strafe. Durchgeboxt hat das Gesetz Wirtschaftsminister Ansgar Gabrielsen. Er sieht unterschiedliche Gründe für seinen Erfolg: "Erstens bin ich ein Mann. Zweitens gehöre ich der konservativen Partei an, drittens bin ich Wirtschaftsminister. Schließlich lautete mein Argument: Die Quote ist gut fürs Geschäft, nicht für die Geschlechterverteilung", so Gabrielsen in einer BBC-Dokumentation.

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Jüngste Daten zeigen: Norwegen hat den Rest Europas abgehängt (siehe Grafik). Nun laufen Erhebungen auf Hochtouren, die belegen sollen, dass die Unternehmen von gerechter Geschlechterverteilung tatsächlich profitieren.

Laut Marit Hoel, Direktorin des norwegischen Center of Corporate Diversity, ist das Bildungsniveau in Norwegens Aufsichtsräten seit Einführung der Quote gestiegen, weil die rekrutierten Frauen überdurchschnittlich gebildet sind. Zudem habe die Quote das Durchschnittsalter in den Gremien gesenkt. Damit seien die Gremien innovativer geworden, so Hoel.

Männer als "Loser"



In Norwegens Aufsichtsräten wurden durch die Quote mittelmäßige Männer durch gut qualifizierte Frauen ersetzt, erklärt Professor Edeltraud Hanappi-Egger, Leiterin der Abteilung für Gender und Diversitätsmanagement an der Wirtschaftsuniversität Wien. Genau darin sieht sie die Crux für die Einführung von Quoten in anderen Ländern: Eine Geschlechterquote bringe "eben keine Win-win-Situation, da gibt es Loser-Gruppen". Gemeint sind jene Männer, die auf traditionellen Wegen und unter Nutzung ihrer Netzwerke in die Aufsichtsräte aufgestiegen wären. "Wir geben bestimmten Männern eine Säge in die Hand, um an ihrem Sessel zu sägen, und wundern uns, dass sie dies nicht euphorisch tun", so Hanappi-Egger. Ohne politischen Druck sieht sie die Chancen auf Realisierung einer Genderquote gering.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat wiederholt auf eine Quote gedrängt - bis jetzt jedoch ohne Erfolg. Ein Stufenplan soll dem Koalitionspartner nun eine Quotenregelung schmackhafter machen. Für Unternehmen des Bundes schlägt die Ministerin vor, "so lang Frauen für freiwerdende Stellen zu nominieren, bis wir den vierzigprozentigen Anteil erreicht haben". Konkret soll in einer ersten Stufe bis zum Ende der Legislaturperiode 2013 eine Quote von 25 Prozent erreicht sein, bis zum Ende der darauf folgenden Periode (2018) sollen 40 Prozent erreicht werden.

Im internationalen Vergleich liegt Österreich unverändert schlecht: Es sind nur marginale Fortschritte erkennbar, schreibt die AK, die regelmäßig die Top200- Unternehmen Österreichs unter die Lupe nimmt. Die Frauenananteile liegen 2010 bei 5,3 Prozent in den Geschäftsführungen (2009: 4,8 Prozent) beziehungsweise 9,7 (8,7) Prozent in den Aufsichtsräten. Nur jeder zwanzigste Geschäftsführer (33 von 627) und jeder zehnte Aufsichtsrat (141 von 1454) ist weiblich.

Gesetzliche Quoten sind hilfreich - wirklich erfolgreich ist aber nur ein Zusammenwirken aus Regelwerken und einem höheren gesellschaftlichen Bewusstsein, meint Anne-Charlott Callerstig von der Uni Linköping in Schweden. "Der Schlüssel zur Gleichstellung ist diese Kombination", so Callerstig zur "Wiener Zeitung" am Rande eines OECD-Forums in Wien. Zudem müssten Rekrutierungen transparenter werden. "Viele Posten werden gar nicht erst ausgeschrieben, Frauen werden dafür nicht angesprochen".



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2010-03-15 19:30:03
Letzte Änderung am 2010-03-15 19:34:00


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