• Artikel vom 11.03.2010, 16:57 Uhr

Archiv

Update: 11.03.2010, 21:01 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Bei den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich gibt es bereits ausgefüllte nichtamtliche Stimmzettel

Wählen, ohne ein Kreuz zu machen


Von Wolfgang Zaunbauer
  • Nichtamtliche Stimmzettel laut VfGH rechtens.
  • Laut Experten kein Problem: "Die Wähler sind mündig genug."
  • In NÖ Tradition.
  • Wien. Wenn am Sonntag 1,46 Millionen Niederösterreicher ihre Gemeinderäte wählen, werden viele kein Kreuz auf dem Stimmzettel machen - und trotzdem gültig wählen. Sie werden den nichtamtlichen Stimmzettel in die Wahlurne werfen, den eine Partei schon im Vorhinein für sie ausgefüllt hat. Was andernorts für Irritationen sorgen würde, hat in Niederösterreich Tradition.

Den amtlichen Stimmzettel, auf dem eine Partei angekreuzt wird und gegebenenfalls Namen als Vorzugsstimmen eingetragen werden, gibt es bei den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich erst seit den 90er Jahren. Traditionell werden die Gemeinderäte im Land unter der Enns mit dem nichtamtlichen Stimmzettel gewählt. Diese kommen meist mit der Wahlwerbung ins Haus. Dabei genügt ein weißes A5-Papier, auf dem der Name eines Kandidaten oder einer Partei sowie der Hinweis "(ersetzt den amtlichen Stimmzettel)" steht. Diesen steckt man ins Wahlkuvert und trägt ihn zur Wahl.

Werbung

Ein demokratiepolitisches Problem insofern, als dem Wähler hier die Entscheidung quasi abgenommen wird, sieht der Wahlrechtsexperte Klaus Poier nicht. Laut dem Verwaltungsrechtler an der Uni Graz "steht es dem Wähler trotzdem offen, was er wählt", schließlich werde keiner gezwungen, den nichtamtlichen Stimmzettel zu verwenden. Einen praktischen Nutzen für die Parteien (etwa das Verhindern von Wechselwählern) sieht Poier nicht: "Das bringt heute nichts mehr, dafür sind die Wähler mündig genug."

Teil der Wahlwerbung

Dass diese niederösterreichische Einzigartigkeit rechtskonform ist, hat auch der Verfassungsgerichtshof bestätigt. Es gebe kein verfassungsrechtliches Gebot, das eine Stimmabgabe nur mit amtlichen Stimmzetteln vorschreibt. Dass die vorgedruckten nichtamtlichen Stimmzettel durch die Parteien verteilt werden, ist laut Verfassungsgerichtshof nicht Teil des Wahlverfahrens, sondern der Wahlwerbung.

Steht auf dem nichtamtlichen Wahlzettel nur ein Name, so geht die Stimme an die Partei, auf deren Liste betreffende Person steht. Zusätzlich bekommt diese Person eine Vorzugsstimme. Zulässig ist auch, mehrere nichtamtliche Wahlzettel mit verschiedenen Namen darauf in das Wahlkuvert zu stecken, sofern die Personen von der selben Partei sind. Dann bekommt die Partei eine Stimme, die Kandidaten jeweils eine Vorzugsstimme. Sind sie von verschiedenen Listen, ist die Stimme ungültig.

Wählen wo man wohnt

Das Wahlrecht zur Gemeinderatswahl hängt davon ab, wo man einen ordentlichen Wohnsitz hat. Dabei muss es sich nicht um den Hauptwohnsitz handeln. Es ist also möglich, am Sonntag in mehreren Orten wählen zu gehen. Hat man in einem Ort zwei ordentliche Wohnsitze, hat man dort allerdings nur eine Stimme.

Wer per Briefwahl seine Stimme abgeben möchte, hat noch bis heute Freitag, 12 Uhr, Zeit, seine Wahlkarte persönlich beim zuständigen Gemeindeamt zu beantragen. Dabei ist dem Stimmzettel eine eidesstattliche Erklärung beizulegen. Die Wahlkarte muss dann bis Sonntag, 6.30 Uhr, bei der Gemeinde oder bis Wahlende beim zuständigen Wahlsprengel eingelangt sein. Inhaber von Wahlkarten können ihre Stimme auch in einem anderen Wahlsprengel in der Gemeinde oder bei sogenannten "fliegenden Wahlbehörden" abgeben.

*

Wissen: Gemeinderatswahlen in Niederösterreich

Am kommenden Sonntag wird in 568 der 573 niederösterreichischen Gemeinden gewählt. Die Statutarstädte St. Pölten, Krems und Waidhofen an der Ybbs haben ihre eigenen Wahltermine, in Deutsch-Wagram und Obersiebenbrunn wurde die Wahl schon im vergangenen Herbst abgehalten.

1.458.783 Personen sind zur Wahl zugelassen. Wahlberechtigt sind Österreicher und EU-Bürger ab 16, die in einer niederösterreichischen Gemeinde einen ordentlichen Wohnsitz haben und im dortigen Wählerverzeichnis eingetragen sind.

Insgesamt werden 11.621 Mandate vergeben. Dabei schwankt die Größe der Gemeinderäte laut Gemeindeordnung zwischen 13 (in Gemeinden bis 500 Einwohner) und 45 (mehr als 30.000 Einwohner) - theoretisch, denn St. Pölten und Wiener Neustadt, die einzigen Städte Niederösterreichs mit mehr als 30.000 Einwohnern, haben 42 beziehungsweise 41 Gemeinderatsmitglieder.

Bei den Gemeinderatswahlen 2005 konnte die ÖVP landesweit 48,8 Prozent der Stimmen erreichen. Die SPÖ kam auf 38,9 Prozent, auf die Grünen entfielen 3,8 Prozent, auf die FPÖ 3,3 Prozent und diverse Listen kamen auf 5,2 Prozent.

In Niederösterreich gilt das Prinzip "Person schlägt Partei": Wird einem Kandidaten eine Vorzugsstimme gegeben, geht die Stimme an dessen Partei, auch wenn das Kreuz auf dem Wahlzettel eventuell bei einer anderen Partei gemacht wurde.

Von Kandidaten und Würsteln

+++ Angriff auf die absolute Mehrheit

+++ Wahlen im Westen klare Sache für ÖVP

+++ Rassismusvorwurf an steirische FPÖ



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2010-03-11 16:57:23
Letzte Änderung am 2010-03-11 21:01:00


Werbung



Beliebte Inhalte



Der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, hat in seiner Rede bei der Europäischen Solidaritätskundgebung für Tibet am Wiener Heldenplatz den Schutz der tibetischen Kultur gefordert. - APAweb/EPA
  • Bundespräsident Heinz Fischer hat seine Position in der Diskussion um ein Treffen mit dem Dalai Lama, dem spirituellen Oberhaupt der Tibeter, verteidigt.
  • weiter

Schweden hat den Eurovision Song Contest gewonnen. Mit ihrem mystischen Popsong "Euphoria" landete die Sängerin Loreen im Finale in Baku deutlich vor...weiter

Nicht alle Menschen, die man auf Facebook als seine "Freunde" führt, verdienen diesen Namen auch. - APAweb/EPA
  • Die beiden Facebook-"Freunde" hatten sich zuvor auf der Internet-Plattform beschimpft und beleidigt, bei einem zufälligen Treffen am Bahnhof artete...
  • weiter

Das Amt des Päpstlichen Kammerdieners gehört zu den diskretesten Aufgaben im Vatikan, wie Kathpress schreibt. Als "Maggiordomo" organisiert er den Haushalt des Papstes im dritten Stock des Apostolischen Palastes, ist in einer Person Butler, Hausmeister und Kellner. Zusammen mit den beiden Privatsekretären - Georg Gänswein und Alfred Xuereb - und den vier Hausdamen - Ordensfrauen von der Gemeinschaft der "Memores Domini" - gehört er zur Päpstlichen Familie. - APAweb/EPA
  • 46-Jähriger soll vertrauliche Dokumente weitergegeben haben.
  • Meist ist die Vatikan-Justiz nur mit Taschendieben befasst
  • weiter

Alles gemäß der Gesetzeslage. Martin Graf ist sich keiner Schuld bewusst und fühlt sich als Kampagnenopfer. - © APA
  • FPÖ spricht von einer Hetzkampagne gegen ihren Spitzenpolitiker.
  • weiter

Martin Graf ist wieder einmal in der Defensive. - APAweb/Roland Schlager
  • Graf soll zur Errichtung einer Privatstiftung geraten haben und Kontrolle über Vermögen übernommen haben.
  • weiter

  • Bild einer Explosionsdruckkammer in geheimer Militäranlage Parchin aufgetaucht.
  • weiter

Strache verwies darauf, dass die "Zahl der verhaltensauffälligen Schüler" wachse und es auch immer wieder zu Attacken gegen Lehrer komme. Doch Fehlverhalten dürfe "nie mittels 'Tätschn' oder anderer Gewalt sanktioniert werden", hielt der FP-Chef fest. - APAweb/AP
  • Gewaltverbot ist gesetzlich verankert.
  • weiter





Noch wird gebaut, ab 2013 sollen 25.000 Studierende am WU-Campus Vorlesungen besuchen und sich austauschen.

26.05.2012 - Die Bildkombo zeigt Besucher des 21. Wave-Gotik Festivals in Leipzig. Für die Gothics gibt es bis Pfingstmontag (28.05.2012) ein Programm mit mehr als 200 Künstlern an den verschiedensten Veranstaltungsorten quer durch die Stadt. Der Veranstalter rechnet mit rund 20.000 Besuchern, darunter auch Gästen aus Japan, Australien und Argentinien. Pallas Athene, 1898
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Werbung