• vom 12.03.2010, 17:52 Uhr

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Wissenschaftsminister gestehen Fehler bei Bologna-Umsetzung ein und geloben Besserung

Neustart für Bologna-Prozess




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Von Katharina Schmidt

  • Beatrix Karl plant "Task Force" zur Verbesserung der Studienpläne.
  • Studenten und Lektoren skeptisch, Rektoren erfreut.
  • Wien. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl will Bologna neu starten. Unter dem Titel "Bologna Reloaded" hat sie am Freitag bei der Ministerkonferenz zum zehnjährigen Jubiläum des Prozesses einen Zehn-Punkte-Plan präsentiert. Damit soll die Umsetzung der Bologna-Reformen in Österreich verbessert werden.

Die Ministerin wiederholte ihr Bekenntnis zur Grundidee des europäischen Hochschulraums - die Mobilität zu erhöhen, Abschlüsse vergleichbar zu machen und mehr jungen Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten ein Studium zu ermöglichen. Und sie wies erneut darauf hin, dass die Umsetzung teilweise missglückt sei, vor allem hinsichtlich der Ausgestaltung der Studienpläne, die oft "heillos überfrachtet" seien. "Hier müssen wir Lösungen finden. Die Unis sind autonom, aber dennoch will ich nicht wegschauen", so die Ministerin.


Hinschauen will sie nun mit dem Zehn-Punkte-Plan: Unter anderem soll eine "Task Force" zur Weiterentwicklung der Curricula eingerichtet werden, in der sowohl Fachhochschul- und Universitätenkonferenz als auch die einzelnen Unis und die Hochschülerschaft vertreten sind.

Geht es nach Karl, wird die Bologna-Einsatztruppe Leitlinien für die Neugestaltung der umstrittenen Bachelor-Studienpläne erarbeiten. Besonderes Augenmerk soll auf die Hauptkritikpunkte der Studenten - Studierbarkeit und Wahlfreiheit - gelegt werden.

Karl plant zudem Gespräche mit den Curricularkommissionen und will die Mobilität durch eine bessere Anerkennung gleicher Prüfungsfächer erhöhen. Die "Qualität der Studienpläne" soll auch bei den Leistungsvereinbarungen mit den Unis Thema sein.

Karl will "so schnell wie möglich" Ergebnisse

Gefragt, bis wann sie die Reformen umsetzen will, wollte sich Karl nicht festlegen. Nur so viel: Sie wolle "so schnell wie möglich" erste Ergebnisse sehen.

Dass die Umsetzung des Bologna-Prozesses nicht in allen Bereichen gut funktioniert hat, gab auch der ungarische Bildungsminister István Hiller zu. Er bezeichnete den Prozess zwar als den einzig möglichen Weg für den europäischen Hochschulsektor, meinte aber, es sei "wichtig, dass wir den Menschen zuhören, die nicht mit uns einer Meinung sind". Und EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou fügte hinzu, dass sich die teilnehmenden Länder nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen dürften. Sie sieht die Hauptverantwortung für die Finanzierung des tertiären Sektors bei den einzelnen Staaten. Die EU werde aber dennoch versuchen, das Hochschulbudget - vor allem jenes für Mobilitätsprogramme - zu steigern.

In ihrer abschließenden Erklärung stellten die Wissenschaftsminister der 27 Mitgliedstaaten fest, dass Anpassungen auf europäischer, nationaler und institutioneller Ebene nötig seien. Und: In der weiteren Vertiefung des Prozesses müssten auch Personal und Studenten Gehör finden.

Dieses Bekenntnis freut die Studenten, die am Donnerstagabend in einer Großdemonstration zu Tausenden die Wiener Innenstadt verstopft hatten, zwar. Allerdings will Daniel von "Bologna Burns" weder die Erklärung, noch Karls geplante "Task Force" überbewerten: "Erfahrungsgemäß sind solche Lippenbekenntnisse nicht viel wert, aber wir lassen uns auch gerne eines Besseren belehren."

Ähnlich sieht Thomas Schmidinger, Präsident der IG externe LektorInnen, die neuen Zugeständnisse: Es sei ein "Fortschritt, dass man einsieht, dass nicht alles so gelaufen ist, wie man es sich vorgestellt hat".

Sünkel will "gemeinsam Probleme ausmerzen"

Dies sei auch ein Erfolg der studentischen Protestbewegung. Dass aber die Konferenzteilnehmer am Donnerstag in der Hofburg gefeiert haben, während sich die Studenten am Wochenende in einem Alternativgipfel Lösungen überlegen, zeugt laut Schmidinger nicht von einer Öffnung der Debatte. Auch dass das Lehrpersonal und besonders die externen Lektoren in Karls Punktation unerwähnt bleiben, sieht er als schlechtes Zeichen.

Positiv gestimmt ist indes Hans Sünkel, Präsident der Universitätenkonferenz. Bei der Konferenz sei deutlich geworden, dass alle Nationen ähnliche Probleme bei der Umsetzung hätten, sagt Sünkel zur "Wiener Zeitung". Er versteht die Erklärung als "Aufruf an uns alle, möglichst rasch zur Tat zu schreiten und gemeinsam die Probleme auszumerzen".



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2010-03-12 17:52:06
Letzte Änderung am 2010-03-12 17:52:00


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