• vom 17.02.2010, 15:30 Uhr

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Update: 17.02.2010, 17:28 Uhr

Stimmungswandel zur Herbeiführung des Todes auf Patientenwunsch: 62 Prozent sind dafür

Immer mehr Österreicher befürworten aktive Sterbehilfe




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  • Medizin-Uni Graz: 13 Prozent mehr Zustimmung als im Jahr 2000.
  • Mit dem Alter der Befragten steigt auch die Ablehnung.
  • Graz. (apa/est) Aktive Sterbehilfe, die in Österreich strafbar ist, findet immer mehr Zustimmung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie der Medizin-Universität Graz. Demnach befürworten mittlerweile 62 Prozent der Befragten, dass ein Arzt einen Patienten auf dessen Wunsch töten soll. Das sind um 13 Prozent mehr als noch im Jahr 2000, berichtet die Medizin-Uni Graz.

Wille zum Leben oder ein Leiden? In Österreich ist aktive Sterbehilfe verboten. Foto: bb

Wille zum Leben oder ein Leiden? In Österreich ist aktive Sterbehilfe verboten. Foto: bb

Wille zum Leben oder ein Leiden? In Österreich ist aktive Sterbehilfe verboten. Foto: bb

Wille zum Leben oder ein Leiden? In Österreich ist aktive Sterbehilfe verboten. Foto: bb Wille zum Leben oder ein Leiden? In Österreich ist aktive Sterbehilfe verboten. Foto: bb

Aktive Sterbehilfe bezeichnet die Möglichkeit, unheilbar kranken und schwer leidenden Menschen den Wunsch zu sterben zu erfüllen, indem ein Mittel verabreicht wird, das ihren Tod herbeiführt. In der Erhebung wurden 1000 Österreicher (Zufallsstichprobe ab 16 Jahren) telefonisch zu ihrer Einstellung zur aktiven und zur passiven Sterbehilfe befragt.

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Die Befragten wurden zuerst mit der abstrakten Frage konfrontiert: "Wären Sie prinzipiell für aktive Sterbehilfe?" Es zeigte sich ein Stimmungswandel innerhalb der vergangenen zehn Jahre: 62 Prozent der Befragten befürworteten die aktive Herbeiführung des Todes auf Patientenwunsch. Männer treten mit 66 Prozent Pro-Stimmen öfter für aktive Sterbehilfe ein als Frauen (58,5 Prozent). Bei vergleichbaren Befragungen des Imas-Instituts in den Jahren 2000 und 2006 hätten sich nur 49 Prozent dafür ausgesprochen, hielten die Studienautoren Willibald Stronegger und Wolfgang Freidl fest.

Fallbeispiel erntet weniger Zustimmung

Für die Autoren liegt der springende Punkt in der Tatsache, dass die Zustimmung sank, je spezifischer sich die Befragten mit dem Thema auseinandersetzen mussten. Beim Fallbeispiel eines schwerstkranken alten Mannes mit starken Schmerzen waren nämlich nur noch 58 Prozent dafür, dass der Arzt das Leben des Patienten auf dessen Wunsch hin beenden soll. "Hier zeigt sich, dass Aufklärung anhand von konkreten Beispielen nottut", sagt Freidl, Sozialmediziner mit den Schwerpunkten Ethik im Gesundheitswesen sowie Medizin und Nationalsozialismus. Er streicht auch hervor, "dass eher Leute in ihrem gesunden, aktiven Zustand Sterbehilfe befürworten. Es sind auch die Jüngeren eher dafür, die Älteren eher dagegen: Je älter man ist, desto eher ist man dagegen", sagt Freidl.

In Österreich ist aktive Sterbehilfe verboten. Auch assistierter Suizid, sprich die Verordnung von Medikamenten, die todkranke Menschen selbst einnehmen, um damit ihren Tod herbeizuführen, ist gesetzlich nicht gestattet. Erlaubt ist die aktive Sterbehilfe in den Niederlanden, in Belgien und Luxemburg.

Der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen bei einer tödlich verlaufenden Erkrankung oder Verletzung (passive Sterbehilfe) ist in Österreich erlaubt. Wenn der Kranke eine Behandlung ablehnt, muss der Arzt im Regelfall die Autorität des Patienten anerkennen und dessen Wunsch entsprechend handeln.

"Wir wünschen uns eine differenzierte Diskussion", so Freidl: "Dass selbst hoch betagte, schwer leidende Menschen mit allen medizinischen Maßnahmen übertherapiert werden, befürworte ich nicht, da gibt es viel zu reformieren. Aber aktive Euthanasie ist etwas anderes als ein Sterben in Würde", betont Freidl.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2010-02-17 15:30:00
Letzte Änderung am 2010-02-17 17:28:00


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