• vom 04.02.2010, 16:32 Uhr

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Update: 04.02.2010, 16:37 Uhr

Konzert: Sivan Perwer, Dalshad Said

Die Botschaften der Lieder




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  • (best) Dass das umjubelte Konzert im Wiener Konzerthaus so positive Schlagzeilen auf den Titelseiten etlicher türkischer Medien erntete, ist nicht allein mit künstlerischen Maßstäben zu erklären. Der Auftritt des berühmten kurdischen Sängers, Komponisten und Saz-Spielers Sivan Perwer wurde zum Politikum für die Türkei, wo man erstmals offen über die Situation der Kurden spricht.

Kurden in aller Welt finden ihre eigene Situation in Perwers Liedern ausgedrückt, deren leidenschaftliche Texte meist zweierlei in einem sind: Liebeserzählungen und Ausdruck der Sehnsucht nach Heimat und Harmonie: "Ich habe lange auf dich gewartet / Ich warte immer noch auf dich / Du bist die Befreiung meiner Seele".


Kulturen- und völkerverbindend

Grenzüberschreitend war das Konzert auch in kultureller Hinsicht: Erstmals wagte Perwer eine Synthese aus kurdischer und westlicher Musik. Der kurdische Komponist Dalshad Said, der auch als Violinist brillierte, arrangierte Perwers Lieder für Orchester und Chor; Perwers eigene Gruppe war aber auch dabei.

Erstaunliches leistete das noch junge Ensemble Wien Klang, dem der nicht minder junge Dirigent Azis Sadikovic beachtliche dramaturgische Spannungsbögen zu entlocken verstand, auch in den beiden Beethoven-Ouvertüren "Coriolan" und "Egmont", dem Kontrapunkt des Abends.

Perwer ohne das Saz singen zu sehen, war sicher gewöhnungsbedürftig, doch er meisterte die Herausforderung mit zunehmender Leichtigkeit. Als Moderator fungierte Willi Resetarits, mit dem ªivan Perwer bereits 2004 ein gemeinsames Konzert gab. Unter den prominenten Polit-Gästen waren neben Bundespräsident Heinz Fischer auch der Präsident der Kurdischen Autonomieregion im Irak, Massoud Barzani, der Parteichef der verbotenen türkisch-kurdischen DTP, Ahmet Türk, sowie Mitglieder der in der Türkei regierenden AKP.

In seiner türkischen Heimat galt der Sohn einer konservativen türkischen Bauernfamilie die längste Zeit als Terrorist. Als in den 70er Jahren 30.000 Besucher seine Konzerte besuchten, wurde der Staat auf ihn aufmerksam. Perwer landete im Gefängnis und verließ danach die Türkei. Im Exil wuchs sein Ruhm unter Kurden in aller Welt. Heute ist Perwer eine Legende, die der türkische Staat im Kulturhauptstadt-Jahr von Istanbul so gerne daheim auftreten sehen würde.

Konzert

Klassisch kurdisch

Sivan Perwer (Gesang)

Dalshad Said (Violine und Komposition)

Ensemble Wien Klang, WU Chor Wien, Kammerton-Chor, Orient-Ensemble, kurdischer Wien-Chor

Wiener Konzerthaus

Siehe auch:

Interview mit Sivan Perwer



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Dokument erstellt am 2010-02-04 16:32:46
Letzte Änderung am 2010-02-04 16:37:00



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