
Nach zähen Verhandlungen im längsten Handelsstreit der Geschichte der Welthandelsorganisation WTO einigte sich die EU mit den wichtigsten Bananen-Exportländern auf Regeln, die den Zugang zum europäischen Markt erleichtern sollen. Die umstrittene Vorzugsbehandlung der afrikanischen, karibischen und pazifischen (AKP) Staaten soll damit beendet sein.
Die EU wird laut dem paraphierten Abkommen (das ist ein vorläufiger, mit Kürzel der Verhandlungspartner gezeichneter Vertragsabschluss) ihre Einfuhrzölle auf Bananen aus Lateinamerika in Etappen von derzeit 176 Euro pro Tonne auf 114 Euro pro Tonne bis frühestens 2017 kürzen, sagte die EU-Außenhandelskommissarin Benita Ferrero-Waldner. Der erste Kürzungsschritt um 28 Euro pro Tonne erfolge bei Unterzeichnung des Abkommens. Die Kürzung gelte dann aber rückwirkend ab der Paraphierung.
Die EU-Staaten, das Europaparlament und die WTO-Generalversammlung müssen den Deal noch formal annehmen.
Die lateinamerikanischen Staaten haben sich im Gegenzug bereit erklärt, keine weiteren Importtarifkürzungen von der EU zu verlangen, ihre Klagen bei der WTO fallen zu lassen und den Bananenstreit für beendet zu erklären.
Die EU, die USA und Lateinamerika hatten 16 Jahre lang um den Zugang zum EU-Binnenmarkt gestritten. Der erbitterte Disput um die gelbe Frucht führt vor Augen, wie schwierig es ist, einen fairen Welthandel zu organisieren. In Ecuador, Kolumbien, Panama oder Brasilien werden auf Riesen-Plantagen Bananen billig produziert, zu einem Großteil von US-Konzernen wie Chiquita Brands. Menschenrechtsaktivisten kritisieren menschenunwürdige Arbeitsbedingungen.
Abschottung zum Schutz von Kleinbauern
Die auf den Plantagen geernteten "Dollar-Bananen" waren vor allem in jenen EU-Staaten verpönt, die einst Kolonien in Afrika oder in der Karibik besaßen. Um Kleinbauern in Martinique, Guadeloupe oder Madagaskar zu schützen, schotteten sich viele EU-Länder bis zur EU-Marktordnung 1993 gegen Lateinamerika-Importe weitgehend ab. Die EU-Agrarmarktordnung verurteilte das als diskriminierend.
Dennoch konnten die AKP-Staaten ihre Bananen fast zollfrei in die EU einführen, was den größten Produzenten, die mit höheren Zöllen belegt wurden, ein Dorn im Auge war. Selbst Klagen von Ecuador und den USA führten nur zu partiellen Lockerungen der Regelungen. Die EU sieht in der Einigung ein Signal für den Abschluss der 2001 begonnenen und immer wieder ins Stocken geratenen Doha-Welthandelsrunde. Die reichsten Industrienationen (G7) wollen die Runde zur weiteren Öffnung der Märkte 2010 abschließen. Am Verhandlungstisch saßen neben Lateinamerika auch die USA, die ebenfalls den Bananenstreit vor der WTO beenden wollten, hieß es. Für die AKP-Staaten sieht die EU-Kommission Entschädigungen von bis zu 200 Mio. Euro aus dem EU-Budget vor. Die AKP-Staaten befürchten, dass wegen der sinkenden Zollsätze für die Konkurrenz der Absatz ihrer eigenen Bananen leiden könnte.
Die Preise für Bananen dürften durch die Einigung sinken, der Wettbewerb auf dem Markt für Südfrüchte dürfte steigen. Bananen sind nach Zitrusfrüchten das am meisten gehandelte Obst. 2008 hat die EU nach Angaben von Ferrero-Waldner mehr als 5,4 Mio. Tonnen Bananen konsumiert, davon habe die EU 4,8 Mio. Tonnen importiert. Durch die geplante Senkung der Zölle werde sich der Bananen-Konsum in der EU voraussichtlich erhöhen.