• vom 16.12.2009, 19:18 Uhr

Archiv

  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Die EU legt den Bananenstreit mit Lateinamerika bei: Die Importzölle für Bananen von US-Produzenten sinken

Das krumme Obst wird billiger



  • 16-jähriger Streit um Importzölle für Bananen beendet.
  • Einigung erhöht Wettbewerb auf dem Markt für Südfrüchte.
  • Brüssel/Wien. (est) Das vielleicht krummste Geschäft der Welt hat einen Disput weniger: Die EU und die lateinamerikanischen Staaten haben sich am Dienstag Abend im Bananenstreit geeinigt.

Bananen aus den Riesen-Plantagen Lateinamerikas können nun doch billiger in die EU gelangen. Foto: reuters

Bananen aus den Riesen-Plantagen Lateinamerikas können nun doch billiger in die EU gelangen. Foto: reuters Bananen aus den Riesen-Plantagen Lateinamerikas können nun doch billiger in die EU gelangen. Foto: reuters

Nach zähen Verhandlungen im längsten Handelsstreit der Geschichte der Welthandelsorganisation WTO einigte sich die EU mit den wichtigsten Bananen-Exportländern auf Regeln, die den Zugang zum europäischen Markt erleichtern sollen. Die umstrittene Vorzugsbehandlung der afrikanischen, karibischen und pazifischen (AKP) Staaten soll damit beendet sein.

Werbung

Die EU wird laut dem paraphierten Abkommen (das ist ein vorläufiger, mit Kürzel der Verhandlungspartner gezeichneter Vertragsabschluss) ihre Einfuhrzölle auf Bananen aus Lateinamerika in Etappen von derzeit 176 Euro pro Tonne auf 114 Euro pro Tonne bis frühestens 2017 kürzen, sagte die EU-Außenhandelskommissarin Benita Ferrero-Waldner. Der erste Kürzungsschritt um 28 Euro pro Tonne erfolge bei Unterzeichnung des Abkommens. Die Kürzung gelte dann aber rückwirkend ab der Paraphierung.

Die EU-Staaten, das Europaparlament und die WTO-Generalversammlung müssen den Deal noch formal annehmen.

Die lateinamerikanischen Staaten haben sich im Gegenzug bereit erklärt, keine weiteren Importtarifkürzungen von der EU zu verlangen, ihre Klagen bei der WTO fallen zu lassen und den Bananenstreit für beendet zu erklären.

Die EU, die USA und Lateinamerika hatten 16 Jahre lang um den Zugang zum EU-Binnenmarkt gestritten. Der erbitterte Disput um die gelbe Frucht führt vor Augen, wie schwierig es ist, einen fairen Welthandel zu organisieren. In Ecuador, Kolumbien, Panama oder Brasilien werden auf Riesen-Plantagen Bananen billig produziert, zu einem Großteil von US-Konzernen wie Chiquita Brands. Menschenrechtsaktivisten kritisieren menschenunwürdige Arbeitsbedingungen.

Abschottung zum Schutz von Kleinbauern

Die auf den Plantagen geernteten "Dollar-Bananen" waren vor allem in jenen EU-Staaten verpönt, die einst Kolonien in Afrika oder in der Karibik besaßen. Um Kleinbauern in Martinique, Guadeloupe oder Madagaskar zu schützen, schotteten sich viele EU-Länder bis zur EU-Marktordnung 1993 gegen Lateinamerika-Importe weitgehend ab. Die EU-Agrarmarktordnung verurteilte das als diskriminierend.

Dennoch konnten die AKP-Staaten ihre Bananen fast zollfrei in die EU einführen, was den größten Produzenten, die mit höheren Zöllen belegt wurden, ein Dorn im Auge war. Selbst Klagen von Ecuador und den USA führten nur zu partiellen Lockerungen der Regelungen. Die EU sieht in der Einigung ein Signal für den Abschluss der 2001 begonnenen und immer wieder ins Stocken geratenen Doha-Welthandelsrunde. Die reichsten Industrienationen (G7) wollen die Runde zur weiteren Öffnung der Märkte 2010 abschließen. Am Verhandlungstisch saßen neben Lateinamerika auch die USA, die ebenfalls den Bananenstreit vor der WTO beenden wollten, hieß es. Für die AKP-Staaten sieht die EU-Kommission Entschädigungen von bis zu 200 Mio. Euro aus dem EU-Budget vor. Die AKP-Staaten befürchten, dass wegen der sinkenden Zollsätze für die Konkurrenz der Absatz ihrer eigenen Bananen leiden könnte.

Die Preise für Bananen dürften durch die Einigung sinken, der Wettbewerb auf dem Markt für Südfrüchte dürfte steigen. Bananen sind nach Zitrusfrüchten das am meisten gehandelte Obst. 2008 hat die EU nach Angaben von Ferrero-Waldner mehr als 5,4 Mio. Tonnen Bananen konsumiert, davon habe die EU 4,8 Mio. Tonnen importiert. Durch die geplante Senkung der Zölle werde sich der Bananen-Konsum in der EU voraussichtlich erhöhen.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2009-12-16 19:18:07
Letzte Änderung am 2009-12-16 19:18:00

Werbung



Beliebte Inhalte



Wien. Wildwest-Szenen in Wien-Alsergrund: Ein am Vortag fristlos entlassener Mann kehrte Donnerstag früh in seine Firma in Wien-Alsergrund zurück und...weiter

20.000 Obdachlose leben allein auf den Straßen Athens. - APAweb / EPA / Orestis Panagiotou
  • Wer arbeitslos wird, landet schnell auf der Straße.
  • weiter

Blumen geschockter Anrainer in der Nähe des Tatortes. Noch sind die Motive der Angreifer unklar. Sicher ist, dass sie schockieren und Angst verbreiten wollten. Da wir dies nicht unterstützen wollen, finden Sie hier keine bluttriefenden Bilder. (red/ja) - Foto: apaWeb / EPA - Arrizabalaga
  • Mutige Frau verwickelte Täter in ein Gespräch.
  • weiter

  • Neue Regierung will Verhandlungen mit Brüssel nicht fortsetzen.
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter





Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung