• vom 21.10.2009, 17:03 Uhr

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Update: 21.10.2009, 17:04 Uhr
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Duisburg: Tatjana Gürbaca inszeniert "Salome" von Richard Strauss

Die Hölle im Nachbarhaus


Von Joachim Lange

  • In der "Salome" von Richard Strauss weht immer ein Hauch von Schrecken über die Bühne. Doch in mehr als hundert Jahren hat es sogar der abgeschlagene Prophetenkopf zu allgemeiner Akzeptanz beim Publikum gebracht. Mit der Gefahr, die Katastrophe im Gewohnten nicht mehr wahrzunehmen.

Hintere Reihe von links: Timo Riihonen, Rolf Broman, Renée Morloc, Morenike Fadayomi Vordere Reihe von links: Wolfgang Schmidt, Theresa Kronthaler, Norbert Ernst, Lukasz Konieczny. Foto: Hans Jörg Michel

Hintere Reihe von links: Timo Riihonen, Rolf Broman, Renée Morloc, Morenike Fadayomi Vordere Reihe von links: Wolfgang Schmidt, Theresa Kronthaler, Norbert Ernst, Lukasz Konieczny. Foto: Hans Jörg Michel Hintere Reihe von links: Timo Riihonen, Rolf Broman, Renée Morloc, Morenike Fadayomi Vordere Reihe von links: Wolfgang Schmidt, Theresa Kronthaler, Norbert Ernst, Lukasz Konieczny. Foto: Hans Jörg Michel

In Tatjana Gürbacas Inszenierung, mit der die Deutsche Oper am Rhein auch in ihrem zweiten Haus, in Duisburg, jetzt die Spielzeit eröffnete, muss man wieder neu hinsehen. Denn diese "Salome" beginnt in einer jener Spießerhöllen, von der hinterher immer alle sagen, die Leute, die dort wohnen, seien so unauffällig gewesen. Ornamentartige Rosengittertapeten. Ein Riesendoppelbett. Ein Flachbildschirm an der Wand. Eine steile Treppe mit Geländer nach oben. Eine Glastür zur Terrasse. Und im Keller ein Typ, der wie das weggesperrte, schlechte Gewissen so laut rumort, dass man es über den Heizkörper hören kann.

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Diese plüschige Spießerhölle, die Klaus Grünberg in einen klaustrophobischen Bühnenkasten gestopft hat, verliert spätestens dann ihre Pseudogemütlichkeit, wenn die erste Leiche im wahrsten Wortsinn unter dem Teppich verschwindet. Am Ende sind dann alle tot. Die Männer vom letzten Soldaten bis zum König sowieso. Auch die Königin. Salome erschießt sich selbst. Nur die unscheinbare Serviererin, im schwarzen Mini und mit Spitzen-Schürzchen überlebt das Massaker. Sie war wohl immer schon Salomes Vertraute, wurde zur Komplizin bei ihrem großen, radikalen Abrechnungs-Amoklauf. Diese Letzte macht jetzt das Licht aus.

Psychothriller-Qualität

Gürbacas "Salome" ist eine Studie über das Katastrophenpotential eines durch Macht und Gewalt außer Kontrolle geratenen Begehrens, über die Traumatisierung der Opfer und über die aussichtslosen Versuche, durch einen religiös aufgeladenen Entsagungswahn damit fertig zu werden. Umgesetzt mit szenischen Witz und mit Psychothriller-Qualitäten. Da wird der Bericht über die Wunder des Messias zur flotten Verführungsshow. Da schafft es aber auch der seltsame Prediger aus dem Kellerloch mit seinen Tiraden, dass alle mit dem erhobenen Golfschläger auf Herodias losgehen. Da wird aus dem Tanz der Salome ein Mausefallen- Stück wie bei Hamlet: Eine souverän vom Opfer in Szene gesetzte Selbstdiagnose, die von Machtraub und Missbrauch erzählt und davon, wie allen das Maul (mit Geld) gestopft wurde, damit sie wegsehen. Bei Gürbaca ist diese Welt nicht mehr therapierbar, die totale Katastrophe unvermeidlich.

Selten ist eine "Salome" so radikal den offenen Fragen der Gegenwart auf die Pelle gerückt. Manchen Zuschauer in Duisburg war das zu nah. Der Jubel für die Duisburger Philharmoniker unter Michael Boder und die Protagonisten, vom glänzend profilierten Königspaar Renée Morloc und Wolfgang Schmidt, über den auftrumpfenden Jochanaan von Markus Marquardt bis zur hochsouveränen Salome von Morenike Fadayomi, jedoch war einhellig.

Oper

Salome

Von Richard Strauss

Michael Boder (Dirigent)

Tatjana Gürbaca (Regie)

Mit Morenike Fadayomi, Wolfgang Schmidt, Reneé Morloc u.a.

Theater Duisburg

www.duisburg.de

Wh. 25. Oktober



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2009-10-21 17:03:57
Letzte Änderung am 2009-10-21 17:04:00

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