"Politikern Fragen zu stellen, ist eine Aufgabe der Medien. Das Recht der Öffentlichkeit, informiert zu werden, sieht automatisch auch das Recht der Medien vor, Fragen zu stellen", meinte Haraszti.
Vor einem Gericht in Rom strengt der 72-jährige Berlusconi derzeit einen Prozess gegen die linke Zeitung "LUnita" an. Von der Chefredakteurin des Blattes, Concita De Gregorio, und weiteren vier Journalistinnen, die über Skandale rund um sein Privatleben berichtet hatten, fordert Berlusconi zwei Millionen Euro Schadenersatz.
Von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" verlangt Berlusconi eine Million Euro. Hintergrund sind die jeden Tag von dem römischen Blatt in einem Kasten veröffentlichten "Zehn Fragen" an den Regierungschef, die dieser für diffamierend hält.
Berlusconis Rechtsanwalt Nicolo Ghedini erklärte, dass die Medienfreiheit in Italien ein Wert an sich sei. Dies bedeute nicht, dass Medien die Freiheit hätten, zu verleumden, zu diffamieren und die Wahrheit zu verzerren.
Am 3. Oktober ist in Rom eine große Demonstration für die Medienfreiheit geplant. Der Journalistenverband FNSI, die Gewerkschaftsverband CGIL und andere regierungskritische Parteien und Organisationen haben zum Protest aufgerufen.
Berlusconi-Kritiker gründet neue Tageszeitung
Indes trotzt ein Journalisten-Team um den bekannten Kritiker von Berlusconi, Marco Travaglio, der Krise in der Medienbranche und gründet eine neue Tageszeitung. "Il Fatto" (Das Ereignis) heißt das am Mittwoch erstmalig in Rom erscheinende Blatt. Chefredakteur ist der Journalist Antonio Padellaro, der bereits "LUnita" geleitet hatte. "In einer Phase, in der die italienischen Medien von Berlusconi unter Druck gesetzt werden, reagieren die Journalisten, die an die Medienfreiheit glauben, mit einer konkreten Initiative", sagte Chefredakteur Padellaro.