• vom 01.09.2009, 18:22 Uhr

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Update: 01.09.2009, 18:23 Uhr

Piefke wird in Gänserndorf ein Heldendenkmal gesetzt




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Von Petra Tempfer

  • Denkmal soll an die Schlacht bei Königgrätz erinnern.
  • "Schimpfwort hat Rost angesetzt."
  • Gänserndorf. Wer nach "Negerbrot" verlangt, erntet häufig böse Blicke von Verfechtern politischer Korrektheit (statt der ersehnten Erdnuss-Schokolade). Ähnliches kann ihm mit einer "Indianerschnitte", einem "Mohrenbräu" oder "Mohr im Hemd" passieren. Die Werbekampagne "I will mohr" wurde erst vor kurzem scharf kritisiert: Der Firma "Eskimo" wurde Rassismus vorgeworfen. Durch die Bezeichnung "Mexikogrippe" sah wiederum der mexikanische Botschafter das Ansehen einer Nation gefährdet. Umso mehr mag es verwundern, dass am 9. September in Gänserndorf das erste Piefke-Denkmal der Welt enthüllt wird.

Dass dahinter nicht der "Piefke" an sich - die Verkörperung deutscher Eigenschaften -, sondern ein historisches Ereignis steckt, wird wohl kaum vermutet. Namensgeber für das 2,9 Meter hohe Denkmal ist Johann Gottfried Piefke (1815-1884), Militärmusiker der preußischen Armee. Er komponierte nach dem preußischen Sieg der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866, bei dem die österreichische und sächsische Armee vernichtend geschlagen wurden, den "Königgrätzer Marsch". Dieser wurde bei der Sieges-Parade - durch den Sieg war der Deutsche Krieg für Preußen entschieden - vor den Toren Wiens gespielt. Seitdem ist der Name Piefke in Österreich negativ behaftet.

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Sieges-Parade vor Wien

"60.000 Soldaten kamen zu der Parade nach Gänserndorf", schildert Christoph Theiler, der das Denkmal gestaltet hat und selbst aus Deutschland kommt. Wenn er als "Piefke" bezeichnet wird, fasst er das nicht immer als Beleidigung auf. "Es kommt auf den Tonfall an", meint er. "Piefke" wird in Österreich oft mit Arroganz und Geiz assoziiert. Das Sinnbild des deutschen Urlaubers schlechthin, das der Fernsehserie "Piefke-Saga" des österreichischen Autors Felix Mitterer zugrunde lag.

Kurz nach dem Anschluss 1938 wäre Mitterer nicht ungestraft davongekommen - damals drohten beim Gebrauch des Wortes "Piefke" 70 Reichsmark Strafe. "Heute ist es sogar im österreichischen Wörterbuch zu finden", sagt die Sprachwissenschafterin Dalina Kallulli. Wenn Wörter einmal auftauchten, könne man sie nicht negieren.

Auch die deutsche Botschaft in Österreich blickt der Enthüllung humorvoll entgegen. "Wir fühlen uns dadurch nicht beleidigt", betont Sprecherin Teite Buhr, "das Denkmal soll an ein historisches Ereignis erinnern." So sieht es auch Anton Wildmann, Gänserndorfer Stadtamtsdirektor. Er befürchtet keine Proteste, die Stadt finanziert sogar die Eröffnungsfeier. Das Denkmal wurde von der Landesregierung gefördert.

"Das Schimpfwort hat eben schon ein wenig Rost angesetzt", meint Theiler dazu - weshalb das Piefke-Denkmal aus oxidiertem Stahl gefertigt ist.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2009-09-01 18:22:35
Letzte Änderung am 2009-09-01 18:23:00


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