• vom 21.07.2009, 18:06 Uhr

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Slowakei: Novelliertes Sprachgesetz bringt Ungarn in Rage


Von WZ-Korrespondentin Karin Bachmann

  • Parlament in Budapest fordert Rücknahme.
  • Pressburg. Die Nerven in Pressburg und Budapest liegen wegen der umstrittenen Novellierung des "Gesetzes über die Staatssprache" durch den slowakischen Nationalrat blank. Am Montag forderte das ungarische Parlament mit Unterstützung aller Parteien die Slowaken auf, das Gesetz zurückzunehmen.

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico kommentierte dies mit den Worten, "die ungarischen politischen Parteien sähen es am liebsten, wenn die im Süden der Slowakei lebenden Slowaken Ungarisch lernen müssten, um dort leben zu können". Jeder slowakische Staatsbürger müsse aber das Recht haben, sich in seiner Staatssprache verständigen zu können. Oppositionspolitiker kritisierten den Beschluss als Einmischung in interne slowakische Angelegenheiten.

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Pál Csáky, Vorsitzender der Ungarnpartei SMK, lässt unterdessen bis 20. August eine Verfassungsklage vorbereiten. Er kritisiert unter anderem, dass an bilingualen Schulen zwar auf Ungarisch unterrichtet werden kann, der Unterricht aber auf Slowakisch dokumentiert werden muss und auf Kulturdenkmälern zunächst eine slowakische Inschrift stehen muss und dann erst eine Inschrift in anderen Sprachen folgen darf.

Auch auf internationaler Ebene ist mittlerweile der Eindruck entstanden, mit der Novelle sei vor allem eine Diskriminierung der etwa 500.000 in der Slowakei lebenden Angehörigen der ungarischen Minderheit intendiert. Dabei ist bemerkenswert, dass SMK-Vertreter vor Verabschiedung des Gesetzes noch etliche Korrekturen eingefordert hatten, denen auch entsprochen wurde.

"Popcorn" verboten

Die Gesetzesnovelle ist gewissermaßen die logische Konsequenz aus dem am 4. August 2006 veröffentlichten Programm der slowakischen Regierung, wonach das Niveau der slowakischen Sprache deutlich gehoben werden soll. Ab 1. August können Verstöße gegen die slowakische Sprache im öffentlichen Raum mit Geldstrafen zwischen 100 und 5000 Euro belegt werden. Dabei geht es vor allem darum, auf dem Territorium der als souveräner Staat erst das 17. Jahr existierenden Slowakei auch einen slowakischen Wortschatz zu etablieren. So sollte künftig "pukanec" statt "popcorn" anbieten, wer keine empfindliche Geldstrafe riskieren will.

Diese Bemühungen werden verständlich, wenn man sich vor Augen hält, dass Slowakisch zwar als Grundlage aller slawischen Sprachen gilt, aber erst im 19. Jahrhundert kodifiziert und bis zur friedlich verlaufenen Trennung der Slowakei von Tschechien ab dem 1.1.1993 teilweise sogar nur als eine Art Dialekt des Tschechischen gehandelt wurde. Eine ausgeprägt slowakische Sprachkultur konnte sich so kaum entfalten.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2009-07-21 18:06:25
Letzte Änderung am 2009-07-21 18:06:00

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