
Dabei wird Rusalkas Tragik - der Treuebruch ihres Prinzen, die ewige Verdammnis, die sie dafür zu tragen hat - ebenso feinnervig musiziert. Hohe Lautstärken braucht der künftige Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper kaum: Dynamik wird Dramatik. Hier reicht ein rasches Crescendo, um eine Violinphrase mit vektorieller Zugkraft aufzuladen, hier scheint überhaupt jede motorische Figur aus dem Orchester bis in ihr letztes Teilstück modelliert und jedes Tempo mit der Bühne abgestimmt.
Liebe, Triebe, Reue
Sicher, das Letztgesagte sollte selbstverständlich sein, ist es aber ebenso wenig wie der Umstand, dass diese Produktion auch mit festspielwürdigen Sängern aufwartet; Sängern, die gleichermaßen in ihren Rollen und Vokallinien aufgehen. So bringt Piotr Beczala für den Prinzen einen virilen Stimmkern mit und auch den lyrischen Glanz, der bei der ersten Begegnung mit Rusalka erblüht. So hat Beczala aber auch die Kraft zur stimmlichen Extremspannung, wenn er in den Armen einer fremden Fürstin zum treulosen Triebwesen degeneriert: Vokale Druckzustände, in denen sich zuletzt auch seine Seelenpein spiegelt, wenn er als reuiger Sünder stirbt.
Camilla Nylund terminiert dieses patscherte Menschenleben mit der Bühnenpräsenz eines nasskalten Racheengels. Das amouröse Wagnis dieser Rusalka ist gescheitert, die Vertragsbedingungen ihrer Verwandlung verdammen sie nun zum Irrlicht am Seeufer: Wer ihr in die Arme fällt, erkaltet für immer. Vielsagend kalt blickt nun auch Nylund auf den reumütigen Prinzen, der den Todeskuss sucht.
Das Lied an den Mond, in dem Rusalka die Liebe feinfühlig und höhensicher besang, ist längst verklungen, vorbei auch der händeringende Überlebenskampf im Menschenreich, wo sie zu Sprachlosigkeit verurteilt war, verhallt ihre Verzweiflungsschreie im Feenreich, die sie mit markerschütternd verhärtetem Timbre artikulierte. Am Ende fleht sie nun, weder Mensch noch Nixe, nur noch um Gottesgnade für den einstigen Geliebten.
Himmlische Melodien
Das Finale bezaubert umso mehr, als das dramatische Korsett dieser Oper bis zuletzt so passgenau auf Dvoøáks himmlischen Melodien sitzt - erstaunlich, hat der für seine Symphonien gefeierte Böhme doch neben der 1901 uraufgeführten "Rusalka" neun weitere Opern vollendet, denen international nicht unbedingt rasender Erfolg beschieden war.
Im Haus für Mozart erlangt nicht nur Rusalka menschliches Leben, sondern jede Partiturzeile, die Dvoøák einer Figur zugeordnet hat: Die Fürstin mit den scharfen, biestigen Tönen von Emily Magee; der janusköpfige Wassermann Alan Helds, mal dröhnend drohend, mal väterlich mild; die Hexe Jeibaba, die Rusalka beim Verwandlungszauber grausame Bedingungen oktroyiert, für die Birgit Remmert grausam verlederte Töne findet. Auch dass der Küchenjunge vor ihr schlottert, erschließt sich musikalisch aus den zart-bangen Tönen Eva Liebaus, und da schreckt sich auch der kernige Förster von Adam Plachetka.