• vom 20.06.2008, 14:04 Uhr

Archiv

Update: 20.06.2008, 14:09 Uhr

Feminismus

Die Macht der Hormone




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Ruth Pauli

  • Auch wenn es Feministinnen nicht gerne hören - viele Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind angeboren, und nicht etwa sozial produziert
  • Noch klingen uns die Hymnen zum 100. Geburtstag der Großmutter des Feminismus in den Ohren.

Frauen gestalten nicht nur das Berufsleben anders als die Männer, sondern auch das private. Foto: Bilderbox

Frauen gestalten nicht nur das Berufsleben anders als die Männer, sondern auch das private. Foto: Bilderbox Frauen gestalten nicht nur das Berufsleben anders als die Männer, sondern auch das private. Foto: Bilderbox

Simone de Beauvoirs Diktum "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es" ist zum unantastbaren Evangelium der gleichberechtigten Gesellschaft geworden. Doch die Zeichen stehen auf Sturm - für Herbst ist die Übersetzung eines amerikanischen Buches angekündigt, das alles auf den Kopf stellt: "The Sexual Paradox", das im Internet bereits heftige Diskussionswellen schlägt. Falsch, sagt darin nämlich Susan Pinker: Man wird als Frau geboren, denn schon im Mutterleib setzt der Ansturm von Hormonen völlig unterschiedllich auf das Gehirn ein und das bewirkt, dass frau von Geburt an anders ist als man.

Werbung

Beweisbare Fakten

Diesmal kann man nicht so einfach zur Tagesordnung zurückkehren wie bei den vergangenen Versuchen, gegen die Unfehlbarkeit des feministischen Mainstream anzuschreiben. Die waren meist auch ziemlich untauglich - wie jener letzte Weltverbesserungs-"Knüller" von Eva Herman ("Das Eva-Prinzip"), der nicht schuldlos zum Blondinenwitz mutierte.

Andere, intellektuell differenzierte Feminismus-Kritiken wie jene der amerikanischen Kunsthistorikerin Camille Paglia, waren zu elitär, um überhaupt breiter wahrgenommen zu werden. Und als vor zwei Jahren die Professorin für Neuropsychiatrie Louann Brizendine (University of California) die Beauvoir mit ihren Studien widerlegte - sie entdeckte die hormonelle Präformation -, pflückte man in good old Europe nur einige Sätzchen ihres Buchs "Das weibliche Gehirn" heraus, die bewiesen, was wir Frauen immer schon gewusst haben: Dass wir von Natur aus überlegen sind ( "Frauen gebrauchen täglich 20.000 Worte, Männer kommen mit nur 7000 aus" - eben, frau kann mit man gar nicht reden). Die wissenschaftliche Botschaft aber wurde geflissentlich überhört. Oder als biologistisch-reaktionär diskussionslos abgetan.

"Man wird nicht als Frau geboren, man wird es", erklärte Simone de Beauvoir - doch das weibliche Leben lässt sich auch in anderen Bildern fassen. Foto: Reuters

"Man wird nicht als Frau geboren, man wird es", erklärte Simone de Beauvoir - doch das weibliche Leben lässt sich auch in anderen Bildern fassen. Foto: Reuters "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es", erklärte Simone de Beauvoir - doch das weibliche Leben lässt sich auch in anderen Bildern fassen. Foto: Reuters

Brizendine selbst hatte mit der Veröffentlichung ihrer Forschungen gezögert, weil ihre Ergebnisse politisch inkorrekt sind - wie die Natur eben ist: Schon in der achten Schwangerschaftswoche zerstört nämlich der Anlauf der Testosteronproduktion beim männlichen Embryo Zellen im Kommunikationszentrum des Gehirns und unterstützt dafür die Zellproduktion im Aggressions- und Sexualzentrum. Bei den weiblichen Embryos hingegen kann sich die für die Kommunikation zuständige Gehirnregion ungestört weiterentwickeln. Bei der Geburt hat ein Mädchen durchschnittlich elfmal mehr Gehirnmasse für Kommunikation und Emotionsverarbeitung als ein Bub. Und in den ersten drei Monaten nimmt die Fähigkeit, Augenkontakt herzustellen, bei Mädchen um 400 Prozent zu. Bei Buben um satte Null. Das alles hat Folgen. Frauen sind eben von Geburt an einfühlsamer, können Beziehungen herstellen, Harmonie aufrechterhalten (auch wenn es Gegenbeispiele gibt), Männer bevorzugen die offene Konfrontation - auch physisch.

Hormonelle Prägung

Die kanadische Psychologin, Feministin und Autorin Pinker arbeitete sich nun unter Berücksichtigung dieser politisch inkorrekten Erkenntnisse der Hormonforschung durch eine Unzahl von Studien (die Bibliographie der amerikanischen Ausgabe zählt imposante 60 Seiten) über Schulleistungen, Karriereerwartungen und Karriereverläufe etc., und sie sprach mit zahlreichen Frauen und Männern, wo sich scheinbare Widersprüche zwischen dem Erfolg in der Schule und auf der Karrierebahn auftaten. Als bekennende Feministin war Pinker selbst überrascht: "Ich hätte nie gedacht, dass vor der Geburt Hormone unsere Hirnarchitektur subtil formen. Dass sie die Art prägen, wie wir fühlen und Gefühle erkennen, anderen Menschen vertrauen, Bindungen eingehen oder räumliche Probleme lösen."

Pinker fand außerdem Studien, die belegen, dass Mädchen - und in der Folge natürlich auch Frauen - weniger Lust haben, in einem ständigen Kräftemessen mit Konkurrenten welchen Geschlechts auch immer zu stehen. Untersucht wurden elfjährige Mädchen und Buben bei ihrem Laufverhalten. Die Mädchen erzielten die besten Zeiten, wenn sie allein liefen, liefen sie mit Buben um die Wette, ging es schon langsamer. Die niedrigste Laufgeschwindigkeit wurde gemessen, wenn sie im Wettbewerb gegen andere Mädchen antraten. Die Buben liefen am langsamsten allein - kaum gab es einen Wettbewerb, steigerten sie ihre Geschwindigkeit, ob die Konkurrenten nun Buben oder Mädchen waren.

Biologie und Karriere

Schuld an diesem unterschiedlichen Verhalten ist das Adrenalin. Jede Art von Wettbewerb überschwemmt den männlichen Organismus mit Adrenalin, während der Adrenalinspiegel bei Frauen auch unter starkem Druck nicht steigt. Susan Pinker meint, dass sich dieser biologische Unterschied auf das Karrieredenken auswirkt: "Mehr Männer als Frauen sind bereit, 80 bis 100 Stunden pro Woche zu arbeiten, um den Jackpot zu gewinnen oder der Platzhirsch zu sein. Es gibt viele konkurrenzorientierte Frauen und viele Männer, die Konkurrenz hassen. Aber im Durchschnitt bedeutet der unterschiedliche Umgang mit aggressivem Wettbewerb, dass jedes Geschlecht nach seinen eigenen Spielregeln spielt."

Wenn Mann und Frau also so verschieden sind, so unterschiedliche Prioritäten haben, dann liegt der Schluss nahe, dass Männer und Frauen Unterschiedliches von ihrem Beruf erwarten, dass sie ihre Zeit und ihre Kräfte in unterschiedlichem Maß für die Arbeit aufwenden wollen. Je gebildeter und privilegierter eine Frau ist, so filterte Pinker aus zahlreichen internationalen Studien, umso mehr sucht sie sich ihren Beruf nach Sinn und befriedigendem Inhalt aus, zweitrangig sind ihr meist Geld und Aufstiegsmöglichkeiten. Frauen (vor allem Mütter) haben genaue Vorstellungen davon, wie viel Arbeitszeit sie in eine Karriere investieren wollen.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Schlagwörter

Feminismus

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2008-06-20 14:04:40
Letzte Änderung am 2008-06-20 14:09:00



Werbung




Werbung