• vom 14.06.2011, 17:58 Uhr

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Update: 16.06.2011, 22:03 Uhr

Fußball

90 Minuten, 10 Maßnahmen




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Von Matthias Nagl

  • Rapid stellte seine Reaktion auf den Platzsturm beim Wiener Fußballderby vor
  • Präsident Edlinger: "Das ist das Maximum."
  • Stadionverbote und Regressforderungen.
  • Zwei Spieler sollen noch kommen.

 Wien. Dramaturgisch hat Rapids Pressekonferenz im Café Landtmann an ein Fußballspiel erinnert. Neben Informationen zum Trainingsauftakt am heutigen Mittwoch standen die Konsequenzen Rapids aus dem Platzsturm beim letzten Derby der vergangenen Saison auf dem Programm.


Vor überfülltem Saal gab es ein kurzes Aufwärmen in Form des Mikrofontests durch Klubserviceleiter Andreas Marek, der als einziger Akteur die tatsächlich etwa 90 Minuten auf der Bühne stehen sollte. Dann ging es mit der Vorstellung des Heimtrikots für die kommenden beiden Spieljahre relativ gemächlich los, die drei Neuzugänge Christian Thonhofer, Thomas Prager und Deni Alar durften ihrer Begeisterung, bei Rapid gelandet zu sein, Ausdruck verleihen.

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Auch der neue Coach, Peter Schöttel, stand Rede und Antwort. Diskutiert wurden überwiegend Personalien. Zu den bisherigen Neuzugängen sollen sich noch ein Innen- und ein Linksverteidiger gesellen, Letzterer dürfte den Namen Thomas Schrammel tragen, ist Ex-Rapidler und hat in Ried gespielt. Für Stürmer Hamdi Salihi gibt es lose Anfragen, Dynamo Kiew und Sochaux geistern als Interessenten durch die Medien. Die Verträge mit den skandinavischen Routiniers Ragnvald Soma und Markus Heikkinen wurden verlängert, in der Vorbereitung will Schöttel seine Wiener Neustädter Arbeitsweise beibehalten. Dass Rapid international nicht dabei ist, soll kein Nachteil sein, sagt er.

Dialog soll weitergehen

Dann betrat Rapid-Präsident Rudolf Edlinger die Bühne, und es sollte jene gute Stunde beginnen, die der Pressekonferenz in der eigentlich fußballfreien Zeit soviel Zulauf gebracht hatte: Rapids Neuerungen in der Fanarbeit nach dem Platzsturm beim Wiener Derby. Edlinger verlas einen Maßnahmenkatalog mit zehn Punkten, der bei aller Schärfe einigen - das war schnell klar - nicht weit genug geht. "Das ist das Maximum, das wir ohne legistische Veränderungen durchsetzen können", erklärt Edlinger.

Die Maßnahmen treffen nicht nur jene 70 bis 100 Platzstürmer, die bisher identifiziert wurden. Die Prämisse des Dialogs mit den Fans will Marek aber weiterhin aufrechterhalten, auch wenn die Maßnahmen zuerst der Presse mitgeteilt wurden. Die Betreuung der organisierten Fans soll auf mehrere Schultern verteilt werden, zwei zusätzliche Mitarbeiter werden eingestellt, "es kann nicht eine One-Man-Show wie bisher sein", sagt Marek durchaus selbstreferenziell.

Auch Edlinger will an der grundsätzlichen Ausrichtung der Fanarbeit bei Rapid nichts ändern, stellt aber klar: "Fußballvereine sind keine sozialtherapeutischen Anstalten, das können wir nicht." Er fordert Unterstützung durch die Politik, allerdings nicht ausschließlich durch Repressivmaßnahmen. "Das führt zur Verdrängung des Problems", so Edlinger. Für ihn manifestieren sich im Platzsturm beim Derby gesellschaftliche Probleme, schließlich seien die Fangruppen ein Spiegel der Gesellschaft. Diese Sichtweise hatten die Fanklubs in einer Stellungnahme dezidiert zurückgewiesen. Es wird angesichts des jüngsten Maßnahmenkatalogs nicht die letzte Meinungsverschiedenheit gewesen sein. Er soll aber der Auftakt in eine neue Ära bei Rapid sein. Die Vergangenheit wird den Verein aber wohl nicht sofort in Ruhe lassen.




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Fußball

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2011-06-14 17:58:12
Letzte Änderung am 2011-06-16 22:03:58


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