Am Samstag wird der Papst über denselben Stein schreiten. Seine Gegenwart ist jetzt schon spürbar.
"Willkommen in St. Patricks", sagt Erzbischof Kardinal Edward Egan nachdem der letzten Ton des Orgel-Präludiums verklungen ist. Egan ist der Hausherr hier. Seine Kirche in der 5. Avenue in Midtown vis-à-vis vom Rockefeller Center dient der Erzdiözese New York als Sitz. Das Bauwerk im neo-gotischen Stil wurde vergangene Woche 200 Jahre alt. Ein Anlass zum Feiern. "Und jetzt nähern wir uns schon wieder einem Ereignis historischer Bedeutung", ruft der Kardinal von der Kanzel in sein Ansteck-Mikrophon und weiter in die Menge: "Der Heilige Vater wird uns nächste Woche besuchen. Wir hoffen auf seinen Segen. Wir beten, dass der Himmel klar sein möge und uns kein Tropfen Regen stört."
Hoffen auf Orientierung
Der New Yorker Erzbischof, der seine sonntägliche Predigt ganz auf den Besuch Benedikts XVI. zugeschnitten hat, wartet sehnlich auf seinen obersten Hirten. Von der Visite des deutschen Papstes - es ist seine erste in den USA - erhoffen sich viele konservative Katholiken Zuspruch und eine neue Orientierung. Die Herde westlich des Atlantik ist nämlich in Aufruhr: Priestermangel, finanzielle Kalamitäten, aufgelassene Kirchen. Und schwer über allem hängt - penetrant wie eine Wolke Weihrauch im Gewölbe - ein hochpeinlicher Missbrauchsskandal.
Die amerikanischen Katholiken einen und dem Papst zu einem menschlicheren Antlitz verhelfen - das sind die wichtigsten Ziele der Reise. Mit seinen exponierten Standpunkten gegen Homosexualität und Abtreibung stößt Papst Benedikt bei vielen liberalen Katholiken auf wenig Sympathie.
Für die Konservativen in den USA eignet er sich ebenfalls nur bedingt als Identifikationsfigur. Ist der Mann, der bis vor drei Jahren Josef Ratzinger hieß, doch ein Gegner des Irakkriegs und der Todesstrafe und - noch dazu - einer, der sich für Immigranten und Arme einsetzt. "Das Bild, das die Leute von Benedikt XVI. haben, ist entweder einseitig oder schlichtweg falsch", sagte Erzbischof Pietro Sambi, der apostolische Nuntius zur "Washington Post": "Er ist bekannt als ein unversöhnlicher, starrköpfiger Mann. Wer ihm zuhört, wird aber bald merken, dass er dieses Bild komplett erneuern muss."
Für die fünf Tage seines Aufenthaltes hat sich der Pontifex viel vorgenommen. Eine Rede vor den Vereinten Nationen am Freitag, zuvor ein Gespräch mit US-Präsident George W. Bush, Messen in Baseball-Stadien, eine Spritztour im Papamobil auf der Fünften Avenue. Vor dem Gebet am "Ground Zero", dem Ort der Anschläge des 11. September 2001, am letzten Tag gibt es noch ein Treffen mit 200 Leitern katholischer Universitäten und Schulen, um die - aus Sicht des Vatikans zu liberalen - Lehrer zu rügen. Unter anderem soll sich Benedikt sehr daran gestoßen haben, dass an der ehrwürdigen University of Notre Dame Eve Enslers "Vagina-Monologe" aufgeführt wurden.