• vom 07.04.2008, 12:09 Uhr

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Update: 07.04.2008, 12:25 Uhr

Einspruch der Anthroposophischen Gesellschaft zum sogenannten "Porträt" Rudolf Steiners




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  • Das "Porträt" Rudolf Steiners ist so oberflächlich recherchiert und verfälscht dessen Biographie auf so krasse Weise, dass man den Eindruck einer bewussten und absichtsvollen Diffamierung gewinnen muss.

Rudolf Steiner hat seine Studienjahre in Wien - nicht wie Frau Karas behauptet "ohne Kontinuität" betrieben - sondern im Gegenteil zu einer durchaus beachtlichen akademischen Karriere genützt. Er war kein "Autodidakt", wie Frau Karas unterstellt, sondern als Student Schüler seinerzeit weithin bekannter Universitätslehrer wie Franz Brentano, Robert Zimmermann und Karl Julius Schröer, von welchem er auch großzügig gefördert wurde. Rudolf Steiner wurde noch als Student im Alter von 22 Jahren mit der Herausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes betraut, die er später als Mitarbeiter des renommierten Goethe- und Schiller Archivs in Weimar fortsetzte. 1891 erfolgte Steiners Promotion zum Doktor der Philosophie.


Sowohl Rudolf Steiners philosophische Arbeiten, als auch seine Anthroposophie fanden keineswegs nur Häme - wie Frau Karas unterstellt - sondern immer wieder das Interesse und die Anteilnahme namhafter Zeitgenossen. Rosa Mayreder, Christian Morgenstern und Albert Schweizer seien hier stellvertretend für viele genannt.

Dass Rudolf Steiner sich auf seinem Lebensweg "vielen anbiedern musste" und ihm zugleich "eine tatsächliche Auseinandersetzung" mit den Werken der Philosophie unmöglich war, hat Frau Karas frei erfunden. Der Vorwurf hinsichtlich der Philosophie erledigt sich bei einer flüchtigen Lektüre von Steiners akademischen Arbeiten von selbst. Auf Steiners "anbiedernde" und "anmaßende Art" findet sich in keiner einzigen Biographie Steiners ein Hinweis, was Frau Karas hätte wissen können, wenn sie sich die Mühe gemacht hätte, für ihr sogenanntes "Porträt" auch nur eine einzige davon zu studieren.

Als plumpe Verleumdung muss man Karas Versuch bezeichnen, Rudolf Steiner in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken. Die Unhaltbarkeit solcher Behauptungen ist mittlerweile ausjudiziert und gerichtlich klagbar.

Wer sich wirklich ein Bild von Rudolf Steiners politischem Wirken machen will, kann aus hunderten öffentlichen Vorträge und Ansprachen der Jahre 1919 bis 1923 entnehmen, wie Rudolf Steiner einen Weg jenseits von linkem Totalitarismus und rechtem Nationalismus weisen wollte, der im Deutschland der Zwischenkriegzeit durchaus eine Antwort auf den heraufziehenden Nationalsozialismus hätte sein können. Die Bemühungen Steiners sind übrigens hauptsächlich durch den Widerstand nationalsozialistischer Kreise vereitelt worden, die 1935 die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland auch verboten hatten.

Es ist eine Stärke der Anthroposophie, dass sie einen geistigen Entwicklungsweg mit Perspektiven sozialer und kultureller Verantwortung verknüpft. Wer - wie Frau Karas - das Anliegen einer spirituellen Entwicklung von vorne herein als Zeichen einer "aus heutiger Sicht schizoiden Persönlichkeitsstörung" deutet, ist im heute noch nicht angekommen.

Dass die Verknüpfung dieser Perspektive mit sozialer Verantwortung Früchte trägt, beweisen mittlerweile tausende von anthroposophischen Institutionen weltweit. Auch in Österreich werden heute hunderte behinderte Menschen in heilpädagogischen Einrichtungen auf anthroposophischer Basis betreut. Es sind mittlerweile tausende Schüler durch die 13 Waldorfschulen des Landes gegangen, deren Ansätze bis heute wertvolle Beiträge zum pädagogischen Diskurs liefern. Es wurden unzählige Patienten erfolgreich in anthroposophischen Arztpraxen behandelt und es leisten immer zahlreichere biologisch-dynamische Landwirtschaften einen Beitrag, der aus dem ökologischen Landbau Österreichs nicht mehr wegzudenken ist.

Für Frau Karas sind diese Initiativen nicht mehr als "Folgen eines ewigen Autodidakten".

Das journalistische Berufsethos, der Anspruch auf eine objektive Berichterstattung vor allem aber der Respekt vor den Menschen, die in diesen Einrichtungen tätig sind, sollte einer Zeitung, deren Herausgeber die Republik Österreich ist, eine derartige Verunglimpfung verbieten.

Der Vorstand der Anthroposophischen Landesgesellschaft Österreich

Tilgnerstr. 3, 1040 Wien, Tel. 0676/ 738 21 90



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Dokument erstellt am 2008-04-07 12:09:45
Letzte Änderung am 2008-04-07 12:25:00



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