• vom 07.01.2008, 15:05 Uhr

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Hermes Phettberg, ehemals Star der "Nette Leit Show", sucht eine Funktion, um Menschen wichtig zu sein

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Von Michael Ellenbogen

  • Hermes Phettberg hadert im "WZ"- Gespräch mit seiner Vergangenheit.
  • Im Spannungsfeld zwischen Ekel und Faszination.
  • Wien. Eigentlich heißt er Josef Fenz. Als Hermes Phettberg spaltete der mit seinem Übergewicht und seiner Homosexualität provokant kokettierende Entertainer die Fernsehnation Österreich in begeisterte Anhänger und fanatische Gegner. Heute ist Hermes Phettberg von Krankheit gezeichnet.

Der ehemals schwergewichtige Provokateur und Fernseh-Anarchist stellte seine von persönlichen Neigungen, sexuellen Fantasien und charmant artikulierten Wissensmankos geprägten Fragen prominenten Gästen aus Kunst, Politik und Wirtschaft in der von Kurt Palm produzierten "Nette Leit Show". Die Konsumenten des elektronischen Mediums teilten sich von Anfang an in zwei Gruppen: Die einen verurteilten den langhaarigen und übergewichtigen Moderator. Seine Fans amüsierten sich über den scharfsinnigen Zeitgeist des Hermes Phettberg.




Aufstieg und Fall
Der am 5. Oktober 1952 geborene Abkömmling einer Weinbauernfamilie aus dem niederösterreichischen Unternalb bei Retz faszinierte seine Zuhörer und Gäste immer wieder mit seiner individuellen Sprache, die immer wieder in Fragen gipfelte, die seine Interviewpartner emotionell reizten.

Der Lebenskünstler und ehemalige Pastoralassistent verschwand nach seinen fulminanten Diskussionsabenden, die auch zwei typisch österreichischen Getränken, nämlich Frucade und Eierlikör zu ungeahntem Kultstatus verhalfen, aus der Öffentlichkeit. Der Wiener Sender ATV produzierte zwar 2003/2004 das Format "Beichtvater Phettberg", aber die Öffentlichkeit entließ ihn langsam aus ihrem Bewusstsein.

Schon einige Jahre vorher hatte sich Phettberg als gefesselter und ausgepeitschter Protagonist des sich entwickelnden Internetfernsehens präsentiert, dessen Höhepunkt seine Präsenz im Verlies der "Arche Phettberg" 2001 war. Langsam wurde es allerdings still um das "lebende Gesamtkunstwerk", wie der deutsche Moderator Harald Schmidt den herausragenden Österreicher bezeichnete.



Rückzug in die "Höhle"
Der Egomane lebt nun zurückgezogen, gezeichnet von zwei Schlaganfällen und um 50 Kilo leichter in seiner "Höhle", einer Altbauwohnung in der Grabnergasse in Wien-Mariahilf. Nach zweimaligem Läuten öffnet sich die verwitterte Türe und eine schmale Gestalt bittet durch ein dunkles Vorzimmer in seinen Wohnbereich, dem der Zahn der Zeit bereits stark zugesetzt hat.

Langsam nimmt Hermes Phettberg auf einem abgewetzten Stuhl Platz. Gebeugt sitzt der 55-Jährige da, seine blauen Augen leuchten und ein Lächeln zeugt trotz seiner gesundheitlichen Probleme von ungebrochenem Lebenswillen.

"Ein Monat im ATV und neun Monate im ORF, das war mein Leben . . . und dann kam der Tod, das ist eine kurze Biografie meines Lebens. Beide Sender haben an mir ein Verbrechen begangen", so beschreibt der ehemalige Star bitter seine Vergangenheit.

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Dokument erstellt am 2008-01-07 15:05:54
Letzte Änderung am 2008-01-07 15:05:00



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