• vom 07.01.2008, 15:05 Uhr

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Hermes Phettberg, ehemals Star der "Nette Leit Show", sucht eine Funktion, um Menschen wichtig zu sein

Lebenszeichen eines Faktotums




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Nach jahrelanger Stille um den außergewöhnlichen Künstler besann sich der ehemalige Produzent der "Phettbergs Nette Leit Show", Kurt Palm auf seinen ehemaligen Hauptdarsteller und setzte gemeinsam mit ihm die autobiografische Verfilmung des Lebens von Josef Fenz um.

Das Gespräch zwischen Hermes Phettberg und Kurt Palm dominiert den Streifen. Der Regisseur führt den Betrachter mit ausgesuchten Fragen, die sein Gegenüber beantwortet, durch das turbulente Leben des einstigen Talkmasters. "Ohne den Film wäre ich ganz in Vergessenheit geraten," stellt der Kolumnist, der jede Woche in der Stadtzeitung Falter seinen "Predigtdienst" veröffentlicht, verzweifelt fest.

Der brillante Rhetoriker senkt den Kopf, der gebeugte, mittlerweile hagere Körper erweckt nur kurz den Gedanken an Mitleid, als der Mann sein Haupt wieder langsam erhebt, strahlt er Ruhe aus, man hatte das Gefühl als ob selbst die Zeit innehielt und auf seine nächste Äußerung warten würde. Kurt Palm verfasste das Drehbuch.

"Noch nie wendete ich bezüglich seiner Regiearbeit etwas ein, auch damals in der ,Netten Leit Show nicht", resümiert der Wortgewaltige, der die österreichische Medienlandschaft der 90er Jahre erschütterte und zugleich bereicherte. Um dem Publikum den Reichtum der abgehobenen und sehr oft bizarr anmutenden Erzählungen offenbaren zu können, benötigte das ehemalige Schwergewicht immer eine Initialzündung in der Form eines Stichwortes. Dann sprudelt es unaufhörlich, und Hermes Phettberg katapultiert die Zuseher auf eine Hochschaubahnfahrt durch seine Psyche, die sich in der Regel auf dem schmalen Grat zwischen Faszination und Ekel bewegt.



Menschen wichtig sein
Der redegewandte Niederösterreicher unterscheidet sich von seinem Regisseur. "Er (gemeint ist Kurt Palm, Anm.) ist wortkarg und eine ganz kleine Plaudertasche und ich bin dagegen eine Riesenplaudertasche," analysiert der einstige Stern am österreichischen Fernsehhimmel.

Die Dreharbeiten zu "Hermes Phettberg, Elender" fanden größtenteils in der Wohnung des Künstlers in Wien statt. Der Sozialhilfeempfänger wider Willen würde liebend gerne wieder für neue, auf ihn zugeschnittene Sendungen tätig werden. Doch diese Tätigkeit wäre für das wortreiche Genie aufgrund der körperlichen Einschränkungen kaum auf längere Zeit erträglich.

"Ich hätte gerne eine Funktion, denn das braucht man auch deshalb, um einem anderen Menschen wichtig zu sein," bekräftigt der Lebenskünstler seinen innigsten Wunsch. Die philosophische Reise in der "Höhle" des Giganten der spontanen Rhetorik endet als die alte Holztüre wieder ins Schloss fällt.

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Dokument erstellt am 2008-01-07 15:05:54
Letzte Änderung am 2008-01-07 15:05:00



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