• vom 07.01.2008, 12:56 Uhr

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Padre Pio wird exhumiert




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Von WZ Online / APA

  • Exhumierung der sterblichen Reste des Franziskaner-Mönchs ist für März geplant.
  • Zum 40. Jahrestag seines Todes wird die Leiche des italienischen Heiligen Padre Pio (1887-1968) exhumiert. Die Exhumierung der sterblichen Reste des Franziskaner-Mönchs, der neben dem Hl. Franziskus der am meisten verehrte Heilige in Italien ist, ist für März geplant. Die Leiche soll "zur öffentlichen Verehrung" aufgebahrt werden. Am 23. September, dem Jahrestag seines Todes, soll das Grab des 2002 heiliggesprochenen Padre Pio in eine neue Kirche überführt werden, die vom Stararchitekten Renzo Piano in der süditalienischen Ortschaft San Giovanni Rotondo - 40 km nordöstlich von Foggia - erbaut wurde.

Bei der Heiligsprechung im Jahr 2002 war das Interesse an Padre Pio in S. Giovanni Rotondo noch groß.

Bei der Heiligsprechung im Jahr 2002 war das Interesse an Padre Pio in S. Giovanni Rotondo noch groß.© EPA Bei der Heiligsprechung im Jahr 2002 war das Interesse an Padre Pio in S. Giovanni Rotondo noch groß.© EPA

Das kleine Dorf im Hinterland Apuliens auf der Halbinsel Gargano, in dem der Mönch gelebt und Wunder gewirkt hatte, ist längst einer der größten Wallfahrtsorte Europas. In der 27.000-Einwohner-Gemeinde gibt es 194 Hotels, 132 Bars, 110 Restaurants und Dutzende Großraum-Parkplätze. An jedem Wochenende kommen bis zu 500 Autobusse nach San Giovanni.


Der Beschluss, Padre Pios Leiche zu exhumieren, wurde vom Erzbischof Domenico Umberto D'Ambrosio gefasst, der für das Sanktuarium des Heiligen in San Giovanni Rotondo zuständig ist, berichteten italienische Medien am Montag. "Wir wollen erstmals überprüfen, in welchem Zustand sich die Leiche des Heiligen befindet. Außerdem wollen wir den neuen Generationen die Möglichkeit geben, die Leiche des Heiligen zu verehren", sagte der Erzbischof.

Sein Beschluss wurde von einer Gruppe von Gläubigen unter der Leitung des Turiner Rechtsanwalts Francesco Traversi heftig kritisiert. Traversi beschuldigte den Erzbischof, aus rein kommerziellen Gründen die Leiche exhumieren zu wollen. Der Umsatz der Wirtschaft von San Giovanni Rotondo geht zu mehr als 50 Prozent auf das Konto des Kultes um Padre Pio. Circa die Hälfte aller Erwerbstätigen finden ihr Auskommen direkt oder indirekt durch den Heiligen.

Die Einweihung der Piano-Kirche soll zur Belebung des Pilgerstroms nach San Giovanni Rotondo beitragen, der rückläufig ist. Nach dem Besucherboom in Zusammenhang mit der Heiligsprechung Padre Pios 2002 wurde in den vergangenen Jahren ein Pilgerrückgang gemeldet. Mehrere Hotels und Souvenirgeschäfte mussten zusperren. Das "Las Vegas Süditaliens" stecke in der Krise, kommentierten italienische Medien. Trotzdem werden auch dieses Jahr sechs Millionen Besucher erwartet.

Padre Pio ist in Italien der Volksheilige Nummer Eins. Laut Meinungsumfragen dürfte die Hälfte aller Italiener den Kapuzinermönch um Hilfe anrufen, wenn sie sich in irgendeiner Notsituation befinden und auf Unterstützung aus dem Jenseits hoffen. Der 1887 als Francesco Forgione in der Region Kampanien geborene Kapuziner verbrachte bis zu seinem Tod ein halbes Jahrhundert in San Giovanni Rotondo.

Im Jahr 2007 ist aber der Ruf des Heiligen deutlich ramponiert worden. Ein Buch von Sergio Luzzatto deckte etliche Ungereimtheiten im Leben von Padre Pio auf, Tagebuchaufzeichnungen von Papst Johannes XXIII. lassen wenig Heiligkeit beim späteren Heiligen vermuten.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2008-01-07 12:56:13
Letzte Änderung am 2008-01-07 12:56:00


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