• Artikel vom 16.06.2011, 12:38 Uhr

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Update: 16.06.2011, 12:54 Uhr
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Forscher beschäftigen sich mit Interaktion unterschiedlicher Menschentypen

Sie trafen einander bei Linz


Von WZ Online
  • Linz. Der Neandertaler und der moderne Mensch, der Homo sapiens, sind vor rund 40.000 Jahren im Donau-Enns-Delta im Grenzgebiet von Ober- und Niederösterreich aufeinandergetroffen. Der deutsche Geoarchäologen Alexander Binsteiner hat am Donnerstag entsprechende Material- und Geländestudien veröffentlicht.

Nun gibt es Spekulationen darüber, ob es damals zwischen den beiden Menschentypen gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben hat.

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Die Region, wo die Enns in die Donau mündet, sah vor 40.000 Jahren ganz anders aus als heute, nämlich wie eine Tundra. Nördlich und südlich befanden sich Gletscher. Rentiere und Mammuts weideten auf den Wiesen entlang der Flüsse. Dorthin folgten ihnen die Menschen. Sie siedelten sich am Wasser in Lagern mit Zelten und Hütten aus Leder und Buschwerk an, die mit Steinen befestigt wurden. Von dort aus gingen sie auf die Jagd und fischen. Die Archäologen haben in den vergangenen Jahrzehnten Reste von mehreren Siedlungen sowohl vom Neandertaler als auch Homo sapiens entdeckt, die nur wenige Kilometern von einander entfernt lagen.

Zeitgleich

Seit rund fünf Jahren läuft in Linz ein Projekt zur Erforschung der Steinzeitfunde, um unter anderem Verbindungen zu anderen Kulturen zu untersuchen, berichtete der Stadtarchäologe Erwin Ruprechtsberger. Der freiberufliche Geoarchäologe Binsteiner hat dabei festgestellt, dass die Siedlungen der beiden Menschentypen auf der gleichen Fluss-Terrasse lagen, somit gleichzeitig nebeneinander bestanden. Obendrein hat die Analyse von rund 15.000 Feuersteingeräten aus drei Fundstellen - unter anderem Lanzenspitzen - Hinweise auf eine Art Technologietransfer zwischen ihnen ergeben. Rund vier Prozent der Neandertaler-Werkzeuge waren in einer Technik hergestellt, die dem modernen Menschen zugeordnet wird.

Binsteiner geht davon aus, dass Homo sapiens durch den Donaukorridor eingewandert und bei der Enns auf den ansässigen Neandertaler getroffen ist. Er fragt sich, ob das Zusammentreffen der beiden Menschenarten friedlich verlaufen ist oder von Gewalt geprägt war. Der Wissenschafter stellt einen Vergleich mit dem konfliktreichen Aufeinandertreffen des weißen Mannes mit den Ureinwohnern in Amerika, Afrika und Australien an, wo jeweils die Ureinwohner verdrängt wurden. Fest steht jedenfalls, dass der Neandertaler später weg war und nur zu einem geringen Prozentsatz genetisch im modernen Menschen aufgegangen ist. (APA)



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-06-16 12:38:00
Letzte Änderung am 2011-06-16 12:54:00


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