• vom 23.11.2007, 16:19 Uhr

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Update: 23.11.2007, 16:50 Uhr

Israel

Der schwere Weg zum Judenstaat




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Von Rolf Steininger

  • Vor 60 Jahren beschloss die UNO die Teilung des britischen Mandatsgebietes Palästina
  • Der 29. November 1947 ist eines der wichtigsten Daten in der Geschichte des Judentums. An jenem Samstag entschied die Vollversammlung der Vereinten Nationen über die Zukunft Palästinas.

In Tel Aviv tanzten die Juden am 29. November 1947 vor Freude. Foto: Hans Pinn, National Photo Collection Jerusalem

In Tel Aviv tanzten die Juden am 29. November 1947 vor Freude. Foto: Hans Pinn, National Photo Collection Jerusalem In Tel Aviv tanzten die Juden am 29. November 1947 vor Freude. Foto: Hans Pinn, National Photo Collection Jerusalem

Teddy Kollek, 1911 in Wien geboren, einer der bekanntesten Zionisten und später langjähriger Bürgermeister von Jerusalem, war damals in geheimer Mission in New York und berichtet in seinen Erinnerungen über jenen Tag:

"An dem Schicksalstag, dem 29. November 1947, fuhr ich wieder nach Lake Success, um der Abstimmung der Vereinten Nationen beizuwohnen. Die ungeheure Spannung und Erregung werde ich nie vergessen. Wir hatten eine Liste aller Länder zusammengestellt und daneben geschrieben, wie sie unserer Meinung nach stimmen würden. In den meisten Fällen erwiesen unsere Mutmaßungen sich als richtig, und als die notwendige Zahl der Ja-Stimmen beisammen war, atmeten wir erleichtert auf. Die Vereinten Nationen hatten entschieden, dass Palästina in zwei Staaten aufgeteilt werden sollte, einen jüdischen und einen arabischen. Endlich hatten wir eine offizielle Basis für die Gründung unseres Staates!"

Die Vorgeschichte
In ganz Palästina feierten die jüdischen Bewohner die UNO-Entscheidung. Was Theodor Herzl, der Führer des politischen Zionismus, 50 Jahre zuvor in sein Tagebuch geschrieben hatte, dass es den Judenstaat geben werde, war Realität geworden. Es war aber ein schwerer Weg gewesen. Zu den wichtigen Stationen gehörte zunächst die sogenannte Balfour-Deklaration, jene Zusicherung des britischen Außenministers vom November 1917, in dem er dem Präsidenten der Zionistischen Föderation in Großbritannien mitteilte, dass die britische Regierung "die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina mit Wohlwollen" betrachte und keine Mühe scheuen werde, um die Erreichung dieses Ziels zu erleichtern.

Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Großbritannien das Mandat des Völkerbundes über Palästina, mit der Auflage, die von Balfour gegebene Zusicherung durchzuführen. Das ging jedoch nicht ohne Konflikte ab. In den zwanziger und dreißiger Jahren gab es immer wieder schwere Zusammenstöße in Palästina mit Toten sowohl auf arabischer als auch auf jüdischer Seite.

Mit der Übernahme der Macht durch die Nazis in Deutschland 1933 und dem Anschluss Österreichs 1938 stieg die Zahl der jüdischen Flüchtlinge nach Palästina rapide an, die Konflikte ebenfalls. 1937 schlugen die Briten als Lösung die Teilung des Landes vor; die Araber lehnten ab. 1939, am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, wollten die Briten die Araber als Verbündete gewinnen und machten deshalb klar, dass es einen jüdischen Staat in Palästina nicht geben würde; die Einwanderung sollte gestoppt und der Landverkauf an Juden verboten werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verfolgte die britische Regierung diese Politik weiter. Zu jenem Zeitpunkt befanden sich unter den Millionen von Displaced Persons (DPs) in Deutschland und Österreich auch zahlreiche Juden, zumeist Überlebende der Konzentrationslager. Der jüdischen Lobby gelang es im Juli 1945, den neuen US-Präsidenten Harry S. Truman persönlich für das Schicksal dieser Menschen zu interessieren. Truman verlangte daraufhin von den Briten, dass sie einhunderttausend Juden nach Palästina einreisen lassen sollten. Das Ergebnis war eine anglo-amerikanische Untersuchungskommission, die sich dieser Forderung Anfang 1946 anschloss.

Terroraktionen
Inzwischen forderten jüdische Terroraktionen gegen die Briten in Palästina immer mehr Opfer. Ein trauriger Höhepunkt war der 22. Juli 1946, als die Terrorgruppe Irgun unter Menachem Begin den Südflügel des bekannten King David Hotels in Jerusalem sprengte, worin sich das Hauptquartier der britischen Mandatsverwaltung befand. 91 Menschen wurden getötet. Als Reaktion darauf verschärften die britischen Militärbehörden ihre Gangart, während die jüdischen Organisationen die illegale Einwanderung nach Palästina erfolgreich fortsetzten. Bis Anfang 1948 organisierte die Fluchthilfe-Organisation Bricha (hebräisch "Flucht") diese Aktionen. Etwa zweihunderttausend Juden, mehrheitlich aus Polen und Rumänien, wurden auf zum Teil abenteuerliche Weise zumeist über Österreich und Italien nach Palästina geschafft.

Am 14. Feber 1947 schließlich beschloss das britische Kabinett, das Palästina-Problem der UNO zu übergeben. Die setzte daraufhin am 15. Mai 1947 eine Sonderkommission für Palästina ein ( UN-Special Committee on Palestine: UNSCOP ). Das geschah zu einem Zeitpunkt, als der Kalte Krieg offen ausbrach. Folglich reagierten Briten und Amerikaner äußerst misstrauisch, als der sowjetische UNO-Vertreter Andrej Gromyko am 14. Mai erklärte, das Streben der Juden nach Gründung ihres Staates wäre "berechtigt" , eine Verweigerung "nicht zu rechtfertigen, besonders unter Berücksichtigung dessen, was sie im Zweiten Weltkrieg erlebt hätten".

Die Sonderkommission hielt sich mehrere Wochen in Palästina auf, doch lehnten die Araber jede Zusammenarbeit mit ihr ab. Die Arbeit der Kommission wurde von zwei gravierenden Ereignissen überschattet. Zum einen erhängte Begins Untergrundorganisation Irgun zwei britische Unteroffiziere, nachdem zuvor drei Irgun-Kämpfer getötet worden waren. Zum anderen gab es das Drama um das Flüchtlingsschiff "Exodus 1947" mit 4393 Holocaust-Überlebenden an Bord. Das Schiff wurde von den Briten aufgebracht und erreichte am 18. Juli Haifa. Die Flüchtlinge durften nicht an Land. Es spielten sich furchtbare Szenen ab - und dies unter den Augen der UNO-Kommissionsmitglieder, die am Quai standen. Auf britischen Transportschiffen wurden die Juden später nach Hamburg zurückgebracht, wo sie wieder als DPs in diversen Camps landeten.

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Dokument erstellt am 2007-11-23 16:19:57
Letzte ─nderung am 2007-11-23 16:50:00



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