• vom 21.09.2007, 18:33 Uhr

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Seit Jahren sorgt ein Italiener mit seinen "Hitler-Weinen" für Aufregung, nun werden die Etiketten beschlagnahmt

Das Ende des "Hitler-Weines"?




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  • Neben Hitler sind auch Mussolini und Stalin auf den Flaschen abgebildet.
  • Weinhändler sieht keine Verharmlosung des Faschismus.
  • Bozen. (rs) Geschichte auf dem Flaschenetikett, das sei alles, was er verkaufe, beteuert der Weinhändler Alessandro Lunardelli stets. Etwas anders sieht das allerdings der Bozner Staatsanwalt Cuno Tarfusser. Er ist vielmehr der Überzeugung, dass mit den Wein-Etiketten, die Adolf Hitler, Benito Mussolini, Heinrich Himmler und Rudolf Hess zeigen, "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verherrlicht werden und hat daher jetzt deren Beschlagnahmung angeordnet.

Für die Kellerei Lunardelli sind Schwierigkeiten mit der Justiz allerdings keine Neuigkeit. Seit zwölf Jahren sorgt der Winzer aus der hügeligen Ortschaft Pasian di Prato in Friaul mit seinen Kreationen in Italien und im Ausland für Aufruhr. Weine wie Cabernet Blanc, Merlot, Tocai und Gewürztraminer sind mit Etiketten von historischen Persönlichkeiten versehen, die so manchen unbedarften Kunden vor Empörung hell aufschreien lassen.

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Die Sammlung begann mit einem Roten namens "Mussolini", der in Italien zu einem wahren Renner an der Theke wurde. Wegen der Etikette mit dem Bild des "Duce" kamen Lunardelli und sein Sohn Andrea, der für die "historischen Kollektionen" verantwortlich ist, nicht nur in die Schlagzeilen, sondern auch vor den Kadi. Bereits vor zwölf Jahren musste sich das Weinhändler-Duo vor einem Gericht in Bozen wegen "Verharmlosung des Faschismus" verantworten. Da die beiden aber glaubhaft machen konnten, dass sie keine politischen Ziele verfolgen, wurde sie freigesprochen.

Lunardelli ließ sich aber von diesem Auftritt vor Gericht nicht einschüchtern und brachte kurz danach einen "Hitler" auf den Markt. Auch Flaschen mit dem Motto "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" sowie mit Bildern von Feldmarschall Erwin Rommel und Hermann Göring landeten in Supermärkten und Weingeschäften in ganz Italien.



Österreicher kaufen
"Hitler" und "Sisi"

Dennoch weist Lunardelli jeglichen Vorwurf der Nostalgie und Verharmlosung von Faschismus und Nationalsozialismus zurück. "Vollkommen unparteiisch" biete er auch der politisch links orientierten Kundschaft Flaschen mit den Etiketten Marx, Stalin, Lenin oder Che Guevara an.

"Komisch, Stalin hat 15 Millionen Menschen ermordet, aber niemand regt sich über die Flasche auf. Wegen der Etiketten mit Hitler und Mussolini bin ich aber vor Gericht gelandet", sagt der 42-jährige Andrea Lunardelli, der 1995 die Kollektion entworfen hat. Und außerdem könne man ihm nichts vorwerfen. "Ich verwende nur Bilder, die in jedem Geschichtsbuch zu sehen sind. Das italienische Gesetz erlaubt den Vertrieb von Bildern aus dem Faschismus und der Nazi-Zeit", erklärt Lunardelli, der aber zugibt, dass er am Anfang gegen die Bedenken seines Vaters anzukämpfen hatte. "Er hatte vor Schwierigkeiten Angst. Man hat auf unterschiedlichste Weise versucht, mir Steine in den Weg zu legen."

Mittlerweile sind die inzwischen 50 verschiedenen Etiketten zum fragwürdigen Kultobjekt für so manchen Sammler geworden. Da hat es auch nichts geholfen, dass vor vier Jahren die damalige deutsche Justizministerin Brigitte Zypries bei der italienischen Regierung wegen des Vertriebs von Nazi-Weinflaschen heftig protestiert hatte. Und auch der dementsprechende Aufschrei zahlreicher italienischer Parlamentarier hat die Lunardellis nicht in die Knie zwingen können.

Die "historische" Kollektion mache inzwischen die Hälfte des Umsatzes seines Betriebs aus, sagt Andrea Lunardelli. "In Italien sind die Mussolini-Etiketten besonders gefragt. Touristen aus Österreich und Deutschland kaufen dagegen lieber die Hitler-Flaschen. Österreicher lieben aber auch die Sisi- und Franz-Joseph-Etiketten. Vor allem Franz Joseph in seinen späten Jahren ist sehr gefragt."



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2007-09-21 18:33:33
Letzte Änderung am 2007-09-21 18:33:00



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