• vom 11.09.2007, 17:48 Uhr

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Evaluation: Unfälle nahmen zu, Lampen- und Spritverbrauch steigen, Auge wird eher abgelenkt

"Licht am Tag" ist bald passé




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Von Werner Grotte

  • Studie belegt keine Positiv-Auswirkung.
  • Per 1. Jänner wird Gesetz entschärft.
  • Viel Applaus, nur Grüne skeptisch.
  • Wien. Selten war die Zustimmung zu einer Reform so umfassend: Montag Vormittag verkündeten Verkehrsminister Werner Faymann (SPÖ) und Innenminister Günther Platter (ÖVP) in ebenfalls seltener Einigkeit das Ende von "Licht am Tag für alle". Eine entsprechende Studie habe keine positiven Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit ergeben, man werde somit dem Parlament empfehlen, die Verpflichtung für Licht am Tag bei Autos per 1. Jänner 2008 wieder aufzuheben.

Damit ist nach Tempo 160 ein weiteres Lieblingsprojekt von Ex-BZÖ-Verkehrsminister Hubert Gorbach gestorben (siehe auch Kolumne unten). Entgegen damaliger Ankündigungen ministerlicher Verkehrsexperten (etwa "Kuratorium für Verkehrssicherheit") haben sich die Unfallzahlen mit Licht-Pflicht (freiwillig seit 15. November 2005, ver ordnet per 15. April 2006) nicht um die prognostizierten 13 Prozent reduziert.

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Im Gegenteil: Vergleicht man die Zeitspanne Jänner bis Mai 2006 mit 2007, so haben Motorrad-/Moped und Fahrradunfälle um je 65, Pkw-Unfälle um 3,8 sowie Fußgängerunfälle um ein Prozent zugenommen, was ein Durchschnitts-Plus von 10 Prozent ergibt.

Die Studie des Unfallforschers Ernst Pfleger, auf die sich Faymann und Platter berufen, kommt denn auch zur Conclusio, dass Licht am Tag für alle (mit Abblendlicht) zwar die Erkennbarkeit einzelner Pkw kurzfristig verbessert, andererseits aber zu verstärkter Ablenkung führt. Empfohlen wird daher das Abblendlicht nur bei Dämmerung oder Schlechtwetter - bei umsichtigen Fahrern seit jeher üblich.

Wasser auf die Mühlen all jener Mahner - nicht nur aus Zweiradverbänden - die schon bisher gemeint hatten, die Reizüberflutung im Straßenverkehr würde vor allem zu Lasten der Schwächsten, also der Fußgänger, Rad-, Moped- und Motorradfahrer, gehen.



Wer rüstet Autos rück?
Prompt stimmten nach der ministerlichen Ankündigung ÖVP, ÖAMTC, Arbö, VCÖ, Frächterverband der Wirtschaftskammer, Red Biker (SPÖ-Zweiradverband) und sogar Gorbach-Parteifreund und BZÖ-Klubchef Peter Westenthaler Lobgesänge an. Tenor: "Wir waren eh immer dagegen."

Einzig die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriele Moser, kritisierte, dass der gleiche Gutachter, der sich für "Licht am Tag" stark gemacht habe (Pfleger, Anm.), "husch, pfusch über den Sommer eine neue Erhebung auf den Tisch legt, die es dem Minister einfach macht, die Aktion wieder abzuschaffen". Faymann suche damit nur das Rampenlicht, um vom eigentlichen Thema abzulenken: Hauptgrund für tödliche Unfälle sei nach wie vor Raserei, gefolgt von Alkohol am Steuer.

Industrie (und Pkw-Besitzer) sind nun neuerlich gefordert: Denn die Autohersteller hatten auf "Licht am Tag" umgehend reagiert und Neuwagen mit fixem (Abblend-)Licht ausgestattet, wie es bei Motorrädern bereits seit 1999 Usus ist.

Gut verkauften sich auch Rüstsätze zur mit der Zündung gekoppelten Beleuchtung. Luxusmarken wie BMW installierten gar eigene Tagfahrlicht-Leuchten und - gegen Aufpreis - sogar Dämmerlicht- und Regensensoren, die automatisch das Abblendlicht zuschalten. "Das jetzt wieder rückgängig zu machen, erfordert ein eigenes Rechenprogramm, mit dem wir unsere Fachwerkstätten ausrüsten müssen", sagt BMW-Austria-Sprecherin Verena Kössner, die zugibt, dass man mit der Licht-Abschaffung nicht gerechnet habe. Die "erträglichen" Kosten für den Einzelnen könne man noch nicht beziffern.

Seitens des Verkehrsministeriums hat man wiederum keine Pläne, wer die Rückrüstung der mittlerweile fast eine Million Pkw und 400.000 Lkw (26 Prozent des Autobestandes) mit Dauerlicht-Einrichtung bezahlen soll. "Es ist ja kein Muss", meint Faymann-Sprecherin Angelika Feigl.

Allerdings steigt durchs Abblendlicht der Benzinverbrauch um zwei Prozent, was Österreich jährlich 250.000 Tonnen CO 2 beschert, das ist etwa der Jahresverbrauch aller burgenländischen Pkw zusätzlich.

Für den Einzelnen bedeutet das pro Jahr etwa 50 Euro mehr Spritverbrauch sowie 10 Euro mehr Lampenverschleiß.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2007-09-11 17:48:30
Letzte Änderung am 2007-09-11 17:48:00



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